Mick Schumacher bricht am Samstag (16.5.) allemal persönliche Rekorde. Beim Qualifying-Debüt dürfte der Indy-500-Neuling knapp 380 km/h in der Spitze erreichen. Zum Vergleich: Der Formel-1-Spitzenwert beträgt etwas über 370 km/h. Damit wird Mick auch der schnellste Deutsche der IndyCar-Historie – was angesichts einer über 100 Jahre zurückliegenden Indy-500-Konkurrenz kein Wunder ist.
Die Magie des Oval-Zeitfahrens liegt allerdings nicht rein bei den gewaltigen Topspeeds, sondern hauptsächlich bei den Schnitten. Gegensätzlich zu Europa messen die US-Amerikaner auf ihren Ovalen eine Durchschnittsgeschwindigkeit pro Runde. Zeiten werden natürlich ebenfalls notiert, gelten aber höchstens als Randnotiz.
Und um es noch etwas komplizierter zu machen, umfasst ein Qualifyingversuch meist mehrere Runden – in Indianapolis sind es seit 1939 traditionell vier Umläufe. Immerhin haben die Piloten die 2,5 Meilen bzw. vier Kilometer für sich allein. Unberechenbarer Windschatten durch andere Rivalen würde die Ergebnisse zu sehr auf den Kopf stellen. Der letztjährige Pole-Setter Robert Shwartzman (Prema-Chevrolet), damals ein Rookie, schrieb sich mit seinem Vier-Runden-Schnitt von 232,790 mph (374,639 km/h) ins Geschichtsbuch.
"Hammertime" als Standard
Die letzte große Besonderheit ist, dass die Autos nicht nur bei der Aerodynamik radikaler als in den vorherigen Trainingstagen eingestellt werden, sondern ebenfalls beim Turboboost. Die doppelt aufgeladenen 2,2-Liter-V6 von Chevrolet und Honda kriegen nochmal massive 100 PS freigeschaltet. Ihre Basisleistung wird auch aus Folkloregründen geheimgehalten, beläuft sich dank des Hybrid-Zusatzes auf etwas über 550 PS.
Um die Fahrer am Quali-Wochenende nicht komplett ins kalte Wasser zu werfen, gibt die Rennleitung schon am aktuellen Trainingsfreitag (15.5.) die Extra-Power frei. Der passend benannte "Fast Friday" sieht durch das freie Fahren – sprich: Windschatten im Verkehr – die höchsten Geschwindigkeiten des Jahres. Die 32 Piloten und die eine Pilotin (Katherine Legge) wollen trotzdem so viele freie Lücken wie möglich finden.
Ganz oben auf ihrer Hausaufgabenliste stehen das Ausarbeiten der Aerodynamik und das Verständnis für die Reifen. Während beim Abtrieb ein Mix aus geringstmöglichem Luftwiderstand und genügend Stabilität in den Kurven gefunden werden muss, gilt es bei den Firestone-Pneus, ihren Abbau möglichst gering zu halten. Trotz neuer nachhaltiger Werkstoffe wurde das Produkt der US-Bridgestone-Tochter bislang als konstanter beschrieben.

Die Indy-500-Eingewöhnung gestaltete sich für Mick Schumacher eher als aufwendige Pflichtarbeit. An den ersten Quali-Simulationen fand der Deutsche deutlich mehr Gefallen.
Erklärt: Qualifying-Format 2026
Ein starker Unterschied zu letztem Jahr ist das Entfallen eines K.o.-Segments. Immer wenn über 33 Nennungen eingehen, muss ausgesiebt werden. Die positive Folge: Mick Schumacher ist de facto qualifiziert, sollte aber natürlich trotzdem seine Runden drehen. Um dieses Segment und die dadurch fehlende Action etwas auszugleichen, feilten die Macher am Quali-Ablauf. Er sieht 2026 so aus:
Samstag, 16. Mai
Jeder Fahrer kriegt anfangs einen Versuch. Die Startreihenfolge wird der Fairness zuliebe ausgelost. Je früher man auf die Strecke geht, desto kühlere und somit bessere Bedingungen findet man vor. Dass bereits vereinzelte Wolken echte Differenzen erzeugen, beweist, wie sensibel die Autos sind.
