Autos mit Tiernamen? Kennt jeder: Käfer, Ente, Laubfrosch und Panda. Krabbeln, watscheln, quaken und drollig aus der Wäsche schauen. Wie niedlich. Gegen dieses Kleingetier liegt ein Ford Mustang meilenweit in Führung. Sein Name klingt nach Rasse, Temperament und Muskeln. Die Geschichte mit dem Wildpferd und den Pony-Cars haben wir alle tausendfach gehört oder gelesen. Dass der Ford Mustang diese Fahrzeuggattung kraft seiner Geburt 1964 begründete und bis heute megaerfolgreich ist, natürlich auch. Dynamik hat die sechste Generation genügend – im Gegensatz zu den niedlichen Kleinen von VW, Citroën, Opel oder Fiat. 421 oder 450 PS leistet der fünf Liter große Sauger. Der V8 ist klar die beliebteste Motorisierung des von 2014 bis 2023 gebauten Mustang. 2015 kostete ein 421-PS-Modell 43.000 Euro, allerdings nackt.
Die meisten Mustang gingen dabei mit Vollausstattung über den Tresen, was den Preis auf über 50.000 Euro anhob. Das Facelift-Modell mit 450 PS kam 2018 zu uns und lag als Basismodell bei 47.000 Euro. So relativieren sich die auf den ersten Blick gar nicht mal so günstigen Gebrauchtwagenpreise, zumindest für die empfehlenswerten Europa-Varianten. Unter 35.000 Euro ist fast nichts Vernünftiges zu finden. Aber: Mustangs value for money ist unschlagbar, egal ob gebraucht oder neu. Schauen Sie mal auf die deutsche PS-Prominenz …

Dass der Mustang wertstabil ist, sieht man auf den ersten Blick. Europa-Modelle kosten fast immer über 35.000 Euro, unfallfreie Autos sind kaum unter 40.000 zu bekommen. Die günstigsten starten schon bei 25.000 Euro, sind aber alles US-Importe. Vorsicht bei schlecht reparierten und womöglich verschwiegenen Unfallschäden.
Christian Meyer von Mustang Deutschland in Neu-Ulm beschäftigt sich seit knapp 20 Jahren mit Fords Kultauto: "Als ich auf Schüleraustausch in den USA war, hat es mich erwischt." Seinen ersten Mustang importierte er 2004: "Bis 2017 hat sich der Import noch gelohnt, denn für die EU-Varianten gab es anfangs einige Extras wie 20-Zöller oder beliebte Pakete nicht. Das ist längst vorbei. Die Europa-Modelle können alles, bieten dazu volle Werksgarantie."
Aber: Importierte US-Autos sind günstiger, hier beginnt die Preis-Range bei 25.000 Euro. Christian Meyer: "Man erkennt sie an den kleinen Außenspiegeln und roten Rückleuchten. Häufig kommen sie in Shelby-Optik daher, tragen ein Body-Kit und haben eine Abgasanlage ohne Zulassung."
Das größte Risiko sind jedoch die zahlreichen reparierten Unfallautos, die nicht als solche verkauft werden. Das Problem: "Sie hatten einen Unfall, einen Wasser- oder Vandalismusschaden und sind in den USA nicht mehr zulassungsfähig", sagt Meyer. Der Fachbegriff lautet "Salvage Titel". Diese Autos werden exportiert und erleben bei Werkstätten in Litauen oder Georgien ihren zweiten Frühling. Wie gut oder schlecht sie dort repariert wurden? Oft Glückssache.
Highway oder Hurricane
Wer Pech hat, erwirbt einen "unfallfreien" Mustang, der jedoch in seinem ersten Leben auf einem Highway mit einem Dodge Ram kollidiert ist oder wegen eines amtlichen Hurricanes bis zur Gürtellinie unter Wasser stand. Meyer: "Zwei bis drei Mustang-Besitzer pro Monat melden sich bei mir und bitten um Hilfe, weil sie merken, dass mit ihrem Auto etwas nicht stimmt." Und es passiert nicht nur Kunden von gebrauchten US-Cars. Die schwarzen Händlerschafe vermarkten auf diese Art auch teure Audi, BMW, Mercedes und Porsche.

