Boring Company Las Vegas Convention Center Loop Gregor Hebermehl
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Boring Company Las Vegas Convention Center Loop 22 Bilder

Las Vegas Loop: Erste Fahrt in Elons Musks Supertunnel

Unterwegs im Las Vegas Loop Wir fahren in Elons Musks Supertunnel

Tesla-Chef Elon Musk mag nicht nur Raumschiffe, sondern auch Tunnel. Mit seiner Boring Company hat er einen in Las Vegas gebohrt – wir haben ihn ausprobiert.

Vor dem erst jüngst um eine riesige Halle erweiterten Las Vegas Convention Center fällt der Westeingang zum Tunnel des Las Vegas Loop kaum auf: Nur zwei an Bahnhofsdächer erinnernde Konstruktionen scheinen aus einem großen Parkplatz herauszuschauen. Aber die Dächer sind mit Solarpanelen gepflastert und drumherum scheinen permanent zahllose Teslas herumzufahren. Wer genau hinsieht erkennt, dass einige Tesla verschwinden und andere wie aus dem Nichts wieder auftauchen. Also näher ran und nachschauen. Das hier ist der West-Hall-Eingang zum Las Vegas Convention Center Loop (LVCC Loop), den Tesla-Chef Elon Musk mit seiner Boring Company unter Las Vegas durchgebohrt hat. Teslas sollen von hier (künftig auch autonom) zur Central Hall oder zur South Hall fahren – und später einmal durch ganz Las Vegas. Im Rahmen der CES lässt Elon Musk eine Menge Teslas permanent mit Fahrgästen durch den Tunnel fahren – also probieren wir das auch aus.

Weißer Tunnel

Ein weißes Tesla Model 3 hält in der Parkbucht neben mir, der Fahrer bittet mich freundlich herein. Ab auf den Beifahrersitz und los geht’s – mit klassisch entspanntem Ami-Smalltalk: "Woher kommst Du? Aha – da kenne ich jemanden …" Der junge Fahrer zieht zwei Kurven um den überirdischen Bahnhof und dann geht es in den Untergrund. Die Wände wirken bedrohlich dunkel – aber das gilt nur für den Tunnel-Eingangsbereich. Ruckzuck gleiten wir durch eine enge weiße Röhre: "Die kann nicht teuer gewesen sein!" ist mein erster Gedanke. Noch nie bin ich durch einen so engen Tunnel gefahren. Die Röhre hat einen Durchmesser von gut 3,66 Metern – aber, weil sie weiß lackiert ist, wirkt sie etwas geräumiger. Der Fahrer bedauert noch, dass dieses Mal die Lichter nicht eingeschaltet seien – normalerweise sorgt buntes Licht für Stimmung. Uns muss dieses Mal weißes Licht reichen.

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Hier fährt gerade ein Tesla aus der unterirdischen Central Station in die Tunnelröhre.

Saubere Luft und fehlende Autonomie

Gedacht ist der Tunnel für autonomes Fahren – und dafür hat Musks Boring Company jede Menge Elemente an den Tunnelwänden angebracht. An denen können sich die Sensoren der Tesla-Modelle besonders gut orientieren. Aber die Stadt Las Vegas hat den Tunnel noch nicht für den autonomen Fahrbetrieb freigegeben. Der Fahrer lacht: "Ich fahre – wenn etwas passiert, bin ich schuld." Auf die Frage, ob die Fahrt Spaß mache, betont er, dass es toll sei, ohne Emissionen durch den Tunnel zu fahren. Und in der Tat: Bei geöffnetem Fenster riecht hier natürlich nichts nach Abgasen. Die Luft ist trotz keinerlei sichtbaren Lüftungssystemen gut – weder muffig noch mit Reifenqualm verseucht. Wir gleiten weiter und erreichen zwischendurch maximal 60 km/h.

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Im Tunnel sind aktuell Geschwindigkeiten von bis zu 65 km/h möglich.

