Darum ist Diesel plötzlich 20 Cent teurer: Was CO₂-Kosten erklären – und was nicht

Darum ist Diesel plötzlich 20 Cent teurer
Was CO₂-Kosten erklären – und was nicht

ArtikeldatumVeröffentlicht am 13.01.2026
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Tanken Winter
Foto: RossHelen via Getty Images

Der Jahreswechsel hat Autofahrer erneut kalt erwischt. Binnen weniger Tage verteuerten sich Diesel und Benzin an vielen Tankstellen deutlich – regional teils um 17 bis 20 Cent pro Liter. Solche Sprünge sind kein Einzelfall, fallen diesmal aber besonders ins Auge, weil sie sich kaum mit den üblichen Kostentreibern erklären lassen.

Rohöl, Euro, Raffinerien: Entlastung statt Verteuerung

Der Spiegel hat jetzt die Zusammensetzung der Preise geprüft – ein Blick auf die grundlegenden Faktoren spricht zunächst gegen steigende Preise. Der Rohölpreis rangiert deutlich unter dem Niveau des Vorjahres, gleichzeitig wirkt der starke Euro preisdämpfend, da Händler Öl in US-Dollar handeln.

Ein Mineralölexperte betont gegenüber dem Spiegel zwar, dass die Raffinerien immer höhere Margen für Verarbeitung sowie Weiterverkauf von Kraftstoff und Heizöl aufrufen – allerdings sei das nicht rund um den Jahreswechsel passiert. Auch habe es bei den Raffinerien keine preistreibenden Ausfälle gegeben.

CO₂-Preis: Nur wenige Cent pro Liter

Zum 1. Januar greift der neue CO₂-Preiskorridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne. Selbst bei der oberen Grenze bedeutet das rechnerisch lediglich rund 3,2 Cent mehr pro Liter Diesel und knapp 2,8 Cent bei Benzin. Der Effekt bleibt also überschaubar – und erklärt nur einen kleinen Teil der beobachteten Preissteigerungen.

THG-Quote und Biokraftstoffe: Weitere, aber begrenzte Effekte

Hinzu kommt die verschärfte Treibhausgasminderungsquote. Mineralölunternehmen müssen 2026 mehr Emissionen einsparen, entweder durch höhere Beimischungen von Biokraftstoffen oder durch den Zukauf von THG-Zertifikaten. An der Zapfsäule schlägt sich das mit etwa vier bis fünf Cent pro Liter nieder. Zusammengenommen betragen die staatlich erklärbaren Mehrkosten damit rund sieben bis acht Cent.

Selbst unter Einbeziehung aller neuen Vorgaben bleibt fast die Hälfte des Preisanstiegs unbegründet. Auffällig ist der Vergleich mit Heizöl: Dort fallen ähnliche Rohöl- und CO₂-Kosten an, dennoch sind zum Jahreswechsel keine vergleichbaren Preissprünge zu beobachten. Das nährt den Verdacht, dass die dynamische Preisgestaltung der Konzerne eine zentrale Rolle spielt.

Raffinerie und Pipeline
imaginima via Getty Images

Preise ändern sich dutzendfach am Tag

Tankstellenpreise sind heute algorithmisch gesteuert und können sich laut Bundeskartellamt mehr als 20-mal täglich ändern. Ziel ist es, aus dem regionalen Wettbewerb und dem Tankverhalten der Kunden den maximalen Ertrag zu ziehen – mit dieser Praxis sind die Mineralöl-Konzerne natürlich nicht allein. Die Betreiber der einzelnen Tankstellen haben darauf kaum Einfluss, ihre Marge entsteht zunehmend im Shopgeschäft – Zigaretten, Getränke und Tiefkühlpizza lassen beim Pächter die Kasse klingeln.

mehr-tanken Portfolio

Kurzfristig lohnt sich vor allem Preisvergleich und Timing. Tank-Apps zeigen in Echtzeit, wo Kraftstoff günstiger ist und zu welchen Tageszeiten das Tanken besonders wenig kostet – aktuell meist zwischen 19:00 und 20:00 Uhr. Wer konsequent danach handelt, kann im Jahr 150 bis 200 Euro sparen. Langfristig rücken alternative Antriebe zumindest rechnerisch ein bisschen näher, allerdings kann auch Ladestrom sehr teuer sein.

Fazit