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Automobilbranche vor weiterem Engpass: Magnesium wird knapp

Automobilbranche vor weiterem Engpass Das Magnesium wird knapp

Den Automobilherstellern droht eine Magnesium-Knappheit. Das leichte Metall wird aktuell fast ausschließlich aus China importiert.

Magnesium ist eines der zehn häufigsten Elemente in der Erdkruste. Das klingt angesichts der aktuellen Lage in den Ohren der Automobilhersteller vermutlich nach blankem Hohn, denn die Branche steuert auf einen Mangel des leichten Metalls zu. Beliebt ist es wegen seiner niedrigen Dichte (1,75 g/cm³) bei gleichzeitiger Stabilität und dem niedrigen Schmelzbereich zwischen 430 und 630 Grad, der ein Verflüssigen energieeffizienter macht als beispielsweise bei Stahl oder Aluminium. 95 Prozent des in Europa genutzten Magnesiums kommen aus China. Mehr als 80 Prozent der globalen Magnesiumproduktion sind in der Volksrepublik verortet.

China muss CO₂ sparen

Dort allerdings steht die Produktion teilweise still, wie einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu entnehmen ist. Der Grund dafür ist kein echter Mangel am Rohstoff, es geht vielmehr um Klimaschutz-Bemühungen. Damit die aktuellen Vorgaben der Zentralregierung zum Einsparen von CO₂ erfüllt werden können, sind viele Magnesiumhersteller gezwungen, ihre Produktion zu reduzieren oder ganz zu stoppen. Ende des Jahres sollen die derzeit geltenden Vorgaben jedoch auslaufen. Bis dahin jedoch könnten die Vorräte hierzulande erschöpft sein. Magnesium wird vor allem Aluminiumlegierungen beigemischt, insofern ist der Magnesium-Mangel am Ende auch ein Aluminiumlegierungs-Mangel. Kaum eine moderne Automobilproduktion ist ohne diesen Werkstoff umsetzbar. Bis zu 200 Kilo Aluminium stecken in einem Pkw, ohne einen gewissen Anteil an Magnesium ist Aluminium jedoch für die Automobilindustrie nicht zu gebrauchen.

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BMW
Bis zu 200 Kilo Aluminium stecken in einem Auto. Den Legierungen wird Magnesium beigemischt.

Da China marktbeherrschend ist, droht neben der andauernden Chip-Krise nun also ein kompletter Produktions-Stopp. Denn während der Mangel an Halbleitern teilweise durch Downgrades von Ausstattungen abgefedert werden kann, gestaltet sich der Verzicht auf Bauteile wie etwa ein Getriebegehäuse eher schwierig. Gegenüber tagesschau.de sagte Gesamtverbands-Sprecher der Aluminium-Industrie Tim Stappen, dass Deutschland und Europa besonders stark von Lieferengpässen betroffen seien, weil die einheimische Magnesiumproduktion bereits 2001 wegen Dumping-Importen aus China aufgegeben wurde. Von "Dumping" kann indes keine Rede mehr sein, denn die Tonne Aluminium hat sich im letzten Jahr um gute 60 Prozent verteuert, bei Magnesium ging es sogar 75 Prozent – auf 9.000 Dollar (rund 7.550 Euro) pro Tonne.

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Fazit

Rohstoffmangel wird auf breiter Front zum Problem für die deutsche Industrie. Gerade im Automobilbau kann auf Magnesium und Aluminium nicht verzichtet werden. Ob sich die Lage mit einem Auslaufen der chinesischen CO₂-Sparpläne entspannt, zeigt sich Anfang 2022. Bis dahin allerdings, könnten die Vorräte vielerorts bereits aufgebraucht sein.