Vom Rennsport auf die Straße. Schon klar. Manchmal ernst gemeint und gut gemacht, oft aber nur eine leere Marketing-Hülse. Von wegen "Win on sunday, sell on monday". Nimmt man diesen Slogan und bringt ihn mit unseren heißen Kleinwagen zusammen, merkt man gleich: Alles ist relativ.
VW Polo R WRC Street – viel Optik, wenig Rallye-Technik
Der von 2013 bis 2014 verkaufte, auf 2.500 Exemplare limitierte Polo R WRC Street sollte an die dominante WRC-Ära von Volkswagen Motorsport anknüpfen. Zwischen 2013 und 2016 gewannen die Herren Ogier und Latvala alle Titel, die es zu gewinnen gab. Optisch erinnert der WRC Street zwar an das Rallye-Auto, aber technisch ist es nicht weit her. Front- statt Allradantrieb und ein Turbomotor mit zwei statt 1,6 Litern Hubraum, um die ärgsten Differenzen zu nennen. Großserie statt Rallye-Ableger eben.

Unscheinbar, aber mit Allradantrieb: Der S1 im gedeckten Metallic-Grau als Nobel-Kleinwagen, wenn es lieber die Handtasche von Gucci als die von Tchibo sein soll.
Und der Audi S1? Auch hier ein schiefes Bild: Allein der Name! Wer S1 hört und auch nur einen Schuss Benzin im Blut hat, denkt sofort an die feuerspuckenden Monster aus der Gruppe-B-Ära, die den Fans mit ihrem Fünfzylinder-Gebrüll im Gedächtnis blieben. Doch der S1 der Neuzeit ist eben nur ein starker Kleinwagen. Immerhin: Allrad ist Pflicht, wie bei jedem S- und RS-Modell aus Ingolstadt. Name und Optik stehen dennoch im Widerspruch. Soll der brav designte Audi S1 also lieber doch nicht an die legendäre Rallye-Tradition erinnern? Irgendwie schizophren, oder?
Seltene Ware auf dem Gebrauchtmarkt
Verkauft wurde er von 2014 bis 2018, ohne Limit. Wenn wir schon zurückblicken: Vor elf Jahren gab’s ja noch den A1 Quattro: einen auf 333 Stück limitierten Kracher mit 256 PS und besonders wilder Optik. Knapp 50 Mille kostete der Sonderling neu. Junge, waren die Audianer mal mutig – nur beim Namen nicht! Der A1 Quattro hätte S1 heißen müssen. Egal, er ist zum echten Sammlerstück mutiert und wird aktuell ab 45.000 Euro gehandelt. Ist die Auswahl knapp? Fragen Sie besser nicht!

Optisch nahe am Weltmeisterauto aus der WRC, doch Volkswagen hat den Über-Polo nur als Frontkratzer verkauft.
Zurück zu unseren Kandidaten. Auch hier ist die Auswahl nicht üppig. Gut 40 (S1) und knapp 25 (Polo) Exemplare stehen aktuell zur Wahl. Für unsere Kaufberatung bietet der Händler Stas Motors im schwäbischen Aitrach seine schöne Youngtimer-Halle als Treffpunkt an. Polo-Besitzer Kevin Bentele parkt seinen WRC neben dem Audi S1 von Inhaber Stanislaus Krischko. Die beiden verstehen sich prächtig und sind schnell in Benzingespräche vertieft.
Audi S1 – Technik, Zustand, bekannte Schwächen
Zeit für einen Gang um die Pocket Rockets. Zuerst der Audi: Drei Halter im Brief, 87.000 Kilometer, Erstzulassung 11/2015 und sehr gute Ausstattung. "Im Preis von 24.990 Euro sind zwei weitere Radsätze für Sommer und Winter inklusive", erzählt Krischko. Der Zustand überzeugt: keine auffällige Abnutzung an Felgen, Lack oder Polstern. Im Display leuchtet der Hinweis "Ölwechsel fällig" auf.

