Autos aus „unfreundlichen Staaten“: Das plant Russland mit gestohlenen EU-Autos

Autos aus „unfreundlichen Staaten“
Das plant Russland mit gestohlenen EU-Autos

ArtikeldatumVeröffentlicht am 11.03.2026
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Foto: Ivan Reshetnikov via Getty Images

Das Innenministerium hat Anfang 2026 eine entsprechende Initiative auf dem offiziellen russischen Portal für Gesetzgebungsverfahren veröffentlicht. Der Entwurf befindet sich derzeit noch im parlamentarischen Verfahren.

Im Mittelpunkt steht eine Änderung der Regeln für Fahrzeuge, die in internationalen Fahndungsdatenbanken als gestohlen gemeldet sind. Nach den Plänen könnten solche Autos künftig registriert werden, wenn sie aus Staaten stammen, die Russland als "unfreundlich" einstuft.

Fahrzeuge aus EU-Staaten könnten betroffen sein

Zu den sogenannten "unfreundlichen Staaten" zählt Russland unter anderem die Mitgliedstaaten der Europäischen Union sowie weitere westliche Länder. Fahrzeuge aus diesen Staaten könnten nach dem Gesetzentwurf auch dann zugelassen werden, wenn sie in internationalen Fahndungssystemen geführt werden.

Das russische Innenministerium begründet die Initiative damit, dass Käufer solcher Fahrzeuge häufig nicht wissen, dass diese international gesucht werden. In der offiziellen Erläuterung des Entwurfs heißt es, Ziel sei es, "die legitimen Interessen russischer Bürger zu schützen, die Fahrzeuge erworben haben, ohne von einer internationalen Fahndung zu wissen". Damit würde eine internationale Fahndung künftig nicht mehr automatisch verhindern, dass ein Fahrzeug in Russland registriert werden kann.

Behörden verweisen auf offene Anfragen an europäische Staaten

Nach Darstellung des russischen Innenministeriums kommt es regelmäßig vor, dass Fahrzeuge in Russland entdeckt werden, die international gesucht werden. In solchen Fällen würden Anfragen an die Staaten gestellt, die den Diebstahl gemeldet haben. In der Begründung des Gesetzentwurfs heißt es dazu, dass Antworten aus dem Ausland teilweise ausbleiben. Als Beispiel nennt das Ministerium Deutschland. Demnach habe Russland bis zum 19.01.2026 keine Antwort auf Anfragen zu 123 Fahrzeugen erhalten, die über internationale Fahndungsdatenbanken gesucht wurden.

Die Regierung argumentiert, dass Käufer solcher Fahrzeuge dadurch über lange Zeit keine Möglichkeit hätten, ihre Fahrzeuge rechtmäßig zu nutzen.

Parallelimporte prägen den russischen Automarkt

Der Gesetzentwurf steht auch im Zusammenhang mit Veränderungen auf dem russischen Automarkt seit den westlichen Sanktionen. Viele internationale Hersteller haben ihre Aktivitäten im Land reduziert oder vollständig beendet.

Fahrzeuge gelangen deshalb zunehmend über sogenannte Parallelimporte nach Russland. Dabei werden Autos über Drittstaaten eingeführt und anschließend auf dem russischen Markt verkauft. Nach Angaben des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft wurden im Jahr 2025 rund 180.200 Fahrzeuge auf diesem Weg nach Russland importiert.

Sicherheitsbehörden warnen vor neuen Absatzmärkten

Polizeivertreter in Europa sehen die Initiative kritisch. Sie befürchten, dass eine erleichterte Zulassung international gesuchter Fahrzeuge neue Absatzmöglichkeiten für gestohlene Autos schaffen könnte. Benjamin Jendro von der Gewerkschaft der Polizei erklärte gegenüber der Bild, die geplante Regelung wäre "ein fatales Zeichen und ein weiterer Beleg, dass Rechtsstaatlichkeit in Moskau nicht so wirklich ernst genommen wird".

Ermittler beobachten seit Jahren, dass Fahrzeuge aus Westeuropa häufig von organisierten Banden gestohlen und anschließend über internationale Netzwerke weiterverkauft oder zerlegt werden.

Gesetzgebungsverfahren noch nicht abgeschlossen

Der Gesetzentwurf wurde zunächst zur öffentlichen Diskussion veröffentlicht. Für ein Inkrafttreten muss er noch mehrere parlamentarische Schritte durchlaufen.

Erst wenn beide Kammern des russischen Parlaments zustimmen und das Gesetz unterzeichnet wird, könnten die neuen Regeln für die Fahrzeugzulassung tatsächlich gelten.

Fazit