Klassischer Saugmotor mit Vierventiltechnik und Spaß an der Drehzahl. Der V8 klingt gut, geht gut und ist mit munteren 450 Pferdchen gesegnet.
Was also tun? Am besten die Fahrzeug-Identnummer bei Google eingeben und nach Fotos suchen. Meist findet man das Auto, wenn die Versicherung den Unfall oder Schaden bereits reguliert hat. Mögliche Zweifel klärt auch eine Anfrage bei Carfax.
Genug der schlechten Gedanken. Wir greifen zum Schlüssel des reinrassigen deutschen Wildpferds, das Christian Meyer und seine netten Mitarbeiter für uns reserviert haben: Erstzulassung 1/2020 auf die Ford-Werke, danach von einem Privatmann gefahren. Der orange Fastback hat erst knapp 27.000 Kilometer runter und soll 47.690 Euro kosten. Sehr gepflegter Zustand, inklusive begehrten 55er-Pakets, neuer HU, Garantieschutzbrief und genügend Restgummi auf den Michelin-Reifen. Diese Kombination löst den Sofortkauf-Reflex aus. Moment, wir sind ja noch keinen Meter gefahren!
Drücken, drehen, fauchen
Beim Warmcruisen erst mal das US-Car auf sich wirken lassen. Kompakt ist anders. Der Ford misst fast 4,80 Meter, da waren seine Ahnen schon zierlicher. Und auch der Wendekreis schränkt die Handlichkeit ein. Innen viel Hartplastik mit Carbon-Look, aber auch hübsche Digitalinstrumente und schöne Metall-Kippschalter. Das Navi kennen wir aus Fiesta und Focus.

Das Facelift bringt klare Vorteile. Dank Klappenauspuffs besserer Sound trotz OPF.
Die süße Achtzylindermelodie jedoch nicht – American Heartbeat at its best. Der Tonfall lässt sich modellieren: Von dezentem Bollern bis zum aggressiven Brüllen ist alles dabei. Je nachdem, welches Fahrprogramm man angeklickt hat und wie die Auspuffklappen gerade stehen. Der 450 PS starke Fünfliter-V8 wirft 529 Newtons in den Ring. Entsprechend gibt es schon untenherum strammen Durchzug. Bei 3.500 Touren zeigt der Vierventiler sein wahres Gesicht. Jetzt drückt er kräftig, dreht und schiebt und faucht, bis der Begrenzer bei siebenfünf nach dem nächsten Gang fordert. Die Getrag-Handschaltung agiert knackig und auf kurzen Wegen – und sie verkneift sich das gelegentliche Hakeln, das vom bis Sommer 2017 gebauten Mustang mit 421 PS bekannt ist.
Auch das Handling zeigt zwei Charaktere: Im Normal-Modus animiert der Mustang zum lässigen Dahintraben. Untermalt vom moderaten V8-Bass, spult er seine Kilometer ab. Aber auch hartes Rannehmen mag er. Per Klickschalter den Cruiser-Modus verlassen, drei Gänge runter und – yiiihaaa! Der gestreckte Galopp gefällt dem Pony-Car ebenso gut wie dem Reiter. Im Rennstrecken-Modus passt auch das reduzierte Handmoment der Lenkung zu den Ambitionen des Fahrers. Der US-Boy serviert ein sehr unterhaltsames Handling. Doch Achtung: Wenn das ESP deaktiviert ist, muss man die Zügel fest in der Hand haben. Die Hinterachse mit Torsen-Sperre verliert den Grip eher spontan als progressiv.