Turbomotor aus dem Golf 6 R mit 2,0 Liter Hubraum statt nur 1,8 wie im Polo GTI, dieser leistet 220 PS.
Den 231 PS starken EA888-Vierzylinder kennen wir aus Golf GTI und anderen Konzernautos. Defekte IHI-Turbolader und erhöhter Ölverbrauch betrafen nur die früheren Generationen, das muss einen S1-Käufer nicht kümmern. Bekannt ist der EA888 für undichte Wasserpumpen. Achtung auch bei schlechtem Tuning: Hier sind Motorschäden nicht selten. Generell sollte man nicht an der Qualität des Motoröls sparen. Und besser von Longlife auf feste Intervalle wechseln. Das hat sich bewährt. Stichwort Quattro-Antrieb: Die Haldexkupplung an der Hinterachse benötigt alle drei Jahre frischen Schmierstoff. Experten raten dazu, die Pumpe auszubauen und auch das Sieb zu reinigen.
Polo R WRC – Sondermodell mit Eigenheiten
Jetzt zum Polo: Gleicher Motor mit elf PS weniger? Nope, hier arbeitet der ältere EA113 mit Zahnriemen statt Kette. Bekannt aus Golf R, hier aber mit 220 statt 270 PS. Besitzer Kevin Bentele wollte eigentlich einen Golf R kaufen, "aber dann hat mir mein Händler einen Polo WRC zur Probefahrt angeboten". Im Jahr 2014 sicherte er sich die Nummer 2467, also einen der letzten, von privat für 21.500 Euro. Seitdem kamen einige Special-Parts hinzu: KW-Fahrwerk, OZ-Räder, Vmaxx-Bremse, Bleie-Käfig, Sportkupplung und vor allem der Short-Shifter von JB Motoring für günstige 849 Euro.

Den 231 PS starken EA888-Vierzylinder kennen wir aus Golf GTI und anderen Konzernautos … Defekte IHI-Turbolader und erhöhter Ölverbrauch betrafen nur die früheren Generationen, das muss einen S1-Käufer nicht kümmern.
Kevin kennt auch die typischen Schwachpunkte: "Das Zweimassenschwungrad und die Synchronringe vom zweiten Gang machen oft Ärger." Auffällig sind auch undichte Schubumluftventile, defekte Kurbelgehäuseentlüftungen, Verschleiß an der Kraftstoff-Hochdruckpumpe, quietschende Bremsen hinten sowie Rost an der Motorhaube und am Einstieg. Kevin hatte vor, sich von seinem VW für rund 25.000 Euro zu trennen. Dann aber hat er die Anzeige gelöscht, als wir uns von sport auto wegen der Kaufberatung gemeldet haben: "Ich wollte mir eigentlich einen BMW M2 holen, aber die sind noch zu teuer. Außerdem finde ich, dass es in dieser Preisklasse kein Auto gibt, das mehr Fahrspaß bietet als der Polo WRC."
Fahreindruck Polo R WRC – roh, direkt, kompromisslos
Apropos: Zeit, endlich loszufahren. Die Nankang-Semislicks fallen schon bei langsamem Tempo akustisch auf. "War von Anfang an so, liegt nicht am Alter", wiegelt der Besitzer ab. Unvergesslich die Schaltung: Der Short-Shifter sorgt für ultrakurze Wege. Durch den langen Schaltstock fühlt man sich wie ein echter WRC-Pilot. Fehlt nur noch ein Beifahrer, der "Rechts – vier – halblang – macht zu" in die Intercom-Anlage brüllt. Was auch fehlt, ist Traktion: Auch wenn das KW-Clubsport-Fahrwerk Karosseriewanken effektiv begrenzt, dreht das entlastete Rad bei scharfer Gangart durch. Hier ist die elektronische Sperre überfordert. Zumal das Popometer signalisiert, dass hier ein paar Extra-Pferde unter der Haube galoppieren. Kevins Polo marschiert wirklich gut. Bei 2.500/min geht’s los, ab 4.500 weht der zweite Wind. Dazu passt der sportliche, aber nicht prollige Motorsound.

