8 Dachboxen im Test

Nur 4 Produkte sind sicher und empfehlenswert

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Für sperriges Gepäck wie Skier oder die Spielsachen der Kids sind Dachboxen eine beliebte Transportmöglichkeit. Wie praktisch und sicher diese sind, hat auto motor und sport bei acht Modellen getestet.

Es gibt Meldungen, die einfach unglaublich klingen – wenn beispielsweise abgerissene Dachboxen auf der Autobahn liegen sollen. Wer aber diesen Test liest, zweifelt nicht mehr an solchen Warnungen.

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Dachboxentest, ams2218
8 Dachboxen im Test Die unterschätzte Gefahr
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Denn zwei der regulär im Handel gekauften Fabrikate versagten im Test. Das Modell von G3, das es auch unter dem Label Cartrend gibt, öffnete schon bei der ersten abrupten Bremsung den Deckel. Die Junior-Box verabschiedete sich beim Crashtest vom Grundträger und rutschte ungesichert vom Schlitten. Beim realen Unfall wäre sie zu einem unkalkulierbaren Geschoss geworden.

Umso unverständlicher ist, dass es für die Zulassung im Straßenverkehr keine einheitliche Prüfnorm gibt. Der Industrie hilft das sogar, die Anforderungen bei ihren eigenen Dachboxentests immer niedriger anzusetzen. Die Crashtests dagegen, die auto motor und sport gemeinsam mit der Dekra im Automobil Test Center in Klettwitz durchführt, basieren auf dem City-Crash (nach DIN 75302). Dieser wird auch von Versicherungen genutzt und simuliert Unfälle bei rund 30 km/h.

 = empfehlenswert,  = bedingt empfehlenswert,  = nicht empfehlenswert

Atera Certo 460

Die solide Atera-Box überzeugt in jedem Kapitel und verpasst das Urteil „sehr empfehlenswert“ nur denkbar knapp. Mit Details wie einer Drehmomentbegrenzung an den Montagekrallen, hochwertigeren Zurrgurten oder gar einem Netz zur Ladungssicherung würde sie die Konkurrenz noch deutlicher hinter sich lassen. Viel wichtiger aber: Bei den Fahrversuchen sowie beim Crash bleibt die Box fest auf dem Autodach und hält die Ladung sicher. Sie öffnet vorn nur minimal, sodass kein Gepäck hinausfallen kann. Dank verschiebbarer Krallen passt die Box flexibel auf verschiedene Dachträger.

Handhabung: 41 Punkte, Fahrversuche: 51 Punkte, Crashtest: 42 Punkte

Stärken: Schnelle Montage, sichere Fahr- und Crasheigenschaften.
Schwächen: Keine Drehmomentbegrenzung bei Montage, laute Fahrgeräusche.

Testurteil: Empfehlenswert.

Thule Motion XT L

Am Ende sind es nur Details, die zum Punktabzug führen. Die Thule-Box wirkt hochwertig – so sind Schloss und Verriegelung entkoppelt – und lässt sich dank Schnellverschlüssen mit Drehmomentbegrenzung einfach montieren. Beim Beladen bleibt jedoch die Frage offen, ob der zusätzlich erhältliche Skiträger für den Transport zwingend notwendig ist. Fakt ist: Stehen die Skier aufrecht auf den Bindungen, halten Box und Ladungssicherung den Belastungen beim Aufprall stand. Allerdings rutschen die Montagekrallen durch die Führungsschiene, sodass die Box am Ende unbrauchbar beschädigt ist.

Handhabung: 41 Punkte, Fahrversuche: 51 Punkte, Crashtest: 40 Punkte

Stärken: Einfache Montage, sicheres Crashverhalten, hochwertiger Eindruck.
Schwächen
: Zusatzkosten für optionalen Skiträger.

Testurteil: Empfehlenswert.

