Erfahrene Heimwerker wissen nicht erst seit Tim Allens legendärer Fernsehserie "Home Improvement", dass bei Werkzeugen kaum etwas wichtiger ist als die Qualität. Auch wenn sie nicht vom fiktiven Hersteller Binford Tools stammen, sondern von BMW und Skoda. In unserem Vergleichstest können 330i xDrive Touring und Octavia Combi RS ihre wahren Qualitäten vorführen. Los geht’s.
Als Kombis verfügen sie selbstverständlich über reichlich Nutzwert. Doch vermutlich liegt man nicht ganz falsch, wenn man unterstellt, dass die meisten Käufer vor allem wegen der Spaßqualitäten zu 330i oder Octavia RS greifen. Beide sind übrigens auch als Limousinen lieferbar. So lässt sich bereits beim Kauf richtig Geld sparen, wenn es nicht der Kombi sein muss: Die 330i Limousine kommt 1.300 Euro billiger als das Touring-Modell (ab 60.600 statt 61.900 Euro). Beim Octavia beträgt der Unterschied 700 Euro (ab 48.660 statt 49.360 Euro).
Nicht wirklich überraschend dazu ist die Erkenntnis, dass der Premium-Wagen aus Bayern rund 13.000 Euro teurer ist als der Smartbuy-Konkurrent aus Tschechien. Als noch größer erweist sich der Unterschied zwischen den beiden gut ausstaffierten Testwagen auf diesen Seiten: Der BMW kostet über 25.000 Euro mehr als der Skoda (57.330 zu 84.160 Euro). Kann man ja auch mal erwähnen.

199 kg beträgt das Mehrgewicht des mit 1.734 kg etwas moppeligen 330i xDrive. Der Octavia RS ohne Allradantrieb wiegt nur vergleichsweise leichte 1.535 kg.
Was die Kombi-Eigenschaften angeht, liegt der preiswertere Skoda jedenfalls vorn, allein schon wegen seines üppigeren Innenraums. Obwohl er über gut 17 Zentimeter weniger Radstand verfügt als der BMW, bietet der Octavia Combi deutlich mehr Raum für Ladegut – einer der Vorzüge seines MQB-Unterbaus mit dem quer eingebauten Frontmotor. So ist der Kofferraum bereits in der Standardkonfiguration mit hochgeklappten Lehnen mess- und fühlbar größer (640 zu 500 Liter). Fast schon ein Klassenunterschied zeigt sich beim maximalen Ladevolumen: 1.700 zu 1.510 Liter zugunsten des Octavia.
Ohne Gurthöhenverstellung
Weniger gemessen als gefühlt großzügiger untergebracht fühlen sich zudem die Passagiere im tschechischen Kombi. Sie dürfen vor allem hinten auf einer bequemer ausgeformten Bank Platz nehmen und sich eines luftigeren, freundlicheren Ambiente erfreuen.
Überhaupt kann der Skoda mit weiteren bürgerlichen Tugenden etwas besser punkten. So federt er geschmeidiger über allerlei Unebenheiten hinweg als der straffere BMW. Die klassischer gestaltete Inneneinrichtung im Cockpit wirkt zudem freundlicher und zugänglicher als das exaltierter ausgeführte 330i-Interieur, wobei Letzteres immer noch vom iDrive-Schalter in der Mittelkonsole profitiert. Dieser erleichtert viele Handreichungen, wenngleich das Bedienkonzept mit allerlei Touch- und Wischfunktionalitäten seit dem Einzug der aktuellen Benutzeroberfläche etwas verwässert wurde.