Schalten mit dem Short Shifter macht richtig Laune.
"Ich war mit dem Polo auch schon auf der Nordschleife", erzählt Kevin. "Als Nächstes werde ich das Fahrwerk beim Experten Wolfgang Weber professionell vermessen lassen." Die Nordschleife ist ein gutes Stichwort. Leider war der Polo R WRC Street nie als Testwagen in der Redaktion. Und so liegen uns keine Messwerte vor. Null, nix, nada. Kurios, aber wahr.
Fahreindruck Audi S1 – viel Grip, wenig Gefühl
Anders der Audi S1, er stellte sich dem Vergleich mit Corsa OPC und Mini JCW – und er trat im Supertest an. Dort aber blieb er hinter den Erwartungen zurück und musste Golf GTI Performance und Mini Cooper JCW ziehen lassen. Fazit: Der S1 macht zu wenig aus seinen Anlagen. Hier und heute bei rund 30 Grad Lufttemperatur verwässern auch die aufgezogenen Winter-Contis den Fahreindruck. Rasch sind die Pneus überhitzt, und der Audi schmiert weg. Was man deutlich spürt: die in unseren Tests angesprochenen Lastwechselreaktionen. ESP aus, und das Heck kommt. Der Sportfahrer grinst, der Neuling hat schweißnasse Hände.
Klar, die 231 PS bringt der Quattroantrieb gut auf den Asphalt. Schon bei 2.000 Touren legt das Turbo-Triebwerk kräftig los. Die Schaltung agiert auf kurzen Wegen, wirkt aber etwas ausgeleiert. Hier müssen wohl die Schaltseile nachjustiert werden. Selbst im Dynamic-Modus gibt die E-Lenkung etwas zu wenig Rückmeldung – typisch für Audis aus dieser Epoche.

Sieht nach mehr Klang aus … Zwei Rohre links wie rechts sind typisch für Audis S-Modelle. Beim kleinen S1 könnte ruhig etwas mehr Sound durchkommen.
Unterhaltskosten und Versicherung – kleine Autos, große Posten
Thema Kosten: Bei den Inspektionen kommt der Polo-Driver günstiger weg. Dafür muss er einen Zahnriemenwechsel einkalkulieren. VW verlangt dafür rund 1.400 Euro. Falls bald fällig, ein guter Grund für Preisverhandlungen. Bei den übrigen Ausgaben für Verschleiß- und Ersatzteile ist einmal der Audi teurer, einmal der VW. Und der Verbrauch? Im Schnitt kommen beide mit rund 10 Litern auf 100 Kilometer aus. Super plus ist kein Muss, schadet aber nicht. Wer sich für die Kosten interessiert, wird auch die Kaskoeinstufungen im Auge haben. Unterm Strich kommt der Polo teurer als der S1. Bei beiden sind die Tarife nicht exorbitant, sie liegen in etwa auf dem Niveau der großen Brüder S3 und Golf GTI.
Wir erinnern uns: Vom Rennsport auf die Straße. Na ja, stimmt weder hier noch da. Und heute? Einen aktuellen Audi S1 gibt es nicht. Der A1 40 TFSI mit 207 PS und Frontantrieb markiert die Spitze. VW bietet den technisch sehr ähnlichen Polo GTI mit identischer Leistung. Unsere Prognose: Im Kleinwagen-Segment sind Topsportler mit Turbomotoren tendenziell vom Aussterben bedroht. Immerhin gibt es sie aber noch – und zwar gebraucht.
Sportliche Alternativen
Drei sind genug: Ford Fiesta ST

Nur drei Zylinder und 1,5 Liter Hubraum? Egal! Der Fiesta ST mit seinem 200 PS starken Turbo-motor überzeugt auf der ganzen Linie. Zum satten Antritt kommt der knurrig-raue Sound. An der guten Rundenzeit von 1.17,7 Minuten auf dem kleinen Kurs hat das top abgestimmte Fahrwerk entscheidenden Anteil. Breites Angebot, los geht’s bei 13.000 Euro.
Am besten der Alte: Mini Cooper JCW

Normalerweise heißt es ja: Neu gleich besser. Nicht so beim Cooper JCW. Der Alte mit dem Kürzel R56 kann seinen Nachfolger F56 klar auf Distanz halten, wenn Fahrspaß und Sportlichkeit im Fokus stehen. Für die von 2008 bis 2013 gebauten JCW R56 mit 211-PS-Motor sind mindestens 7.000 Euro fällig. Die Rundenzeit von 1.18,5 Minuten kann sich auch heute noch sehen lassen. Insgesamt ordentliche Auswahl.
Aus und vorbei: Opel Corsa OPC

GT/E, GSi und OPC – die markanten Sport-Label klebten immer an den stärksten Opel-Modellen. Vorbei. Der Corsa OPC mit 207 PS wurde bis 2018 gebaut, auf einen Nachfolger warten die Fans vergebens. 2015 schaffte er eine gute Rundenzeit von 1.18,6 Minuten – allerdings mit dem optionalen Performance-Paket und mechanischer Sperre. Die günstigsten OPC liegen bei rund 10.000 Euro. Vergleichsweise knappes Angebot.