Stau vorm bunten Musik-Bahnhof

Nach gut zwei Minuten ist die Fahrt zur Central Hall geschafft – aber wir kommen nicht aus dem Tunnel heraus: Stau. Nur langsam rücken wir in den hier unterirdischen Bahnhof ein. Ungeduldig wartet der Fahrer darauf, dass das Auto vor uns seine Parkbucht für uns freimacht. Ich steige aus und sauge die Bahnhofs-Atmosphäre in mich ein: Chillige Musik erfüllt den bunt erleuchteten Saal, wobei sich die Farbstimmung permanent ändert. Gerade läuft der Titelsong von David Lynchs berühmter Serie Twin Peaks aus den frühen 1990er-Jahren. Angelo Badalamenti hat seinerzeit eine mystische Musik komponiert, die ich seit Jahren nicht mehr gehört habe, und die ganz prima zu diesem unterirdischen Ort passt, der so gar nichts von dem üblichen Bahnhofsgefühl mit Hektik, intensiv riechenden Fressbuden und Elend hat.

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Erweiterung bis zum Flughafen sehnlichst erwartet

Ich fahre noch eine komplette Runde mit einem weiteren Fahrer – wieder in einem Model Y, wobei hier unten aber auch alle anderen Tesla-Modelle unterwegs sind. Fast: Ein Roadster ist, zumindest gerade jetzt, nicht dabei. Und in den Tunnel dürfen aktuell nur Teslas – Fahrer mit anderen Elektroautos müssen draußen bleiben. An einigen Fahrzeugen ist hinten eine ausklappbare Plattform für Rollstühle und Scooter montiert. Ich frage meinen neuen Fahrer, ob das stundenlange Tunnelfahren nicht anstrengend sei. Er gibt sich entspannt und erklärt, dass das hier riesigen Spaß mache und für ihn auch Pausen eingeplant seien. Dass der Tunnel bis zum Flughafen geht und damit zu einer sinnvollen Verkehrsader wird, kann er kaum erwarten. Aktuell gibt es nur einen weiteren Bahnhof an der South Hall des Convention Centers – auch dieser Bahnhof ist überirdisch. Aber Musks Maschinen bohren sich bereits Richtung Airport.

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Der Central-Hall-Bahnhof ist ein bunt beleuchtetes Vergnügen.

Für Las Vegas schon selbstverständlich

Wieder angekommen in der Central Station nehme ich die Rolltreppe und fahre wieder hoch ins gleißende Wüstenlicht von Las Vegas. Oben gibt es nur ein kleines Gebäude, das den Rolltreppen- und Fahrstuhleingang zum Bahnhof beherbergt. Ein Bildschirm informiert über die noch einfache Streckenführung. Die Menschen gehen so selbstverständlich an dem Bahnhofseingang vorbei, dass mir klar ist: Für die Einwohner Las Vegas‘ ist der LVCC Loop längst ein selbstverständlicher Bestandteil ihrer Stadt.

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Nein, mehr Verkehrsfläche erzeugt auch mehr Verkehr - und dann gibt es eben auch im Tunnel Stau.

Fazit

Der Boring Company Las Vegas Convention Center Loop (LVCC Loop) ist anders als jeder andere Autotunnel: Er ist nur für Elektroautos und aktuell nur für Tesla-Modelle zugänglich, seine einspurigen Röhren sind ungewöhnlich eng und er ist für die Nutzung von vollautonom fahrenden Autos gedacht.

Aktuell müssen die Tesla-Fahrer ihre Autos aber persönlich durch die Tunnelröhren steuern – die Stadt Las Vegas prüft noch die Zulassung des LVCC Loops für vollautonomes Fahren.

Die engen hellen Röhren lassen die gefahrene Geschwindigkeit höher wirken und die Kombination aus weißen und mit Strukturen versehenen Tunnelwänden und der wechselnd bunt beleuchteten und chillig beschallten Central-Hall-Station macht Spaß. Auch wenn der Loop einen ernsthaften Hintergrund hat, schließlich will Elon Musk mit dem Bauwerk Staus für seine Tesla-Kunden vermeiden, wirken die Testfahrten ein bisschen wie die Fahrt auf einem Jahrmarkts-Fahrgeschäft – was durchaus sympathisch ist.

Sollte das Tunnelsystem tatsächlich einmal bis zum Flughafen McCarran International reichen und zudem eine vollautonome Fahrt ermöglichen, könnte für Elon Musk die Zeit des Geldverdienens beginnen: ewig dürfte die Nutzung des Tunnelsystems nicht kostenlos bleiben.

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