Elektroautos als mobile Stromversorgung: Sechs Elektroautos im V2L-Test

Elektroautos als mobile Stromversorgung
Sechs Elektroautos im V2L-Test

ArtikeldatumVeröffentlicht am 18.06.2026
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Detailaufnahme des Ladeanschlusses eines Renault Twingo E-Tech 80 Urban Range während des Ladevorgangs.
Foto: ACHIM HARTMANN

Elektroautos können zunehmend auch andere Aufgaben im Alltag übernehmen, als einfach nur zu fahren. Sie können beispielsweise als Energiespender beim Campen, bei Outdoor-Aktivititäten oder sogar als großer Stromspeicher fürs Heim oder das Stromnetz dienen (Vehicle to Grid). Während die letzte Technik gerade erst Fahrt aufnimmt, ist das sogenannte Vehicle-to-Load (V2L) – also die Möglichkeit, Haushaltsgeräte ans E-Auto anzuschließen – schon relativ weit verbreitet.

Dafür wird einfach ein Adapter in die Ladedose des V2L-fähigen Autos gesteckt, um externe Elektrogeräte mit Strom zu versorgen. Doch wie zuverlässig funktioniert diese Technik im Alltag? Und wie sicher ist der Betrieb externer Verbraucher über die Ladebuchse des Fahrzeugs? Diesen Fragen ist der ADAC in einer Untersuchung nachgegangen und hat sechs aktuelle Elektroautos unter Laborbedingungen geprüft.

Sechs Elektroautos im ADAC-Test

Für die Untersuchung analysierten die ADAC-Experten sowohl die technische Funktionsweise als auch Sicherheit, Belastbarkeit und Bedienbarkeit der Vehicle-to-Load-Funktion.

Untersucht wurden folgende Modelle:

  • BMW iX3
  • BYD Seal
  • Kia EV5
  • MG4
  • Renault 5
  • XPeng G9

So funktioniert Vehicle-to-Load

Im Mittelpunkt standen dabei mehrere Fragestellungen: Wie einfach lässt sich V2L aktivieren? Wie reagieren die Fahrzeuge auf Überlast und Kurzschluss? Welche Leistungen sind tatsächlich verfügbar? Und wie hoch ist der zusätzliche Energiebedarf im Betrieb? Grundsätzlich arbeiten alle getesteten Fahrzeuge nach demselben Prinzip: Über einen speziellen Adapter wird die Ladebuchse des Elektroautos in eine gewöhnliche Steckdose für externe Verbraucher umgewandelt.

Mit der bereitgestellten Energie lassen sich beispielsweise Kühlboxen, Kaffeemaschinen, Werkzeuge, Grills oder Ladegeräte betreiben – ohne Netzanschluss oder separates Stromaggregat. Die konkrete Umsetzung unterscheidet sich jedoch deutlich zwischen den Herstellern. Während manche Fahrzeuge die Stromabgabe automatisch starten, verlangen andere zusätzliche Schritte direkt am Adapter oder über das Fahrzeugdisplay.

Auch bei der Ausführung der Adapter zeigte sich kein einheitlicher Standard. Einzelne Lösungen verfügen über integrierte Kabel oder zusätzlichen Spritzwasserschutz. Gleichzeitig untersagen derzeit alle Hersteller die Nutzung bei Nässe – obwohl Vehicle-to-Load typischerweise im Außenbereich eingesetzt wird.

Sicherheitstest: Alle Fahrzeuge schalten zuverlässig ab

Ein Schwerpunkt der Untersuchung lag auf dem Sicherheitsverhalten der Systeme. Dafür simulierte der ADAC gezielt kritische Situationen wie Kurzschlüsse und Überlastungen. Das Ergebnis fällt insgesamt positiv aus: Alle getesteten Fahrzeuge reagierten regelkonform und unterbrachen die Stromversorgung automatisch. Weder Adapter noch Fahrzeuge wurden beschädigt, auch die Hochvoltsysteme blieben vollständig funktionsfähig.

Bei den maximal verfügbaren Leistungen ergaben sich jedoch Unterschiede. Im Dauerbetrieb bewegten sich die Systeme überwiegend im Bereich von bis zu 3,7 kW – vergleichbar mit einer Haushaltssteckdose. Eine Ausnahme bildete der BMW iX3: Das Fahrzeug erlaubte kurzzeitig deutlich höhere Leistungsabgaben, bevor das System abschaltete. Aus technischer Sicht kann das sinnvoll sein, da viele elektrische Verbraucher beim Einschalten kurzfristig hohe Anlaufströme benötigen.

Fehlermeldungen: ADAC sieht Nachholbedarf

Weniger überzeugend fiel aus Sicht des ADAC die Nutzerführung aus. Bereits die Aktivierung der Funktion erfolgt je nach Hersteller unterschiedlich und teilweise wenig intuitiv. Nutzer müssen teilweise selbst herausfinden, ob die Freigabe am Adapter oder im Fahrzeugmenü erfolgen muss. Auch die Kommunikation im Fehlerfall bewerteten die Tester kritisch. Einige Fahrzeuge lieferten nur allgemeine Hinweise oder sehr unpräzise Meldungen, obwohl lediglich eine Überlastung oder ein Kurzschluss vorlag.

Positiv hob der ADAC Systeme hervor, die zumindest eine nachvollziehbare Fehlerursache anzeigen und damit eine gezielte Fehlersuche ermöglichen. Zusätzlich zeigte sich, dass nicht alle Hersteller den Adapter während des Betriebs zuverlässig verriegeln – ein Detail, das insbesondere im Alltag und bei Außenanwendungen relevant werden kann.

Eigenverbrauch: Der versteckte Kostenfaktor

Neben Sicherheit und Bedienung untersuchte der ADAC auch die Energieeffizienz. Dabei zeigte sich ein oft unterschätzter Effekt: Für die Bereitstellung von Wechselstrom bleiben Fahrzeugsteuerung und Leistungselektronik aktiv – selbst dann, wenn nur kleine Verbraucher angeschlossen sind. Die gemessenen Eigenverbräuche lagen je nach Fahrzeug zwischen rund 390 und 500 Watt.

Für kurze Einsätze spielt das kaum eine Rolle. Bei längeren Anwendungen – etwa mehrtägigem Campingbetrieb – kann dieser Dauerverbrauch jedoch spürbar Energie aus dem Fahrakku ziehen. Der ADAC verweist darauf, dass Vehicle-to-Load deshalb besonders dann sinnvoll ist, wenn tatsächlich nennenswerte Verbraucher betrieben werden und nicht nur geringe Dauerlasten.

Fazit