Hapro Cruiser 10.8

Grundsätzlich lässt sich die Hapro-Box dank flexibler Schnellverschlüsse sehr gut montieren, laute Klickgeräusche signalisieren die sichere Befestigung. Ohne zweite Person ist das Handling der knapp 2,30 Meter langen und recht schweren Box aber schwierig. Leichte Schwächen offenbaren sich bei der Beladung. Zwar sollen die Skier laut Anleitung auf der Bindung stehend transportiert werden, doch sie fallen ständig um, da es weder zusätzliche Skiträger noch stabilisierende Vertiefungen im Boden gibt. Punktabzüge kassiert die Box auch beim Crash für die Schäden an der Ladungssicherung.

Handhabung: 42 Punkte, Fahrversuche: 50 Punkte, Crashtest: 38 Punkte

Stärken: Schnelle Montage, großes Platzangebot, solide Verarbeitung.
Schwächen
: Zurrgurt und -öse reißen beim Crash, Fehlerpotenzial bei Beladung

Testurteil: Empfehlenswert.

Kamei 510

Trotz kleiner Schwächen erreicht die Kamei 510 noch das Urteil „empfehlenswert“. Die Montage am Träger erfolgt mittels vier U-Bügeln, die separat festgeschraubt werden. Positiv: Die mitgelieferten Kappen schützen das Gepäck. Dieses kann mit drei Fanggurten – die als einzige im Test mit Prüfsiegel versehen sind – gesichert werden. Dennoch bewegt sich die Ladung bei der Fahrt hörbar und schlägt beim Crash das vordere Scharnier heraus. Allerdings öffnet die Box nur wenig, und es landet kein Gepäck auf der fiktiven Straße. Die Verarbeitung wirkt solide, nur beim Öffnen verklemmt die Box leicht.

Handhabung: 36 Punkte, Fahrversuche: 45 Punkte, Crashtest: 34 Punkte

Stärken: Platzangebot, einfaches Beladen, Fanggurte mit Prüfsiegel.
Schwächen
: Verklemmt leicht, Schwächen beim Crash, unpraktische Montage

Testurteil: Empfehlenswert.

Jetbag 80 Family

Die beim Zubehörhändler A.T.U bestellte Jetbag-Box ist die einzige, die nicht per Spedition geliefert wird, sondern in einer Filiale abgeholt werden muss. Dass sie aus einer Kooperation mit Thule stammt, zeigt unter anderem ein Schild im Inneren. Auch Anleitung und Montagesystem ähneln sich sehr, allerdings lässt sie sich nur auf der rechten Seite öffnen und darf nur 50 Kilogramm laden. Auch beim Crash überzeugt die Box nicht. Da die Zurrösen in die Schnellverschlüsse integriert sind, ziehen die Fanggurte die Krallen beim Aufprall vom Träger. Dadurch löst sich auch innen die Ladung.

Handhabung: 33 Punkte, Fahrversuche: 52 Punkte, Crashtest: 26 Punkte

Stärken: Einfache Montage mit Schnellverschlüssen, geringes Eigengewicht.
Schwächen
: Nur zwei Zurrgurte, unsicher beim Crash, weniger Zuladung.

Testurteil: Bedingt empfehlenswert.

Modula Travel Twin 460

Auch dieses Modell wird mit Winkelbügeln auf dem Dachträger befestigt. Beim Crash lösen sich zwei davon jedoch, nur die vorderen Bügel halten die Box nach dem Aufprall noch fest. Zudem reißt eine Zurröse, was die ohnehin dürftige Ladungssicherung mit nur zwei Fangriemen weiter schmälert. Die unvollständige Bedienungsanleitung unterstützt wenig, zumal die Texte lediglich in Englisch und Italienisch geschrieben sind. Positiv dagegen: Ein Hebel erleichtert das Festziehen der Haltebügel, und ein Aufkleber erinnert an Hinweise wie Tempolimit und erlaubte Zuladung.

