Volkswagen macht derzeit viel Aufhebens darum, dass der kommende Volkswagen ID.2 in seinem digitalen Display analoge Rundinstrumente simulieren kann (siehe Bildergalerie). So mancher Zubehör-Händler dürfte da kräftig schmunzeln. Schließlich gibt es längst eine bunte Vielfalt an eindrucksvollen Nachrüstlösungen auf dem Markt. Zahlreiche Fahrzeuge, auch älteren Baujahrs, lassen sich damit einfach mit Displays aufrüsten, die funktional wie gestalterisch deutlich über das hinausgehen, was viele neue Serienmodelle ab Werk bieten.
Digitale Nachrüst-Tachos sind dabei nicht nur ein optisches Upgrade. Sie verändern die Art, wie Fahrerinnen und Fahrer Informationen wahrnehmen, bündeln Daten intelligenter und machen Fahrzeuge technisch zukunftsfähiger – vorausgesetzt, Technik, Einbau und rechtlicher Rahmen stimmen.
Was digitale Tachos besser können als klassische Instrumente
Ein alter, analoger Tacho erfüllt seine Aufgabe zuverlässig. Allerdings bleibt er funktional stark begrenzt. Digitale Kombiinstrumente hingegen sind dagegen Displays mit eigener Rechenlogik. Neben Geschwindigkeit und Drehzahl können sie Navigationshinweise, Verbrauchsdaten, Assistenzsysteme, Warnmeldungen oder Diagnoseinformationen anzeigen – oft frei konfigurierbar und situationsabhängig.
Ein weiterer Vorteil liegt in der Personalisierung. Fahrer können zwischen verschiedenen Layouts wechseln, Farben und Skalierungen anpassen oder unterschiedliche Ansichten für Stadtverkehr, Autobahnfahrt oder sportliche Nutzung definieren. Moderne Displays bieten zudem eine deutlich bessere Ablesbarkeit bei direkter Sonneneinstrahlung oder Nachtfahrten. Damit sind digitale Tachos nicht nur ein Designelement, sondern ein funktionaler Mehrwert, insbesondere für Fahrzeuge, deren Seriencockpit technisch in die Jahre gekommen ist.
Geeignete Fahrzeuge: Vom Neuwagen bis zum Oldtimer
Digitale Nachrüstlösungen sind heute für nahezu alle Fahrzeugklassen verfügbar. In modernen Autos mit CAN-Bus lassen sich umfangreiche Daten direkt aus der Bordelektronik auslesen. Bei Youngtimern und älteren Fahrzeugen werden klassische analoge Signale wie Geschwindigkeit, Drehzahl oder Tankfüllstand verarbeitet und digital dargestellt.
Besonders beliebt sind Nachrüstlösungen bei Modellen von BMW, Audi, Mercedes-Benz und Volkswagen, da hier sowohl originale OEM-Retrofits als auch hochwertige Drittanbieter-Systeme existieren. Aber auch Sportwagen, US-Modelle, Offroader oder klassische Fahrzeuge lassen sich mit digitalen Instrumenten ausstatten, sofern der Einbau technisch sauber umgesetzt wird.
Rechtliche Rahmenbedingungen in Deutschland
Grundsätzlich ist das Nachrüsten eines Digitaltachos in Deutschland zulässig. Voraussetzung ist jedoch, dass das System den Anforderungen der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung entspricht. Entscheidend ist vor allem die korrekte Anzeige der Geschwindigkeit in km/h sowie die Einhaltung der zulässigen Tachoabweichung. Das Instrument muss zudem korrekt kalibriert sein, etwa bei abweichenden Reifengrößen.
Nach dem Einbau ist in der Regel eine Abnahme durch eine Prüforganisation wie den TÜV, die Dekra oder die GTÜ erforderlich. Kann der originale Kilometerstand nicht übernommen werden, sollte dies dokumentiert und der Versicherung gemeldet werden. Für spätere Verkäufe empfiehlt sich eine schriftliche Bestätigung über den Tachotausch und den damaligen Kilometerstand.
Besondere Vorsicht ist bei Oldtimern geboten. Eine digitale Umrüstung kann dazu führen, dass die Voraussetzungen für ein H-Kennzeichen nicht mehr erfüllt sind, da die Originalität des Fahrzeugs beeinträchtigt wird.
