Auf der Canadian International Auto Show 2026 hat die kanadische Automotive Parts Manufacturers Association (APMA) zwei neue Elektro-Prototypen vorgestellt. Die APMA ist seit 1952 die Interessenvertretung der kanadischen Automobilzulieferer. Kanada ist als Produktionsstandort für Pkw und Nutzfahrzeuge zwar stark aufgestellt, hat aber keine eigenen nationalen Automarken. Die neuen Studien sollen daher zeigen, welche Kompetenzen die kanadische Zulieferindustrie in den Bereichen Elektrifizierung, Produktion und automatisiertes Fahren bündeln kann.
SUV und Van als Studien
Das Project Arrow war 2023 als erstes vollständig in Kanada entwickeltes Konzeptfahrzeug gestartet. Das Programm ist als nationale Plattform angelegt, an der Industrie, Hochschulen und Technologiepartner beteiligt sind. In der jetzt vorgestellten zweiten Phase, zu der auch ein neues Van-Konzept gehört, soll der ursprüngliche Machbarkeitsnachweis auf den Weg zur tatsächlichen Produktion gebracht werden. Über 80 kanadische Zulieferer und Entwicklungspartner sind in die beiden aktuellen Prototypen eingebunden; die Ontario Tech University hat die Rolle als zentraler Entwicklungspartner für Integration und Aufbau.
Der (natürlich elektrisch angetriebene) SUV Project Arrow Vector ist als sportlich designter Crossover durchgeführt und soll so konzipiert sein, dass er bis 2030 als echtes Serienmodell realisiert werden kann. Das Chassis entstand mit KI-gestützter Entwicklung und soll aus Kunststoffen und Aluminium im 3D-Druckverfahren hergestellt werden. So soll das Gewicht und die Bauteil-Anzahl reduziert werden. Ziel ist eine gewichtsoptimierte Bauweise bei gleichzeitig reduzierter Teilezahl. Der elektrische Antrieb leistet 650 PS. Die angegebene Reichweite liegt bei rund 550 Kilometern. Zudem ist autonomes Fahren nach Level-3 vorgesehen.
Antriebsstrang aus dem Drucker
Eher Zukunftsmusik ist der Elektro-Van Project Arrow Borealis, den die Macher für den Zeitraum ab 2040 sehen. Auch hier spielt additive Fertigung eine zentrale Rolle. Additive Fertigung bezeichnet ein Fertigungsverfahren, bei dem Bauteile schichtweise aufgebaut werden, anstatt Material wie beim Fräsen oder Drehen wegzunehmen – umgangssprachlich eben der erwähnte 3D-Druck. Beim Arrow Borealis soll das allerdings in Form einer 3D-gedruckten Struktur aus einer Metalllegierung erfolgen. Und zwar nicht nur für die Karosserie. Auch der Antriebsstrang soll "gedruckt" werden. Als technische Zielmarke nennt die APMA eine Reichweite von bis zu 1.500 Kilometern, was mit heutiger Batterie- und Motorentechnik allerdings kaum realisierbar scheint. Außerdem ist ein vollständig autonomes Fahrsystem auf Level 5 vorgesehen, das ohne menschliche Eingriffe auskommt. Das erklärt auch das ungewöhnliche Sitz-Layout der Studie, bei der sich die Passagiere gegenübersitzen. Die rückwärtsgewandten Vordersitze dürften allerdings während der Fahrt gewöhnungsbedürftig sein.
Ob und in welcher Form Elemente der beiden Projekte in Serie gehen, hängt maßgeblich vom Industrialisierungsgrad der jeweiligen Technologien ab. Die additive 3D-Druck-Fertigung von Bauteilen wird bereits in Kleinserien und im Motorsport eingesetzt, steckt im Volumensegment jedoch nicht nur aufgrund der hohen Kosten noch in den Kinderschuhen.
Kanada will im Auto-Sektor wachsen
Der Hintergrund der beiden Projektfahrzeuge ist industriepolitisch motiviert. Kanada verfügt über eine breite Zulieferbasis, ist jedoch im Vergleich zu den USA, Europa oder China kein klassischer OEM-Standort mit eigenen Großserienmarken. Project Arrow soll damit vor allem als Schaufenster dienen, um die Kompetenz der lokalen Industrie unter Beweis zu stellen und möglicherweise einen Autohersteller zu überreden, die Konzepte zu verwirklichen. In Kanada produzieren Werke von Ford, General Motors, Stellantis, Toyota und Honda Fahrzeuge für den nordamerikanischen Markt.












