Polen, Norwegen, Finnland, Estland, Australien und Rumänien gehören zu den Ländern, die auf die K9 setzen oder sich bereits für das System entschieden haben. Die Gründe liegen dabei nicht allein in der Feuerkraft.
Die K9 wurde Ende der 1990er-Jahre für die Streitkräfte Südkoreas entwickelt. Heute zählt sie zu den erfolgreichsten Exportprodukten der internationalen Rüstungsindustrie. Nach Angaben von Hanwha Aerospace wurde das System bereits in elf Staaten verkauft. Die deutsche Panzerhaubitze 2000 wird dagegen von deutlich weniger Ländern genutzt und erhielt in den vergangenen Jahren nur wenige neue Exportaufträge.
Zwei unterschiedliche Konzepte
Auf den ersten Blick verfolgen beide Fahrzeuge dasselbe Ziel. Sie bringen ein 155-Millimeter-Geschütz mit einer Rohrlänge von 52 Kalibern auf ein kettengetriebenes Fahrgestell und sollen Ziele in Entfernungen von mehreren Dutzend Kilometern präzise bekämpfen.
Im Detail unterscheiden sich die Konzepte jedoch. Die Panzerhaubitze 2000 wurde von Beginn an mit dem Ziel entwickelt, ein Maximum an Feuerkraft, Schutz und Automatisierung zu bieten. Das schlägt sich unter anderem im Gewicht von rund 56 Tonnen nieder.
Die K9 Thunder fällt mit rund 47 Tonnen deutlich leichter aus. Sie verzichtet auf einige aufwendige Lösungen der deutschen Konstruktion und setzt stattdessen auf ein ausgewogenes Verhältnis aus Leistung, Kosten und Wartungsaufwand.
Die PzH 2000 ist technisch keineswegs unterlegen
Wer ausschließlich die technischen Daten betrachtet, kommt kaum zu dem Schluss, dass die K9 der Panzerhaubitze 2000 überlegen wäre. Die deutsche Haubitze bietet eine sehr hohe Feuergeschwindigkeit, einen starken Panzerschutz und zählt bis heute zu den präzisesten Systemen ihrer Klasse. Auch bei der maximal erreichbaren Schussweite kann sie mit entsprechender Munition Vorteile besitzen.
Die K9 erreicht dagegen in vielen Bereichen ähnliche Werte, ohne die Spitzenleistung der PzH 2000 in jedem Punkt zu übertreffen. Gerade deshalb stellt sich die Frage, weshalb die K9 auf dem Weltmarkt deutlich erfolgreicher ist.
Preis und Lieferzeit entscheiden häufig über den Zuschlag
Bei militärischen Beschaffungen spielen technische Daten nur eine Rolle von mehreren. Ein wesentlicher Vorteil der K9 liegt in den hohen Produktionskapazitäten von Hanwha Aerospace. Das Unternehmen konnte in den vergangenen Jahren große Stückzahlen innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit liefern. Gerade nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine wollten zahlreiche Staaten ihre Artillerie schnell modernisieren.
Hinzu kommt, dass Hanwha umfangreiche Industriekooperationen anbietet. Käufer erhalten auf Wunsch Technologietransfer, lokale Fertigung und die Einbindung nationaler Unternehmen. Polen produziert künftig die K9PL weitgehend selbst. Auch Australien baut Fahrzeuge im eigenen Land, während die Türkei bereits seit Jahren eine Lizenzversion der K9 fertigt.
Auch die Zukunft entwickelt sich unterschiedlich
Hanwha arbeitet bereits an den Weiterentwicklungen K9A2 und K9A3. Vorgesehen sind unter anderem ein stärker automatisiertes Ladesystem und langfristig ein unbemannter Turm.
In Deutschland richtet sich der Blick dagegen zunehmend auf die RCH 155. Das neue System nutzt den bekannten Artillerieturm auf dem Boxer-Radfahrzeug und soll künftig einen Teil der Aufgaben der Panzerhaubitze 2000 ergänzen.





