Immer mehr Hersteller vertreten die Ansicht, dass sich bestimmte Kundenkreise nur dann von der E-Mobilität überzeugen lassen, wenn diese möglichst viele und starke Emotionen weckt. Und wenn die Elektroautos die Fahrerinnen und Fahrer möglichst intensiv ins Geschehen einbinden. Ein möglicher Hebel, Enthusiasten von E-Fahrzeugen zu überzeugen, könnten nach der Meinung von immer mehr Autobauern simulierte manuelle Getriebe sein. Die Theorie: Wer die Möglichkeit bekommt, selbst die Gänge zu wechseln, greift eher zu einem (sportlichen) E-Auto – selbst wenn die dafür zugrundeliegende Technik eigentlich ein Fake ist.
Manuelles Getriebe mit allen Vor- und Nachteilen
Diese Haltung scheinen sie auch bei Subaru zu vertreten. Die Japaner gehen in ihrer Entwicklung von simulierten Schaltgetrieben für Elektroautos sogar einen Schritt weiter als die Konkurrenz: Sie haben eine Technik patentiert, die ein ungewolltes Anfahren verhindert. Denn hier wird ein elektrifizierter Antrieb mit einer Gangschaltung und einem Kupplungspedal kombiniert. Das soll sich exakt so bedienen lassen wie bei einem Verbrenner-Fahrzeug mit waschechtem manuellem Getriebe – mit allen Vor- und Nachteilen.
Das in den USA unter der Nummer US20260021713 hinterlegte Patent wurde im Juni 2025 angemeldet, nun von der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) veröffentlicht und trägt den interessanten Titel "Jackrabbit Start Suppression Device".
Über Sensoren miteinander verbunden
Natürlich beschreibt es kein wirkliches Getriebe, obwohl sich hier ein Ganghebel durch eine H-förmige Schaltkulisse bewegt, und keine echte Kupplung samt Pedal. Beide Komponenten sind lediglich über Sensoren, welche die jeweilige Position des Gegenübers erfassen, miteinander verbunden. Diese Sensoren liefern ihre Informationen an ein Steuergerät, das in Abhängigkeit der gewählten "Gangstufe” und der Stellung von Gas- und "Kupplungs"pedal das passende Drehmoment liefert.
Hinzu kommt eine Sicherheitsfunktion, der eigentliche Kern des "Jackrabbit Start Suppression Device". Sie erkennt, ob sich das Fahrzeug im Leerlauf befindet oder ob das Kupplungspedal vollständig durchgetreten ist, sobald der Motor gestartet wird. Diese bei Verbrennern mit manuellem Getriebe seit Jahren übliche Technik verhindert, dass das Auto beim Motorstart versehentlich einen Satz nach vorn macht, weil der erste Gang eingelegt, aber das Kupplungspedal nicht durchgetreten ist. Im Englischen wird dies als "Jackrabbit Start" bezeichnet.
Ist diese Technik wirklich nötig?
Die im Patent beschriebene Technik soll genau das unterdrücken – mit dem Unterschied, dass der Vortrieb hier elektrisch erzeugt wird. Subaru zufolge ist dieses Detail notwendig, da laut Patent angedacht ist, den Antrieb stets im manuellen Getriebemodus starten zu lassen, selbst wenn sich das Auto im Automatikmodus befand, als es zuvor abgestellt wurde. Für das Hin- und Herwechseln zwischen den Getriebearten sieht das Patent eigens einen Schalter vor.
Nach aktuellem Stand der Technik wäre eine solche Funktion eigentlich überflüssig. Denn üblicherweise steht der E-Motor (oder bei manchen Modellen auch mehrere E-Motoren) beim Start eines Elektroautos still und überträgt seine Kraft erst in dem Moment auf die Räder, in dem das Fahrpedal gedrückt wird. Doch vielleicht ist es bei zukünftigen Elektro-Subarus ja anders, um den Kundinnen und Kunden das "komplette Handschaltungsgefühl" bieten zu können.
Wird dank Toyota ein Schuh draus?
Ganz neu ist die Idee einer simulierten manuellen Schaltung samt Fake-Kupplungspedal für Elektroautos übrigens nicht. Toyota hatte bereits im Februar 2022 ein entsprechendes Patent angemeldet; wir konnten die Technik sogar schon ausprobieren. Hier schließt sich vielleicht ein Kreis, denn Toyota und Subaru arbeiten bei ihren Elektromodellen eng zusammen. Letztlich könnte der "Jackrabbit Start Suppression Device" schlicht auf der Toyota-Technik aufsetzen – und durch die Hintertür einen Beleg liefern, dass der japanische Partner seine Technik tatsächlich zur Serienreife weiterentwickelt.
Hinweis: In der Fotoshow über dem Artikel zeigen wir Ihnen die aktuellen Subaru-Studien Performance-B STI Concept und Performance-E STI Concept.