Handhabung: 30 Punkte, Fahrversuche: 45 Punkte, Crashtest: 21 Punkte

Stärken: Niedriges Eigengewicht, gut sichtbare Hinweiszeichen.
Schwächen
: Fehlerrisiko bei Montage, mangelhafte Befestigung, Anleitung.

Testurteil: Bedingt empfehlenswert.

Junior Altro 500

Die grundsätzlichen Schwächen der Box zeigen sich bereits bei der Montage: Sie ist fummelig wegen der überholten Winkelbügel, die sich auch schlecht demontieren lassen. Durch die unvollständige Bedienungsanleitung ergibt sich zudem ein hohes Fehlerpotenzial, da die Bügel auch falsch herum angebracht werden können. Doch trotz korrekter Montage versagt die Junior-Box beim Crash. Die Bügel biegen auf, und die Dachbox rutscht vollständig vom Crash-Schlitten. Außerdem bricht das Scharnier des Deckels vorn, und ein Zurrgurt reißt aus, sodass die Ladung weit herausfliegt.

Handhabung: 21 Punkte, Fahrversuche: 47 Punkte, Crashtest: 9 Punkte

Stärken: Platzangebot.
Schwächen: Unsichere Befestigung, komplizierte Montage, Verarbeitung.

Testurteil: Nicht empfehlenswert.

Cartrend/G3 Reef 580

Schon bei der Lieferung überrascht die Box. Obwohl ein Cartrend-Modell bestellt wurde – unter diesem Label verkauft zum Beispiel auch Lidl Autozubehör –, erreicht uns ein Exemplar von G3 aus Italien. Die Montage ist durch die vorgegebenen Löcher im Boden der Box sehr unflexibel und fummelig, die Anleitung zudem teils missverständlich. Obwohl die Drahtseile auf dem Träger halten, ist das Ergebnis der Fahrversuche ernüchternd. Schon bei der ersten Vollbremsung öffnet die Box vorn, sodass ungesicherte Ladung herausfliegen kann. Auch den Belastungen beim Crash hält sie nicht stand.

Handhabung: 18 Punkte, Fahrversuche: 30 Punkte, Crashtest: 25 Punkte

Stärken: Geringes Eigengewicht, wenig Windgeräusche bei der Fahrt.
Schwächen: Sehr schwierige Montage, öffnet schon beim ersten Bremsen.

Testurteil: Nicht empfehlenswert.

So wurde getestet

Der Test besteht aus den drei Kapiteln Aufbau und Handhabung, Fahrversuche sowie Crashtest. Zunächst wurde bewertet, wie einfach die Dachbox montiert und wie gut die Ladung gesichert werden kann. Außerdem spielten die Verarbeitung und die Verständlichkeit der Bedienungsanleitung eine Rolle.

Die Fahrversuche mit beladenen Boxen wurden mit einem Nissan Navara sowie dem Original-Dachgrundträger durchgeführt. Sie bestanden aus Slalomfahrten, die abruptes Ausweichen simulieren sollen, sowie mehreren Voll- bremsungen aus 100 km/h. Zudem wurden die Innengeräusche im Auto bei Tempo 100 und 130 ge- messen. Zuletzt mussten die Dachboxen mit maximaler Zula- dung einen Crashtest bestehen, der den Anforderungen des City- Crashs (DIN 75302) entsprach. Dieser simuliert einen Frontalaufprall mit 30 km/h, wobei auf die Boxen und deren Ladungssicherung Kräfte von rund 10 g wirkten.

Dachboxentest, ams2218 Foto: Dino Eisele
Drei Tage volles Testprogramm: Die Fahrversuche bestehen aus Slalomfahrt, Vollbremsung sowie Geräuschmessung.