Einbau und technische Umsetzung
Der Einbau eines digitalen Kombiinstruments ist kein triviales Projekt. Je nach Fahrzeug müssen Signale adaptiert, Kabelbäume angepasst oder Steuergeräte codiert werden. Vor dem Ausbau des originalen Tachos sollte stets die Batterie abgeklemmt werden. Anschließend wird das alte Instrument entfernt und das neue System angeschlossen – entweder über analoge Signalgeber oder über den CAN-Bus.
Nach der mechanischen Integration ins Armaturenbrett folgt die Kalibrierung. Erst danach sollte eine Probefahrt erfolgen, um die korrekte Anzeige zu überprüfen. Abschließend ist die Abnahme durch eine Prüfstelle notwendig. Gerade bei modernen Fahrzeugen mit Wegfahrsperre oder VIN-gebundenen Komponenten empfiehlt sich der Einbau durch einen spezialisierten Fachbetrieb.
Der Markt: Von OEM-Retrofit bis High-End-Aftermarket
Sehr präsent im deutschsprachigen Raum ist die Firma dbcustoms, die für Audi, VW und Mercedes Komplettpakete inklusive Einbau und Codierung anbieten. Auf zuverlässigem Linux-System basierend, sollen die digitalen Dashboards stabil und reibungslos mit verschiedenen Anzeigestilen sowie frei wählbaren Ziffernblättern und Zeigerfarben laufen. Die Preise für die hochaufgelösten Tachoeinheiten rangieren durchweg unterhalb von 1.000 Euro.
Restyle Automotive hat sich dagegen auf Virtual-Cockpit-Lösungen für Fahrzeuge spezialisiert, die ab Werk nie ein digitales Kombiinstrument hatten. Wer ausschließlich originale Herstellertechnik verbauen möchte, greift auf OEM-Retrofits zurück. Anbieter wie BimmerTech oder spezialisierte VAG-Codierer wie K-Electronic rüsten originale Digitalinstrumente inklusive VIN-Codierung nach. Diese Lösungen gelten als rechtlich unproblematisch, sind jedoch vergleichsweise kostenintensiv.
Ghostdash: universell und leistungsfähig
Eine Sonderstellung nehmen die Tachoeinheiten von Ghostdash ein – einem Projekt mit Wurzeln in Brasilien. Das System ist universell einsetzbar und verarbeitet sowohl klassische analoge Signale als auch moderne CAN-Daten. Dadurch eignet es sich für Oldtimer, Youngtimer und Motorsport-Umbauten gleichermaßen. Besonders reizvoll ist die enorme Vielfalt an Darstellungsoptionen, die von historischen Designs bis zu modernen Supersportwagen-Anzeigen reicht. Einstellungen lassen sich per Smartphone-App anpassen, einige Varianten unterstützen sogar CarPlay- oder Screen-Mirroring-Funktionen.
Die optische Vielfalt bis hin zu originalen Porsche- oder Mercedes-Tachos stammt dabei aus der eigenen Community. Nutzer designen Overlays, die klassischen Rennsport-Anzeigen nachempfunden sind. Anschließend werden die Grafiken von Ghostdash freigegeben. Der Nachteil liegt im höheren Einbauaufwand und in der rechtlichen Grauzone, da das System kein E-Prüfzeichen als Gesamteinheit besitzt. Eine Einzelabnahme ist hier dringend anzuraten. Das Gesamtsystem bietet Ghostdash für 1.299 Euro an.
Einbau ohne Umbau: externe GPS-Tachos
Wer keinen tiefen Eingriff ins Fahrzeug vornehmen möchte, kann auf externe GPS-Tachos ausweichen. Diese Geräte werden auf dem Armaturenbrett oder an der Windschutzscheibe montiert und ermitteln die Geschwindigkeit unabhängig vom Fahrzeug. Der Installationsaufwand ist minimal, allerdings fehlt die Integration ins Fahrzeug, und der Funktionsumfang bleibt begrenzt.
Bei Oldtimern ist die Frage des Fahrzeugwerts besonders sensibel. Während ein digitaler Tacho den praktischen Nutzen erhöhen kann, legen viele Sammler großen Wert auf Originalität. Nicht reversible Umbauten können den Marktwert mindern. Für Fahrzeuge mit H-Kennzeichen ist eine digitale Umrüstung in der Regel nicht empfehlenswert.











