Knöpfe und Displays: Mercedes’ neues Cockpit-Konzept

Mercedes im Cockpit-Trend
Echte Knöpfe kommen zurück

ArtikeldatumVeröffentlicht am 15.08.2026
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Innenraumaufnahme eines Mercedes GLA250 4Matic während der Fahrt, Blick über die Schulter des Fahrers auf das Cockpit und die Straße.
Foto: Hans-Dieter Seufert

Mercedes-Chef Ola Källenius nennt als zentrale Motivation die Nutzerorientierung: Mercedes investiere "countless hours" in die User‑Interface‑Entwicklung, erklärt er gegenüber Autocar, und möchte Bedienkonzepte liefern, die schnell zu erlernen sind. Aus dieser Perspektive sind physische Knöpfe kein Rückschritt, sondern ein Werkzeug, um Bedienvorgänge, die im Alltag häufig und zeitkritisch sind, unmittelbar verfügbar zu machen.

Praktisch hat Mercedes bereits damit begonnen: Physische Bedienelemente sind auf das Lenkrad zurückgekehrt, und das Management kündigt an, weitere mechanische Elemente dort einzuführen, "where they make sense". Die Botschaft ist damit kein Pauschalrückzug von Bildschirmen, sondern eine Abstufung: mehr Haptik dort, wo sie Effizienz und Sicherheit erhöht.

Damit folgt Mercedes einem Muster, das sich in mehreren Herstellern abzeichnet: Technik um der Technik willen wird kritischer betrachtet, die Frage ist nicht mehr nur, was technisch möglich ist, sondern was der Kunde im Alltag tatsächlich sicher und komfortabel bedienen kann.

Hyperscreen bleibt zentral

Trotz der Rückkehr einzelner Knöpfe bleibt das MBUX Hyperscreen‑Konzept ein strategischer Pfeiler. Autocar weist darauf hin, dass die Tri‑Screen‑Anordnung in manchen Modellen bis zu 1.410 Millimeter breit sein kann.

Mercedes betont, dass Displays und Sprachsteuerung weiterhin massiv vorangetrieben werden. Källenius nennt die Weiterentwicklung der Sprachbedienung als parallele Baustelle; die Geräte sollen so intuitiv werden, dass sie "second nature" wirken, sobald man sich eingewöhnt hat.

Die Folge ist eine Koexistenz von großflächigen Screens und selektiv eingesetzten physischen Controls: Das Cockpit wächst in digitaler Dimension, bleibt aber nicht mehr exklusiv auf Touch‑Interaktion angewiesen.

Bedienbarkeit versus Technik

Empirische Hinweise zeigen, dass die reine Anzahl an Knöpfen nichts über Bedienqualität aussagt. Ein schwedischer Ablenkungstest, den Carscoops zusammenfasst, fand Unterschiede in der Effizienz bekannter Modelle: Der Volvo XC60 schloss die Aufgaben schnell ab, während der Mazda CX‑60 mit seinen rund 50 Tasten deutlich länger brauchte.

Interessant dabei ist, dass ein touchscreenlastiges Tesla Model Y in dieser Untersuchung besser abschnitt als einige knopfreiche Fahrzeuge. Mercedes‑Modelle wie der CLA lagen laut Test ebenfalls hinten; die Ursache war teilweise systembedingte Verzögerung, etwa eine signifikante Verzögerung bis das Display Eingaben annahm.

Aus dieser Perspektive ist die Design‑Logik entscheidend: Platzierung, Rückmeldung und Zugriffsgeschwindigkeit der wichtigsten Funktionen bestimmen Ablenkung und damit Verkehrssicherheit stärker als die Frage "physisch oder virtuell" per se.

Kosten und Fertigungseinfluss

Die Fertigungskosten sind ein gewichtiger Treiber für die ursprüngliche Verlagerung zu Touch‑Flächen. Carscoops zitiert Ferrari‑CEO Benedetto Vigna mit der Aussage, dass Touch‑Bedienfelder in der Produktion deutlich günstiger sein können – in dessen Darstellung etwa halb so teuer wie vergleichbare physische Elemente.

Das erklärt, warum Hersteller lange an digitalen Lösungen festhielten: geringere Teilevielfalt, einfachere Montage und eine klarere Skalierbarkeit für verschiedene Modelle. Gleichzeitig zeigen die jüngsten Aussagen, dass Einsparungen in der Fertigung nicht automatisch gleichbedeutend sind mit besserer Bedienbarkeit und Akzeptanz beim Nutzer.

Für deutsche Hersteller bedeutet das: Es gilt, Kostenvorteile digitaler Baugruppen gegen Mehraufwand für hochwertige haptische Bedienelemente aufzuwiegen, insbesondere in Segmenten, in denen Markenimage und User Experience Premiumansprüche wecken.

Vergleich zu Konkurrenten

Mercedes ist nicht allein mit seiner Kurskorrektur. Volkswagen hat ähnliche Schritte hin zu mehr haptischer Bedienung vollzogen, und auch Hyundai holt echte Knöpfe ins Cockpit zurück, berichtet Carscoops. Ferrari wiederum nennt Kostenvorteile digitaler Bedienelemente, plant aber dennoch, physische Bedienelemente zurückzubringen.

Die Bandbreite der Ansätze zeigt: Eine Rückkehr zu Knöpfen ist kein einheitlicher Trend, sondern ein differenziertes Umdenken. Hersteller definieren jeweils, welche Funktionen sie haptisch zugängig machen – oft solche, die Fahrer während der Fahrt schnell und ohne Blickkontakt justieren müssen.

Bedeutung für deutsche Fahrer

Für Fahrer in Deutschland heißt die Entwicklung konkretere Zugriffspfade auf Basisfunktionen: Klima, Lautstärke, Assistenzabschaltung oder Sitzheizung werden tendenziell wieder schneller erreichbar sein. Mercedes selbst spricht davon, "the most sensible buttons" zurückzubringen..

Die relevante Lehre aus Sicherheitsstudien lautet: Gut gestaltete, schnell erreichbare Haptik reduziert Ablenkung; schlecht platzierte oder träge digitalisierte Menüs erhöhen sie. Hersteller, die in Deutschland erfolgreich sein wollen, müssen deshalb nicht nur Knöpfe montieren, sondern ihre Interaktion präzise einbinden.

Zulieferer und Nachrüster werden sich ebenfalls anpassen müssen: Nachfrage nach hochwertigen Tasten, Schaltern und passenden Elektronikmodulen dürfte steigen, gleichzeitig bleibt Software zur Abstimmung von Displays und Sprachsteuerung ein zentraler Hebel.

Fazit