Magna-Ride-Fahrwerk und bessere Reifen: Die Michelin Pilot Sport 4S sind den früher verbauten Pirelli P Zero bei Nässe klar überlegen.
War noch was? Ach so, die Bremsen! Brembo liefert die Komponenten. Ja genau, kleiner haben sie es nicht in Dearborn. Gut dosierbar, prima zupackend und auch in Sachen Fading sehr unauffällig – das zeigt ein Blick auf die Messwerte der bei uns angetretenen Test-Mustang. Das Gute: Die Bremsen kosten nicht die Welt, wenn sie mal getauscht werden müssen. Überhaupt sind die Preise für Inspektionen, Ersatz- oder Verschleißteile wirklich günstig. Sie bewegen sich eben auf Ford-Niveau und bleiben weit unter denen vergleichbarer Sportwagen. Bravo!
Kaum Potenzial für Ärger
Wir bleiben bei den Kosten, Thema Sprit: Klar, wer den Ford jährlich 40.000 Kilometer über die German Autobahn prügelt, darf sich nicht über dramatische Spritrechnungen beklagen. Doch mit rund 13 Litern im Schnitt bleibt er unter der Konkurrenz. Was kann jenseits von verschwiegenen Unfallschäden für Ärger sorgen? Nicht viel, der Ford ist weitgehend unproblematisch.

Wer Mustang sagt, meint V8. Mag sein, dass man mit einem V6 oder Vierzylinder Geld sparen kann, doch für uns muss es ein Achtzylinder sein. Und: Ein gebrauchter Ford Mustang GT bietet sehr viel Auto fürs Geld. Wichtig beim Kauf: Eine Lackschichtenmessung hilft, inoffizielle Unfallautos zu entlarven.
Vereinzelt gab es verkokte und klemmende Ansaugklappen. Sie lassen den Motor unrund laufen oder er geht gleich in den Notlauf. Meyer: "Bei Vor-Mopf-Autos gab es Probleme mit der Zehngangautomatik und der elektrischen Sitzverstellung. Wurde aber beides auf Garantie behoben." Auch die flatternde Motorhaube ab 180 km/h tritt nur bei frühen Modelljahren auf. Ebenso wie Kontaktkorrosion an den aus Alu gefertigten Motorhauben und Heckdeckeln.
Unterm Strich kein Grund, keinen Mustang zu kaufen. Was haben wir vergessen? Na, die Viper, ein weiteres Auto mit Tiernamen! Aber das wäre eine ganz andere Geschichte …
Sportliche Alternativen
Hot Wheels: Chevrolet Camaro V8

Der Chevy, der kann was. Zum Beispiel auf der Rennstrecke: Hier war der Camaro schneller als der Ford. Auf dem GP-Kurs schaffte er 1.59,9 min. Seine 453 PS holt der Stoßstangen-V8 aus satten 6,2 Litern Hubraum. Die Preise sind verlockend: Frühe Autos von 2016 kosten günstige 30 Mille. Große Auswahl und wie der Mustang auch als Cabriolet verfügbar. Ein Plus: keine Abregelung, sondern echte 290 km/h Vmax.
Golden Oldie: Dodge Challenger

Kein Bericht über den Challenger ohne Hinweis auf die alte Daimler-Plattform als technische Basis. Egal, wir freuen uns lieber darüber, dass der rattenscharf gestylte Dodge seit 2008 gebaut und als Gebrauchter häufig angeboten wird. Als SRT 392 mit 492 PS ab 30.000 Euro zu haben. Die schnelle Runde auf der Rennstrecke ist nicht seine Stärke, wie die Zeit von 2.03,8 min auf dem GP-Kurs zeigt.
German Muscle Car: Mercedes-AMG C 63 Coupé

AMG kontert die Hubraummacht der US-Boys mit zwei Turbinchen. Mit munteren 476 oder 510 PS (S-Modell) schiebt der C 63 an wie ein veritables Muscle Car. Dazu passt auch der abgrundtief derbe V8-Sound, den Fans so am AMG lieben. Und auch Fahrdynamik kann er, wie die Rundenzeit auf dem GP-Kurs von 1.57,0 min beweist. Der Einstieg für das C 63 Coupé gelingt ab rund 45.000 Euro.












