Erste 1.500-kW-Ladesäule in Deutschland – Startschuss für 3.000 Flash Charger in Europa.

BYD-Flash Charging in fünf Minuten
Hier steht Deutschlands erste 1.500-kW-Ladesäule

ArtikeldatumVeröffentlicht am 11.06.2026
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Denza Flash Charging BYD
Foto: Denza/Schönfeld

Mit einer Ladeleistung von bis zu 1.500 kW verschiebt BYD die Grenzen dessen, was bislang bei Elektroautos möglich schien. In Deutschland hat der chinesische Hersteller nun erstmals einen sogenannten "Flash Charger" installiert und damit den Startschuss für eine der ambitioniertesten Ladeinfrastruktur-Offensiven Europas gegeben.

Erste Megawatt-Ladesäule für Pkw in Deutschland

BYD hat seine erste ultraschnelle Flash-Charging-Station in Deutschland installiert. Die Anlage basiert auf der zweiten Generation der BYD-Ladetechnologie und soll Ladeleistungen von bis zu 1,5 Megawatt ermöglichen. Damit bewegt sich die Technik in Leistungsregionen, die bislang vor allem aus dem Nutzfahrzeugbereich bekannt waren. Zum Vergleich: Die aktuellen Tesla-V4-Supercharger erreichen maximal rund 500 kW, viele moderne HPC-Ladesäulen in Europa liegen zwischen 300 und 400 kW. BYDs neue Generation verdreifacht diese Werte noch einmal deutlich.

Die ersten Bilder der Anlage stammen von einem Event der Premium-Marke Denza. Während zunächst unklar war, ob es sich bereits um einen öffentlichen Standort handelt, zeigen die Aufnahmen tatsächlich erstmals einen voll funktionsfähigen Flash Charger in Deutschland. Der Standort befindet sich in der Nähe der Iselerbahn im Allgäu.

Echte 1.500 kW Ladeleistung

Die reine Zahl klingt spektakulär, entscheidend ist jedoch die praktische Bedeutung. BYD kombiniert die neue Ladeinfrastruktur mit der Blade Battery 2.0, deren Zellchemie und Kühlung speziell auf extrem hohe Ladeleistungen ausgelegt wurden. Laut Hersteller können kompatible Fahrzeuge den Ladezustand unter idealen Bedingungen innerhalb von fünf Minuten von 10 auf 70 Prozent erhöhen. Für den Bereich von 10 auf 97 Prozent werden rund neun Minuten angegeben.

Selbst bei Temperaturen von bis zu minus 30 Grad Celsius soll sich der Ladevorgang lediglich um etwa drei Minuten verlängern. Das wäre ein bemerkenswerter Fortschritt gegenüber heutigen Schnellladesystemen, deren Ladeleistung bei Kälte häufig deutlich einbricht. Besonders interessant: Die maximale Leistung von 1.500 kW muss nicht dauerhaft anliegen. Schon kurze Leistungspeaks in dieser Größenordnung reichen aus, um die durchschnittliche Ladeleistung über den gesamten Ladevorgang auf ein bislang unerreichtes Niveau zu heben.

Technik nicht für jedes Elektroauto

So beeindruckend die Zahlen sind, derzeit können nur wenige Fahrzeuge das Potenzial überhaupt nutzen. In Europa gilt aktuell lediglich der Denza Z9 GT als kompatibel mit der neuen Flash-Charging-Technologie. Selbst moderne 800-Volt-Fahrzeuge wie Porsche Taycan, Kia EV9, Hyundai Ioniq 9 oder Mercedes CLA Electric liegen deutlich unter den von BYD angestrebten Ladeleistungen.

Zudem zeigen erste Praxistests des Denza Z9 GT, dass bereits eine 400-kW-Ladesäule genügt, um sehr kurze Ladezeiten zu erzielen. Das wirft die Frage auf, ob künftig immer größere Batterien oder vielmehr extrem schnelle Ladevorgänge den Alltag von Elektroautos prägen werden. Für viele Langstreckenfahrer dürfte bereits eine Reichweite von 300 bis 400 Kilometern zwischen zwei Ladepausen ausreichen. Wenn sich diese Energie anschließend in zehn bis fünfzehn Minuten nachladen lässt, nähert sich das Nutzungserlebnis zunehmend dem eines klassischen Tankvorgangs an.

3.000 Standorte in Europa bis Ende 2026

Der deutsche Standort ist jedoch nur ein kleiner Teil einer deutlich größeren Strategie. BYD hat angekündigt, bis Ende 2026 insgesamt 6.000 Flash-Charging-Stationen außerhalb Chinas aufzubauen. Rund die Hälfte davon soll in Europa entstehen. Das wäre einer der größten eigenständigen Ladeinfrastruktur-Ausbauten eines Automobilherstellers auf dem europäischen Markt.

In China läuft der Rollout bereits mit hohem Tempo. Dort betreibt BYD nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 6.100 Flash-Charging-Standorte in über 300 Städten. Eine Kooperation mit dem Mineralölkonzern Sinopec soll den Ausbau zusätzlich beschleunigen.

Denza als Speerspitze der Europa-Expansion

Parallel zur Ladeoffensive treibt BYD auch den Ausbau seiner Premium-Marke Denza voran. Anfang Juni eröffnete der erste deutsche Denza-Showroom in Hamburg. Bis Ende 2026 sollen rund 40 Standorte in Deutschland entstehen. Geplant sind insgesamt acht Denza-Modelle für den europäischen Markt bis 2027. Die neue Ladeinfrastruktur könnte dabei zu einem wichtigen Differenzierungsmerkmal werden. Denn wer Fahrzeuge verkauft, die in weniger als zehn Minuten nahezu vollständig geladen werden können, benötigt auch ein passendes Ladenetz.

Der BYD-Ansatz erinnert an die frühe Strategie von Tesla: Fahrzeuge, Ladeinfrastruktur und Kundenerlebnis sollen aus einer Hand kommen.

Fazit