Um am Sonntag weiter ins Geschehen eingreifen zu dürfen, muss eine Zeit innerhalb der Top 15 gesetzt werden. Die 33 Fahrer bekommen hierfür zusätzliche Chancen: Nachdem alle Runs abgeschlossen sind, wird die Strecke für alle geöffnet. Die Reihenfolge der weiteren Versuche entsteht durch zwei unterschiedlich priorisierte Schlangen.
Die sogenannte "Priority Lane" (#1) erlaubt es, quasi direkt auf die Bahn zurückzukehren. Dafür wird aber die vorherige Zeit gestrichen. Die "Normal Lane" (#2) hat keine Konsequenzen, aber längere Wartezeiten. Das erhöht beispielsweise die Temperatur des Autos. Und am Ende könnte man zu weit hinten stehen, um die Top 15 noch zu attackieren. Die Positionen 16 bis 33 sind am Sessionende fix.
Sonntag, 17. Mai
Der zweite Tag besteht aus einem dreistufigen Ablauf: Final 15, Top 12 und Fast Six. Weil die besten Neun des Samstags automatisch in die Top 12 aufrücken, müssen die Ränge 10 bis 15 die verbliebenen drei Plätze ausfechten. Die Startreihenfolge geht nach aufsteigender Geschwindigkeit des Vortages. Die sechs Autos bekommen je einen Versuch.
Um die Pause bis zum Top-12-Qualifying zu verkürzen, haben sich die Veranstalter etwas Besonderes überlegt: Die weitergekommenen Wagen dürfen Paraderunden hinter dem Safety-Car fahren, die helfen, den Motor bei 160 km/h abzukühlen. Das zweite Segment bestreiten alle zwölf Renner, erst die extra qualifizierten und dann die Top 9 vom Samstag. Ihre Reihenfolge basiert weiter auf den wachsenden Schnitten. Die schnellsten Sechs springen schließlich ins große Finale, dem wieder Paraderunden vorausgehen.

Bislang boten die ausgiebigen Trainingstage weitgehend perfektes Wetter. Ausgerechnet am Qualifying-Samstag drohen fiese Gewitter.
Mick trotz Verletzung bei 100 Prozent
Falls Sie sich nun fragen, ob es bei diesem bisweilen kleinteilig-komplizierten Spektakel "nur" um den Ruhm der Indy-500-Pole geht, können Sie beruhigt sein. Der schnellste Versuch der letzten Sechs wird mit 100.000 US-Dollar belohnt. Außerdem gibt es für die Top 12 erste Zähler: 12–11–10–9–8–7–6–5–4–3–2–1.
Mick Schumacher, der nach unglücklichen Kontakten mit der Konkurrenz beim letzten Lauf des Indianapolis-GP Tabellenletzter ist, kann diese Punkte sicher sehr gut gebrauchen. Weil der 27-Jährige beim ersten Oval-Qualifying in Phoenix dank eines vierten Startrangs schon überzeugte, macht sich der deutsche RLL-Pilot zurecht Hoffnungen.
auto motor und sport erhielt zudem ein Update zur Handverletzung, die sich Schumacher bereits beim ersten Rennen zugezogen hatte. Der Bruch selbst hält den Neuling nicht zurück. Stattdessen steigt die innere Reibung am linken Handgelenk mit fortlaufender Zeit. Weil Mick Phoenix durchfahren konnte, geht das Team vom Besten aus.
Die Qualifying-Tage werden live auf Sky Sport F1 vollständig ausgestrahlt:
- Samstag, 16. Mai
- 17:00 – 00:00 Uhr LIVE: IndyCar – Qualifying Indy 500 – Tag 1
- Sonntag, 17. Mai
- 22:00 – 01:00 Uhr LIVE: IndyCar – Qualifying Indy 500 – Tag 2