Der iDrive-Controller wirkt wie ein Relikt, leistet jedoch immer noch gute Dienste und erleichtert die Bedienung.
Unverständlich bleibt zudem, auch das sei mal erwähnt, die unübersichtliche, grafisch wirre Gestaltung des Instrumentendisplays hinter dem Lenkrad. Wie so etwas praxisgerechter und schlichter geht, zeigt der Skoda. Zwar kann auch bei ihm zwischen unterschiedlichen Layouts gewählt werden, doch alle Optionen sind ruhiger und besser ablesbar gestaltet.
Wie bei fast allen BMW wird zudem auch beim modellgepflegten 3er auf die so simple und sinnvolle Höhenverstellung der vorderen Sitzgurte verzichtet, was der passiven Sicherheit und dem Wohlbefinden der vorderen Passagiere eher abträglich sein dürfte. Immerhin hat eine andere BMW-Eigenheit ebenfalls die Modellpflege überlebt: Im Gegensatz zu anderen Steilheckmodellen der Marke blieb dem 3er das separat öffnende Heckfenster erhalten – eine zwar selten genutzte, doch lieb gewonnene Bereicherung im Alltag.

Im 3er hat die BMW-Besonderheit der sich öffnenden Heckscheibe überlebt – sehr praktisch.
Zweimal Zweiliter-Turbo
Freilich werden die wenigsten Interessenten ausgerechnet wegen dieses Ausstattungsdetails mit dem 330i liebäugeln, vielmehr dürften die motorischen und fahraktiven Qualitäten des bayerischen Dynamikers im Vordergrund stehen. Dabei stellt der 330i mit 245 PS bei der Dreier-Reihe mit dem Code G20 (Touring: G21)nicht das Ende der Möglichkeiten dar. Für Interessenten mit noch höherem Dynamikbedarf stehen schließlich noch der M340i (392 PS) sowie der M3 (480 PS) zur Wahl.

Systemfrage: quer eingebauter Turbobenziner bei Skoda, längs bei BMW.
Das ist beim Skoda anders, mehr als den RS mit 265 PS gibt die Octavia-Preisliste nicht her. Seit der jüngsten Modellpflege gibt es da allerdings ein paar Änderungen: Der Diesel-RS und die Plug-in-Version sind entfallen, zudem gibt es den um 20 PS auf 265 PS erstarkten Benziner-RS ausschließlich mit Vorderradantrieb. Statt der mitangetriebenen Hinterachse bekam der neue RS ein Sperrdifferenzial an der Vorderachse mit auf den Weg. Beim 330i gab es ebenfalls eine Änderung: Er ist neuerdings nur noch mit xDrive-Option verfügbar, was immerhin einen Teil des bereits erwähnten Preisunterschieds zum Octavia erklärt.
Ob das ohne Auswirkungen auf die Fahrdynamik bleibt, fragen Sie? Erst mal ja, auf den ersten Kilometern durch die Stadt und über die Autobahn fahren die beiden sportlichen Kombis so, wie man es von einem 3er und einem Octavia erwartet. Im BMW fühlt sich der Fahrer intensiver mit dem Auto verbunden, der Skoda gibt sich etwas distanzierter; keine Überraschungen also. Komfortabler federt der tschechische Kombi ohnehin, selbst wenn man die Möglichkeiten seines DCC-Fahrwerks (780 Euro) gar nicht richtig ausschöpft. Das Adaptivfahrwerk kann mehr, als nur die Dämpfer um ein paar Stufen zu verstellen. Es errechnet aus Radbewegung, Untergrund und einer Reihe weiterer Parameter die optimale Dämpfereinstellung. Zudem bieten sich fünf Fahrmodi zum Ausprobieren und Fahren an.
Kraft trifft Alltag
Der BMW kommt ebenfalls mit einer Adaptiv-Option zum Test, dem M-Fahrwerk inklusive variabler Sportlenkung für 500 Euro. Allerdings besitzt der Bayern-Kombi bei Weitem nicht die gleiche Bandbreite zwischen angenehmem Reisekomfort und agilem Kurvenverhalten wie der Skoda. Im direkten Vergleich wirkt der BMW hoppeliger und unwilliger. Immerhin bietet die neue Software unterschiedliche Möglichkeiten, ins Geschehen einzugreifen: einmal über die My-Modes-Einstellungen, wobei unklar bleibt, wieso etwa Fahrwerks- oder Ambientelicht-Einstellungen die gleiche Gewichtung genießen. Einfacher und direkter geht das zum Glück auch über den iDrive-Regler.
Nicht dass der 330i xDrive nun deswegen Handling-Wundertaten vollbrächte. Zwar wuselt er behänder um Pylonen und durch Wedelgassen, doch im wahren Leben auf der Landstraße sorgt die hyperaktive Sportlenkung für eine etwas zackige Linie. Das emotional fahrspaßigere Auto dieses Duos bleibt er dennoch.
Etwas unambitionierter und berechenbarer düst der Octavia RS durch die Landschaft, wobei er sein untersteuerndes Grundnaturell nicht immer verleugnen kann. Dank der Sperre zwischen den Vorderrädern halten sich Störeinflüsse durch scharrende Vorderräder in Grenzen. All das spielt sich in einem Geschwindigkeitsfenster ab, das sich erst weit jenseits dessen öffnet, was normale Kombifahrer ihren Autos und den mitfahrenden Familien zumuten. Motorisch hingegen scheint in der bürgerlichen Mittelklasse die These vorzuherrschen, wonach ein gut gemachter Zweiliter-Turbobenziner für fast alles taugt. So auch hier. Im Falle des BMW heißt der Motor B48, sein Skoda-Pendant ist unter der Bezeichnung EA888 bekannt.

