BMW streicht Level 3 im 7er zur Modellpflege: Kurskorrektur im Flaggschiff

Kurskorrektur im Flaggschiff
BMW streicht Level 3 im 7er zur Modellpflege

ArtikeldatumVeröffentlicht am 24.02.2026
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BMW 740d
Foto: Achim Hartmann

Mit der Modellpflege des BMW 7er Ende April 2026 entfällt eine der ambitioniertesten Technologieoptionen im Programm, wie die Automobilwoche berichtet, verzichtet BMW künftig auf sein System zum teilautonomen Fahren nach Level 3 namens "Personal Pilot L3". BMW kehrt stattdessen zu einem Assistenzsystem nach Level 2 zurück.

BMW hat den "Personal Pilot L3" erst 2024 eingeführt. Wer das System bestellte, erhielt damit die Möglichkeit, dass in definierten Situationen die Fahraufgabe und damit die rechtliche Verantwortung vom Fahrer auf das Fahrzeug übergeht. Während der Level-3-Fahrt konnte sich der Fahrer vom Verkehrsgeschehen abwenden und anderen Tätigkeiten widmen, etwa Streaming-Angebote nutzen.

Hohe Kosten, überschaubarer Alltagsnutzen

Nach Informationen der Automobilwoche begründet BMW den Schritt mit einem Missverhältnis zwischen Kosten und Kundennachfrage. Rund 6.000 Euro Aufpreis mussten 7er-Kunden für das Level-3-System investieren. Technisch erforderte es eine deutlich aufwendigere Sensorik inklusive Lidar, eine leistungsfähige Rechnerarchitektur sowie umfangreiche Validierungs- und Überwachungsprozesse. Da bei aktiviertem Level 3 die Verantwortung beim Hersteller liegt, steigen die Anforderungen an Absicherung und Dokumentation erheblich.

Gleichzeitig war der nutzbare Einsatzbereich des Systems begrenzt. Der Einsatz des Assistenzsystems war nur auf Autobahnen oder anderen baulich getrennten Straßen möglich und zudem nur bei Geschwindigkeiten bis 60 km/h. Für ein System mit erheblichem Hardware- und Validierungsaufwand war dieser Einsatzbereich vergleichsweise eng. Auch Mercedes hat ein entsprechendes System bei seiner S-Klasse angeboten – das hieß Drive Pilot und funktionierte bis zu Geschwindigkeiten von 95 km/h. Und selbst Mercedes trennt sich im Zuge einer S-Klasse-Modellpflege von der Level-3-Technik – aus technischen und wirtschaftlichen Gründen.

Fokus auf neues Level-2-System

Level-3-Funktionen rechnen sich anscheinend jedoch erst dann, wenn sie in ausreichend vielen Verkehrssituationen einsetzbar sind. Offenbar war diese Schwelle beim BMW 7er im aktuellen Entwicklungsstand noch nicht erreicht. Konzernintern heißt es laut Bericht, Kostenstruktur und Nachfrage hätten nicht im Einklang gestanden.

Im Zuge der Modellpflege erhält der 7er zentrale Technologieelemente der "Neuen Klasse". Dazu zählt ein neu entwickeltes Level-2-Fahrassistenzsystem, das erstmals im iX3 zum Einsatz gekommen ist und künftig breit über weitere Baureihen ausgerollt wird. Es kostet mit 1.450 Euro deutlich weniger als das bisherige Level-3-Angebot und soll im Alltag vielseitiger einsetzbar sein. Der fundamentale Unterschied ist aber: Bei Level 2 ist der Fahrer permanent für die Überwachung des Verkehrs verantwortlich.

BMW 740d
Achim Hartmann

Weltweit einfach einführbar

BMWs Level-2-System ermöglicht freihändiges Fahren auf Autobahnen inklusive automatischem Spurwechsel per Blickbestätigung, perspektivisch sollen auch navigationsgeführte Funktionen im Stadtverkehr möglich sein. Technisch bedeutet das: Das Fahrzeug weiß nicht nur, wo es sich gerade befindet, sondern kennt auch den geplanten Streckenverlauf im Voraus. Auf dieser Basis kann das System Fahrmanöver vorausschauend planen und ausführen. So könnten beispielsweise ein automatisches Einordnen in die richtige Abbiegespur und ein situationsabhängiges Anpassen der Geschwindigkeit die Fahrt für den Fahrer komfortabler machen.

Für sein aufgefrischtes Level-2-System hat BMW eine Zulassung nach UN-Regelung Nr. 171 für sogenannte DCAS-Systeme (DCAS: Driver Control Assistance Systems) bekommen. Diese Homologation soll die Einführung in zahlreichen europäischen Märkten erleichtern, da aufwendige nationale Einzelgenehmigungen entfallen. Der Rollout soll laut BMW bereits im Frühjahr in weiten Teilen Europas starten, auch in den USA ist die Einführung vorgesehen. Für China arbeitet BMW mit dem chinesischen Technologieunternehmen Momenta an einer lokal angepassten Variante – Mercedes setzt beim Level-2-System der S-Klasse ebenfalls auf Momenta-Technologie.

Kein Technologiestopp

BMW sieht die Einstellung des "Personal Pilot L3" nicht als Scheitern. Man verweist auf mehr als 160 Millionen freihändig gefahrene Kilometer mit bisherigen Assistenzsystemen in Deutschland, den USA und Kanada. Die dabei gewonnenen Daten seien in die Entwicklung des neuen Level-2-Systems eingeflossen.

Strategisch bleiben höhere Automatisierungsstufen gesetzt. Kurzfristig steht jedoch die Skalierung kundenrelevanter Level-2+-Funktionen im Vordergrund. Ziel ist eine größere Verfügbarkeit mit niedrigeren Einstiegshürden und mit besserer wirtschaftlicher Tragfähigkeit. Die Entwicklung hin zu einer Wiedereinführung von Level 3 läuft im Hintergrund weiter.

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