Zu Saisonbeginn war die Mercedes-Welt noch in Ordnung. Kimi Antonelli und George Russell fuhren Kreise um die Konkurrenz. Doch die Gegner holten immer mehr auf. Mercedes musste immer härter um die Siegerpokale kämpfen. Am Ende gewann das Werksteam zwar acht von elf Rennen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass fünf Mal nur eines der beiden Autos punkten konnte.
Verantwortlich dafür waren vor allem Schwächen bei der Zuverlässigkeit. Vor allem der Hybrid-Teil der Antriebseinheit legte den AMG W14 immer wieder lahm. Probleme im Bereich der Batterie und der Steuerelektronik sorgten zum Beispiel für die Ausfälle von George Russell in Kanada und Kimi Antonelli in Barcelona. Erst mit einem Upgrade der Hardware zum Rennen in Spielberg bekamen die Ingenieure das Thema in den Griff.
Folge der Misere war allerdings, dass beide Piloten vom ursprünglichen Saisonplan für den Einsatz der Power-Unit-Elemente abweichen mussten. Antonelli war schon in Belgien beim Verbrennungsmotor (4), der Batterie (3) und den Steuereinheiten (3) ans Limit angekommen. Jedes weitere neue Bauteil würde ihn über die rote Linie befördern.

Antonelli fiel in Barcelona aus, Russell wurde in Montreal von einem Batterie-Defekt gebremst.
Strafen fast unausweichlich
Bei Russell sah die Situation etwas entspannter aus. Doch nach dem Wasserleck im Qualifying von Budapest musste Mercedes auch hier kurz vor der Sommerpause noch den vierten Verbrennungsmotor einsetzen. Bei Batterie und Steuereinheiten hat der Brite ebenfalls die maximal erlaubte Menge an Komponenten ausgereizt.
Beim Tabellenführer glaubt man selbst nicht dran, dass man ohne Strafe über die Runden kommt: "Wenn man sich die Zahl der bereits eingesetzten Power-Unit-Elemente anschaut, dann ist fast unausweichlich, dass beide Fahrer irgendwo mal Strafen kassieren", gab der stellvertretende Teamchef Bradley Lord in Budapest zu Protokoll. Noch ist unklar, ob noch einmal die komplette Power Unit getauscht wird. Diesen Fall hatte Isack Hadjar in Belgien. Dort musste der Red-Bull-Pilot ganz ans Ende des Feldes zurück.
Wenn Mercedes wie im Fall von Lando Norris, ebenfalls in Spa, nur bei einer Komponente über das erlaubte Limit muss, dann kostet das "nur" 10 Startplätze. Natürlich gibt es auch eine gewisse Flexibilität, bei welchem Rennen die Strafe angetreten wird. Im Idealfall sucht man sich eine Strecke aus, auf der man relativ leicht überholen und eine Aufholjagd starten kann.

Beide Piloten werden wohl noch eine Startplatzstrafe kassieren. Wann, steht aber noch nicht fest.
Kalender erschwert Entscheidung
Bei der Wahl muss auch einberechnet werden, dass man die frischen Antriebseinheiten danach auch noch bei möglichst vielen Rennen nutzen kann. Hier ist aber noch nicht ganz klar, wie viele Grand-Prix-Events es dieses Jahr überhaupt noch gibt. Durch den anhaltenden Iran-Krieg drohen die beiden Finalrennen in Katar und Abu Dhabi auszufallen.
Formel-1-Chef Stefano Domenicali hat bereits angekündigt, dass für diesen Fall ein Europa-Rennen einspringt. Die Frage lautet, wie die mögliche Reduzierung auf 22 Saisonrennen die Motorenpläne der Teams beeinflusst. "Unser Strategie-Team wird zusammen mit den Spezialisten in Brixworth überlegen, wie der optimale Weg für den Rest der Saison aussieht", erklärte Lord zu der Thematik.
Power-Strecken wie Monza, Baku oder Malaysia würden sich sicher besonders anbieten. Las Vegas wäre vom Layout her auch geeignet, kommt aber wohl zu spät im Kalender. Eine Startplatzstrafe kommt bekanntlich nie passend. Man darf gespannt sein, wie Mercedes das Problem lösen wird.