0,6 s nimmt der Skoda dem BMW beim Durchbeschleunigen von 80 auf 120 km/h ab. Bis 160 km/h wächst der Vorsprung des Octavia RS auf 2,1 Sekunden.
In unserem Test gibt der Vierzylinder aus dem VW-Konzern die gefälligere Vorstellung. Er läuft zwar weniger geschmeidig als der 4er im BMW, doch bietet er die besseren Fahrleistungen und verbraucht geringfügig weniger Kraftstoff. Als Testverbrauch wurden 7,8 Liter (Skoda) und 8,1 Liter (BMW) Superbenzin je 100 km errechnet. Wobei diese Werte nur bei recht flotter Fahrweise erreicht werden. Mit 6,5 bis 7 Litern kommt man in beiden Kombis über die Runden.
Kombis mit Top-Bremsen
Zudem fühlt sich der Octavia RS einen Hauch schneller und spontaner an als der 330i. Bis 100 km/h liegt der BMW leicht vorn, danach zieht der Skoda zügig davon. Da machen sich sein niedrigeres Leergewicht (1.535 statt 1.734 kg) sowie die 20 Mehr-PS (265 statt 245 PS) bemerkbar. Die Vmax von 250 km/h lässt bei keinem der beiden Wünsche offen.
Was für 330i xDrive Touring und Octavia Combi RS gleichermaßen gilt, ist das hohe passive wie aktive Sicherheitsniveau, wobei der Skoda etwas üppiger mit Sicherheits-Features bestückt ist. Beide verfügen über exzellente Bremsen, mit minimalen Vorzügen zugunsten des 330i. Bemerkenswert dabei im Übrigen: Dieser 330i bremste erheblich besser als der vor wenigen Wochen getestete 330e mit Plug-in-Antrieb. Der benötigte bei kalter Bremse 38,1 Meter, um aus 100 km/h zum Stillstand zu kommen, beinahe vier Meter mehr als unser roter Benziner (34,3 m).
Haben wir was vergessen? Den Hinweis womöglich, dass beide Kombis zurzeit mit beachtlichen Rabatten zu haben sind: Rund 25 Prozent Nachlass dürften beim BMW drin sein, um die 20 Prozent beim Skoda. Was man ja durchaus auch als eine Qualität werten kann.
Fazit
| Skoda Octavia Combi RS 2.0 TSI RS | BMW 330i Touring xDrive M Sportpaket | |
| Außenmaße | 4709 x 1829 x 1477 mm | 4713 x 1827 x 1445 mm |
| Kofferraumvolumen | 640 bis 1700 l | 500 bis 1510 l |
| Hubraum / Motor | 1984 cm³ / 4-Zylinder | 1998 cm³ / 4-Zylinder |
| Leistung | 195 kW / 265 PS bei 5250 U/min | 180 kW / 245 PS bei 4500 U/min |
| Höchstgeschwindigkeit | 250 km/h | 250 km/h |
| Verbrauch | 6,9 l/100 km |







