Auslöser ist ein Interview des Verkehrspräsidenten Gerhard Hillebrand, in dem er höhere Benzin- und Dieselpreise als mögliches Instrument zur Erreichung der Klimaziele bezeichnete. In sozialen Netzwerken erklärten zahlreiche Mitglieder öffentlich ihren Austritt oder kündigten diesen an.
Hillebrand hatte in der Neuen Osnabrücker Zeitung erklärt, der ADAC halte die CO₂-Bepreisung grundsätzlich für geeignet, um Emissionen im Verkehrssektor zu senken. Es gehe darum, einen Anreiz zu schaffen, auf emissionsärmere Alternativen umzusteigen. Genannt wurden unter anderem Elektrofahrzeuge, deren Markthochlauf aus Sicht des ADAC nicht allein über Kaufprämien, sondern auch über Preissignale bei fossilen Kraftstoffen beeinflusst werden könne.
Reaktionen aus der Mitgliedschaft
Die Aussagen stießen bei vielen Mitgliedern auf Ablehnung. In sozialen Medien veröffentlichten Nutzer Fotos von Kündigungsschreiben oder äußerten Unverständnis darüber, dass ein Automobilclub höhere Kraftstoffpreise befürworte. Hintergrund der Kritik ist, dass ein großer Teil der Autofahrer weiterhin Fahrzeuge mit Benzin- oder Dieselmotor nutzt und steigende Preise unmittelbar spürt.
Via Facebook schreibt der Nutzer Ali Utlu: "Der ADAC hätte gerne höhere Spritpreise, für das Klima. Ich würde austreten, wenn ich Mitglied wäre, und würde da eintreten, wo man Autofahrer nicht so verachtet." Andere X-User schreiben: "Vorher überlegen. Rechtsschutz und Premium gekündigt" oder "Ich bin nach 17 Jahren ausgetreten, Eltern ebenfalls vom Austritt überzeugt".
So reagiert der ADAC
"Der ADAC ist selbstverständlich gegen eine höhere Belastung von Autofahrern. Der ADAC übt mit seinen Veröffentlichungen zu Spritpreisen regelmäßig und erfolgreich erheblichen Druck auf Mineralölkonzerne und Politik aus, damit Spritpreise nicht überteuert sind. Das ist das, was Mitglieder auch von uns erwarten", heißt es in einer Stellungnahme des Autoclubs gegenüber www.auto-motor-und-sport.de
"Die Irritationen von Mitgliedern über die in Schlagzeilen verkürzte Interviewäußerung sind vor diesem Hintergrund nachvollziehbar. Die Position des ADAC ist damit auch nicht korrekt beschrieben", so weiter.
"Der ADAC und namentlich Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand warnen vor einer finanziellen Überforderung der Menschen und fordert in allen Positionierungen gegenüber der Politik, den CO₂‑Preis mit Entlastungen und Kompensationen zu kombinieren, so wie es bei der Einführung des CO₂‑Preises in Aussicht gestellt worden war. Die Politik wird von uns dazu regelmäßig und nachdrücklich aufgefordert, dringend vor dem Start des ETS II weitere Entlastungen, zu verabschieden."
Stattdessen führe die Politik in Berlin und Brüssel mit der CO2-Bepreisung perspektivisch zu höheren Kraftstoffpreisen und damit zu höheren Gesamtbelastungen. Der ADAC halte es für seine Verantwortung, den Menschen in dieser Frage keinen Sand in die Augen zu streuen und setze sich parallel für Entlastungen ein.
"Ein höherer CO₂-Preis findet damit nur dann die Akzeptanz des ADAC sowie von Verbrauchern, wenn die Politik zuerst ausreichende Entlastungen und mehr Alternativen zu fossiler Energie schafft. Das zeigt auch die aktuelle Debatte. Und deshalb wird es Zeit, die Diskussion um Entlastungen der Bevölkerung und eine Ausweitung des Angebots an erneuerbaren Kraftstoffen gerade auch für diejenigen, die sich kein elektrisches Neufahrzeug leisten können, zu führen. Mit der Anhebung der Entfernungspauschale und der Reduzierung der Netzentgelte für Haushaltsstrom hat die Koalition auch aufgrund intensiven Werbens des ADAC erste Schritte in diese Richtung unternommen."
Mittlere vierstellige Austrittszahl
Mitglieder könnten sich darauf verlassen, dass der ADAC für individuelle Mobilität zu bezahlbaren Preisen eintrete, so eine Sprecherin des ADAC. 22,7 Millionen Menschen würden sich zusätzlich darauf verlassen, dass ihnen im Notfall weitergeholfen werde. Im vergangenen Jahr sei der ADAC um rund 490.000 Menschen gewachsen – das sind rund 1.500 neue Mitglieder pro Tag. "Die Zahl der Austritte umfasst aktuell eine mittlere vierstellige Zahl. Viele Mitglieder wenden sich auch mit Fragen an uns, die wir in jedem Einzelfall beantworten", so die ADAC-Sprecherin. "Wir hoffen, dass wir auch die Mitglieder, die aufgrund der Irritationen ausgetreten sind, wieder von dem ADAC überzeugen können."
Ursprünglich war vorgesehen, den europäischen Emissionshandel für Straßenverkehr und Gebäude ab dem 1.1.2027 zu starten. Nach Widerstand mehrerer Mitgliedstaaten wurde der Beginn um ein Jahr verschoben. Ziel ist es, einen Preisrahmen vorzugeben, innerhalb dessen Zertifikate gehandelt werden können, um starke Ausschläge zu begrenzen.
Nationaler CO₂-Preis steigt weiter
Unabhängig davon steigt der nationale CO₂-Preis in Deutschland zum Jahreswechsel weiter an. Der Preis pro Tonne CO₂ bewegt sich künftig in einem Korridor von 55 bis 65 Euro. Das wirkt sich auf die Kosten für Benzin, Diesel, Heizöl und Erdgas aus.
Nach Berechnungen des ADAC dürfte der Benzinpreis dadurch um knapp drei Cent pro Liter steigen, beim Diesel um etwas weniger als drei Cent pro Liter. Verbraucherzentralen rechnen zudem mit höheren Heizkosten. Für Heizöl werden rund drei Cent pro Liter zusätzlich erwartet, bei Erdgas etwa 0,3 Cent pro Kilowattstunde.
Offene Debatte innerhalb des Clubs
Der Automobilclub weist den Vorwurf zurück, sich von den Interessen seiner Mitglieder zu entfernen. Zugleich räumt er ein, dass die Kommunikation rund um das Thema CO₂-Preis bei vielen Menschen Sorgen ausgelöst habe. Die Diskussion zeigt, wie sensibel das Thema Kraftstoffpreise für Autofahrer ist und wie stark klimapolitische Instrumente in den Alltag eingreifen.
Der ADAC kündigte an, den Dialog mit der Mitgliedschaft fortzusetzen und seine Positionen differenziert darzustellen. Dabei solle deutlich werden, dass Klimaschutz, soziale Verträglichkeit und individuelle Mobilität gemeinsam betrachtet werden müssten.












