ADAC-Präsident für höhere Spritpreise: Mitglieder drohen mit Austritt

ADAC-Präsident für höhere Spritpreise
Mitglieder drohen mit Austritt

ArtikeldatumVeröffentlicht am 02.01.2026
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ADAC Interview-Reaktionen
Foto: Boarding1Now und Ysr Dora via Getty Images

Auslöser ist ein Interview des Verkehrspräsidenten Gerhard Hillebrand, in dem er höhere Benzin- und Dieselpreise als mögliches Instrument zur Erreichung der Klimaziele bezeichnete. In sozialen Netzwerken erklärten zahlreiche Mitglieder öffentlich ihren Austritt oder kündigten diesen an.

Hillebrand hatte in der Neuen Osnabrücker Zeitung erklärt, der ADAC halte die CO₂-Bepreisung grundsätzlich für geeignet, um Emissionen im Verkehrssektor zu senken. Es gehe darum, einen Anreiz zu schaffen, auf emissionsärmere Alternativen umzusteigen. Genannt wurden unter anderem Elektrofahrzeuge, deren Markthochlauf aus Sicht des ADAC nicht allein über Kaufprämien, sondern auch über Preissignale bei fossilen Kraftstoffen beeinflusst werden könne.

Reaktionen aus der Mitgliedschaft

Die Aussagen stießen bei vielen Mitgliedern auf Ablehnung. In sozialen Medien veröffentlichten Nutzer Fotos von Kündigungsschreiben oder äußerten Unverständnis darüber, dass ein Automobilclub höhere Kraftstoffpreise befürworte. Hintergrund der Kritik ist, dass ein großer Teil der Autofahrer weiterhin Fahrzeuge mit Benzin- oder Dieselmotor nutzt und steigende Preise unmittelbar spürt.

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Via Facebook schreibt der Nutzer Ali Utlu: "Der ADAC hätte gerne höhere Spritpreise, für das Klima. Ich würde austreten, wenn ich Mitglied wäre, und würde da eintreten, wo man Autofahrer nicht so verachtet." Andere X-User schreiben: "Vorher überlegen. Rechtsschutz und Premium gekündigt" oder "Ich bin nach 17 Jahren ausgetreten, Eltern ebenfalls vom Austritt überzeugt".

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Der ADAC zählt rund 22 Millionen Mitglieder. Entsprechend groß war die öffentliche Resonanz auf die Interviewpassagen. Vertreter des Clubs betonten daraufhin, die Position sei verkürzt wiedergegeben worden. Der ADAC sei nicht pauschal für höhere Spritpreise, sondern sehe die CO₂-Bepreisung nur im Zusammenspiel mit weiteren Maßnahmen. Genannt wurden unter anderem eine Entlastung beim Ladestrom, der Ausbau der Ladeinfrastruktur sowie soziale Ausgleichsmechanismen.

Einordnung zur europäischen Klimapolitik

Hillebrand äußerte sich in dem Zusammenhang auch zur europäischen Klimapolitik. Mit Blick auf Diskussionen über eine mögliche Abschwächung bestehender Ziele warnte er davor, an den CO₂-Minderungszielen zu rütteln. Europa müsse an den vereinbarten Vorgaben festhalten, um die Erderwärmung zu begrenzen. Zugleich begrüßte er, dass die Einführung eines EU-weiten CO₂-Preises auf Kraftstoffe zeitlich gestreckt werde, um extreme Preisspitzen zu vermeiden.

Ursprünglich war vorgesehen, den europäischen Emissionshandel für Straßenverkehr und Gebäude ab dem 1.1.2027 zu starten. Nach Widerstand mehrerer Mitgliedstaaten wurde der Beginn um ein Jahr verschoben. Ziel ist es, einen Preisrahmen vorzugeben, innerhalb dessen Zertifikate gehandelt werden können, um starke Ausschläge zu begrenzen.

Nationaler CO₂-Preis steigt weiter

Unabhängig davon steigt der nationale CO₂-Preis in Deutschland zum Jahreswechsel weiter an. Der Preis pro Tonne CO₂ bewegt sich künftig in einem Korridor von 55 bis 65 Euro. Das wirkt sich auf die Kosten für Benzin, Diesel, Heizöl und Erdgas aus.

Nach Berechnungen des ADAC dürfte der Benzinpreis dadurch um knapp drei Cent pro Liter steigen, beim Diesel um etwas weniger als drei Cent pro Liter. Verbraucherzentralen rechnen zudem mit höheren Heizkosten. Für Heizöl werden rund drei Cent pro Liter zusätzlich erwartet, bei Erdgas etwa 0,3 Cent pro Kilowattstunde.

Offene Debatte innerhalb des Clubs

Der Automobilclub weist den Vorwurf zurück, sich von den Interessen seiner Mitglieder zu entfernen. Zugleich räumt er ein, dass die Kommunikation rund um das Thema CO₂-Preis bei vielen Menschen Sorgen ausgelöst habe. Die Diskussion zeigt, wie sensibel das Thema Kraftstoffpreise für Autofahrer ist und wie stark klimapolitische Instrumente in den Alltag eingreifen.

Der ADAC kündigte an, den Dialog mit der Mitgliedschaft fortzusetzen und seine Positionen differenziert darzustellen. Dabei solle deutlich werden, dass Klimaschutz, soziale Verträglichkeit und individuelle Mobilität gemeinsam betrachtet werden müssten.

Fazit