Ausgerechnet dort, wo künftig der neue Albaufstieg verläuft, stießen Archäologen auf eine der wichtigsten römischen Fernstraßen Südwestdeutschlands – der sogenannten Alblimes-Straße. Über diese Straße erschlossen die Römer ihre Provinz.
Bisher konnten rund 90 Meter der historischen Straße freigelegt werden, die vermutlich unter Kaiser Vespasian im ersten Jahrhundert nach Christus angelegt wurde.
Aber, ist das wirklich Deutschlands erste "Autobahn". Historisch trifft diese Bezeichnung im strengen Sinne nicht zu. Die Alblimes-Straße war weder kreuzungsfrei noch besaß sie getrennte Fahrbahnen. Als wichtigste Fernverkehrsverbindung ihrer Zeit erfüllte sie jedoch viele Aufgaben, die heute moderne Autobahnen übernehmen. Sie verband Kastelle und Siedlungen, beschleunigte den Transport von Truppen, Waren und Nachrichten und war ein zentrales Element der römischen Infrastruktur.
Über mehr als ein Jahrhundert verlief hier zugleich die Außengrenze der römischen Provinz Germania Superior. Nach Angaben des SWR gibt es auch Hinweise "auf eine Straßenstation, bei der die Römer über Nacht ihr Pferd wechseln oder das Fuhrwerk reparieren konnten – also eine Art antike Raststätte an der Alblimes-Straße".
Warum die Römer ausgerechnet hier bauten
Besonders interessant ist der Verlauf der beiden Straßen. Die zukünftige Trasse des neuen Albaufstiegs schneidet die römische Straße nahezu im rechten Winkel. Dass zwei bedeutende Fernverkehrswege ihrer jeweiligen Zeit an derselben Stelle zusammentreffen, dürfte kein Zufall sein.

Das 90 Meter lange Teilstück der römischen Straße haben Forscher freigelegt.
Bereits die Römer nutzten den günstigsten Übergang über die Schwäbische Alb. Auch die heutige A8 folgt diesem topografisch vorteilhaften Korridor. Offenbar erkannten bereits die Römer dieselben topografischen Vorteile, die heute auch für den Verlauf der A8 genutzt werden.
Münzen, Schuhnägel und Spuren aus der Bronzezeit
Die Ausgrabungen liefern auch neue Erkenntnisse zur Bauweise der Straße. Als Fundament verwendeten die Römer den vor Ort anstehenden Jurakalkstein und errichteten darauf einen stabilen Straßenkörper.
Neben der Straße fanden die Archäologen unter anderem eine Bronzemünze, die vermutlich aus der Regierungszeit Kaiser Domitians stammt, römische Schuhnägel sowie deutlich ältere Funde aus der Bronzezeit. Darunter befindet sich eine Bestattungsurne, die teilweise unter der später angelegten Römerstraße lag.
Die Untersuchungen im Bereich des neuen Albaufstiegs sollen voraussichtlich bis Ende des Jahres fortgesetzt werden. Nach Aussage des Landesdenkmalsamtes finden "die Ausgrabungen als Baugrunduntersuchung im Vorfeld der Bauarbeiten zum neuen A8-Albaufstieg statt und sind bereits vollumfänglich in den Bauablaufplan integriert. Demnach finden keine Verzögerungen des Baus durch die archäologischen Maßnahmen statt."