Bei den Testexemplaren geht es wohlgemerkt nur um neue und korrekt verwendete Dachboxen. In der Realität dagegen ist das Fehlerpotenzial und damit das Unfallrisiko noch viel höher – angefangen bei uralten Boxen, bei denen der Kunststoff schon jahrelang der Witterung ausgesetzt war, über falsche oder nicht passende Befestigungen auf dem Dachträger bis hin zu fehlender Ladungssicherung. Einige dieser Probleme ließen sich zwar mittels guter Bedienungsanleitungen reduzieren, doch auch hier sparen einige Hersteller.

Bis heute setzen viele Hersteller nur auf Skizzen ohne erklärende Texte. Einige Exemplare verwenden zwar richtige Beschreibungen, doch die sind häufig unvollständig oder stellenweise sehr missverständlich, wenn Themen wie die Ladungssicherung oder die richtige Ausrichtung der Befestigungselemente unklar beschrieben sind.

Es gibt aber auch positive Beispiele. So geben namhafte Hersteller wie Atera, Hapro und Thule vor, Skier auf der Bindung liegend zu transportieren sowie die Box vorn mit einer Decke oder etwas Weichem auszupolstern. Daran sollte man sich unbedingt halten, denn nach diesem Prinzip beladene Boxen schnitten im Crashtest durchweg besser ab. Allerdings kann das Beladen je nach Form der Dachbox schwierig sein, wenn wie beim Hapro-Modell stabilisierende Vertiefungen im Boden oder ein separater Skiträger fehlen.

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Ebenfalls sinnvoll ist es, den Boden der Box mit einer Matte oder Decke auszulegen, um Kratzer zu vermeiden und die Rutschneigung des Gepäcks zu verringern. Wer darüber hinaus geprüfte Zurrgurte (erkennbar am Aufnäher) oder gar ein Fangnetz verwendet, verbessert die Ladungssicherung weiter. Dazu zählt auch das Einhalten der erlaubten Dachlast – je nach Auto liegt sie zwischen 50 und 100 kg.

Mehr noch: Das zusätzliche Gewicht auf dem Dach ändert den Schwerpunkt und somit das Fahrverhalten. Zudem empfehlen – mit Ausnahme von Modula – alle Hersteller, maximal 130 km/h schnell zu fahren. Vorsicht ist auch bei Höhenbegrenzungen vor Tiefgaragen geboten. Und wer Sprit sparen möchte, sollte weder Dachbox noch Grundträger unnötig montiert lassen.

Immerhin ist der Auf- und Abbau oftmals recht einfach, da viele Hersteller wie Atera, Hapro und Thule inzwischen auf Schnellverschlüsse setzen. Diese lassen sich auf Schienen innerhalb der Box flexibel verschieben, um sie an den Abstand zum Grundträger anzupassen. Per Drehmechanismus werden die Krallen am Träger festgezogen und sind so ohne aufwendige Vormontage mit nahezu allen Trägerprofilen kompatibel. Das ist praktisch und meist sicher.

Fazit

Nur vier der acht getesteten Dachboxen sind wirklich sicher und empfehlenswert. Am sichersten halten die Boxen von Atera und Thule die Ladung zurück, während die Modelle von Hapro und Kamei zwar leicht öffnen, aber korrekt gesichertes Gepäck kaum hinausfallen kann. Auch die Jetbag-Box von A.T.U bleibt fast völlig geschlossen. Allerdings lösen sich beim Crash die hinteren Halterungen, und die Box hebt nach oben ab, ist damit nur bedingt empfehlenswert.

Ähnliches passiert beim Modula-Modell, wo außerdem die Ladung herausfliegen kann. Der Testkandidat von Junior reißt beim Crash sogar komplett vom Träger. Die Folgen bei einem Unfall wären verheerend, wenn Box und Einzelteile ungehindert umherfliegen. Ebenso mangelhaft ist das Modell von G3, das auch als Cartrend-Produkt verkauft wird. Schon beim ersten Bremsen öffnet die Box, und ungesichertes Gepäck könnte auf der Straße landen. Der günstige Preis rechtfertigt in keinem Fall das immense Risiko.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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