Holz übernimmt im Autocockpit bislang nur schmückende Funktionen. Forscher der Hochschule Hof und deren Entwicklungspartner trauen dem Werkstoff aber mehr zu, als nur hochwertig auszusehen. Mit dem Forschungs- und Entwicklungsprojekt WoodTouch wollen Wissenschaft und Industrie gemeinsam neuartige Bedienoberflächen entwickeln, die nachhaltige Materialien mit moderner Elektronik verbinden.
Das Projekt verfolgt die Entwicklung eines multifunktionalen, transluzenten Echtholz-Interieurmoduls mit integrierter gedruckter Sensorik auf einem biobasierten Träger. Im Mittelpunkt stehen dabei Nachhaltigkeit, moderne Fertigungstechnologien und eine einfache Bedienung.
Leitfähige Tinte
Herzstück des Projekts ist ein neuartiges kapazitives Bedienfeld. Dabei erkennen Sensoren Berührungen ähnlich wie bei einem Smartphone – allerdings verborgen unter einer hochwertigen Echtholzoberfläche. Diese wird von hinten beleuchtet, sodass Bedienelemente erst dann sichtbar werden, wenn sie benötigt werden. Die dafür eingesetzten Sensoren werden nicht als klassische elektronische Bauteile montiert, sondern mithilfe leitfähiger Tinten direkt auf das Material gedruckt. Fachleute sprechen hierbei von gedruckter Sensorik. Gemeinsam mit sogenannten transluzenten Furnieren – besonders dünnen Holzschichten, die Licht durchscheinen lassen – entsteht so eine natürliche Holzoberfläche, die gleichzeitig als modernes Bedienfeld dient. Zudem ließe sich so die Herstellung vereinfachen und Designer hätten mehr Gestaltungsfreiheiten.
Ein besonderer Innovationsansatz besteht darin, bisherige MID-Technologien (Molded Interconnected Devices) weiterzuentwickeln. Dabei handelt es sich um Kunststoffbauteile, in die elektronische Leiterbahnen und Funktionen direkt integriert werden. Während solche Bauteile bislang überwiegend aus erdölbasierten Kunststoffen bestehen, setzt WoodTouch auf eine Kombination aus Echtholz, Biopolymeren – also Kunststoffen aus nachwachsenden Rohstoffen – und leitfähigen Pasten mit möglichst ressourcenschonenden Materialzusammensetzungen.
Geplant ist in einem ersten Schritt die Entwicklung eines einer Türinnenverkleidung mit hinterleuchteten, sensorischen Bedienelementen und weiteren Zusatzfunktionen.
Holz soll alle Sinne ansprechen
WoodTouch soll sich aber nicht auf klassische Touch-Bedienung beschränken. Im Projekt werden außerdem haptische Rückmeldungen erforscht – also gezielt fühlbare Reaktionen und Veränderungen der Bedienoberfläche. Hinzu kommen sogenannte morphende Oberflächen, deren Form sich gezielt verändern kann, sowie steuerbare Warm- und Kalt-Effekte. Dadurch entsteht ein multisensorisches Bedienkonzept, bei dem Optik, Haptik und Funktion intelligent miteinander kombiniert werden. Das Ziel: eine Bedienoberfläche, die nicht nur hochwertig aussieht, sondern auch intuitiv und nachhaltig funktioniert.





