Als Ferrari in der zweiten Woche der Wintertestfahrten von Bahrain mit einem Flügel-Element hinter dem Auspuffrohr aus der Garage rollte, war die Aufregung bei der Konkurrenz groß. Eigentlich hatte man gedacht, dass die Zweckentfremdung der Abgase zur Produktion von Abtrieb nicht mehr erlaubt sei. Doch die Ferrari-Ingenieure hatten das Reglement ganz genau gelesen.
In den Technik-Regeln ist das Auto in sogenannte Legalitätsboxen eingeteilt. Die Experten der FIA hatten eigentlich geglaubt, dass der Bereich hinter dem Auspuff damit frei bleiben sollte. Doch dank einer geschickten Geometrie der Aufhängung und der cleveren Positionierung der Antriebswelle haben sich die Ferrari-Ingenieure etwas Spielraum in diesem sensiblen Bereich geschaffen.
Und der wurde auch genutzt. Schon beim erwähnten Bahrain-Test wurde ein fettes Winglet auf der hinteren Crashstruktur platziert, das großflächig von den Abgasen angestrahlt wird. Der Zweck der Übung ist einfach: Die Ablenkung des heißen Luftstroms produziert Anpressdruck. Weil die Abgase bei Ferrari besonders heiß sind, wirkt der Trick besonders gut. Das vergleichsweise kleine Flügelchen soll mehrere Zehntel pro Runde bringen.

Der schmale Williams-Flügel mitten im Endrohr ist wohl die skurrilste Ferrari-Kopie.
Acht von elf Teams mit Auspuff-Flügeln
Die Konkurrenz musste neidlos anerkennen, dass Ferrari hier ein echter Coup gelungen war. Die Frage lautete direkt, wie schnell und einfach die Idee von den Ingenieuren der gegnerischen Teams kopiert werden kann. Weil die Legalitätsboxen abhängig von Layout der Hinterachse angeordnet sind, schien das Unterfangen schwierig, die Ferrari-Lösung einfach eins zu eins nachzubauen.
Davon ließen sich die Techniker aber nicht abbringen. Statt die Flügel-Elemente auf die Crashstruktur zu setzen, wurden Elemente zur Ablenkung des Abgasstroms einfach direkt an das Endrohr geschweißt. Die Nachbau-Varianten sind natürlich nicht ganz so effektiv wie die Ferrari-Lösung, aber Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist.

Rennstall-Besitzer Gene Haas ließ es sich nicht nehmen, den Auspuff am eigenen Auto ganz genau unter die Lupe zu nehmen.
Verschiedene Varianten
Interessanterweise sind die Ingenieure bei ihren Kopien auf ganz unterschiedliche Ideen gekommen. So hat Williams ein schmales aber hohes Element direkt im Abgasstrom platziert. Bei Alpine ist das Winglet flach und breit. McLaren und Red Bull haben den unteren Rand des Endrohrs einfach mit einer Blende abgedeckt. Bei Mercedes wurde ein Doppelflügel an den Auspuff gehängt.
Nur bei Haas kann man eine Lösung sehen, die der ursprünglichen Ferrari-Idee sehr nahekommt. Das verwundert auch nicht. Der US-Rennstall bezieht die komplette Hinterachse aus Maranello. Die Freiheiten hinter dem Auspuff kann somit auch das Kundenteam nutzen. Bei Ferrari ruht man sich auf der eigenen Idee übrigens nicht aus. In Miami zeigten die Italiener bereits eine modifizierte Variante des Auspuff-Flügelchens.












