Deutschland ist Platz 12 in Europa: Darum hinken wir bei der E-Mobilität hinterher

Deutschland ist Platz 12 in Europa
Darum hinkt Deutschland bei E-Mobilität hinterher

ArtikeldatumVeröffentlicht am 25.07.2026
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Ladenetz Europa Deutschland
Foto: KI-generiert

Deutschland zählt zu den größten Automobilmärkten Europas. Bei der Elektromobilität gehört die Bundesrepublik jedoch längst nicht mehr zur Spitzengruppe. Im aktuellen Mobility Guide 2026 des Mobilitätsdienstleisters Ayvens erreicht Deutschland lediglich 61 von 100 möglichen Punkten und landet damit auf Rang zwölf. Spitzenreiter ist erneut Norwegen mit 93 Punkten vor Belgien (78), den Niederlanden (74), Österreich (67) und Portugal (67).

Deutschland hält sich nur knapp in der Spitzengruppe

Mit 61 Punkten gehört Deutschland nach der Methodik von Ayvens zwar noch zur Gruppe der "entwickelten" E-Auto-Märkte. Die Grenze liegt allerdings bei 60 Punkten – die Bundesrepublik schafft den Sprung also nur denkbar knapp. Gegenüber der vorherigen Untersuchung verliert Deutschland zudem zwei Punkte. Insgesamt ordnet Ayvens lediglich 13 der 30 untersuchten Länder dieser Spitzengruppe zu. Sechs Nationen gelten als "Übergangsmärkte", elf weitere als "aufstrebende" E-Auto-Länder.

Auffällig ist vor allem die Dynamik im europäischen Vergleich. Während Deutschland leicht zurückfällt, legen mehrere Nachbarländer deutlich zu. Belgien verbessert sich um acht Punkte auf Rang zwei, Schweden und Portugal gewinnen jeweils sieben Punkte hinzu, Frankreich verbessert sich um fünf Zähler. Alle drei Länder ziehen damit an Deutschland vorbei.

Elektroautos mit den meisten Reichweiten-Kilometern fürs Geld

Die Bewertung hat sich verändert

Für die aktuelle Ausgabe hat Ayvens zudem seine Methodik angepasst. Die reine Verfügbarkeit elektrischer Modelle spielt keine Rolle mehr, da E-Autos inzwischen europaweit in ausreichender Zahl angeboten werden. Stattdessen rücken die tatsächlichen Rahmenbedingungen für den Betrieb stärker in den Mittelpunkt.

Den größten Einfluss auf das Gesamtergebnis haben mit 30 Prozent die Gesamtbetriebskosten (Total Cost of Ownership). Mit jeweils 20 Prozent fließen außerdem Ladeinfrastruktur sowie steuerliche und regulatorische Rahmenbedingungen ein. Die Marktdurchdringung batterieelektrischer Fahrzeuge wird mit 25 Prozent bewertet, die Nachhaltigkeit der Stromerzeugung geht mit fünf Prozent in das Ranking ein.

Das größte Problem bleibt das Laden im Alltag

Besonders deutlich wird Deutschlands Rückstand bei der öffentlichen Ladeinfrastruktur. Laut Ayvens kommen hierzulande lediglich 1,9 öffentliche Ladepunkte auf 1.000 Einwohner. Frankreich erreicht 2,3 Ladepunkte, Belgien bereits 6,5 und die Niederlande sogar 10,2.

Vor allem für Menschen ohne privaten Stellplatz bleibt der Umstieg auf ein Elektroauto damit schwierig. Wer auf öffentliche Ladepunkte angewiesen ist, findet vielerorts zu wenige Lademöglichkeiten. Hinzu kommen unterschiedliche Bezahlsysteme und Tarifmodelle, die das öffentliche Laden häufig unnötig kompliziert machen. Auch das Ende der staatlichen Kaufprämien wirkt nach. Zwar profitieren Dienstwagen weiterhin von steuerlichen Vorteilen, doch privaten Käufern fehlten vielerorts finanzielle Anreize. In Deutschland kommt mit dem neuen Förderprogramm der Bundesregierung erst jetzt wieder Schwung in den Markt.

Elektroautos rechnen sich inzwischen

Dabei zeigt die Studie durchaus weitere positive Entwicklungen für Deutschland. Erstmals liegen die kalkulierten Betriebskosten eines Elektroautos leicht unter denen eines vergleichbaren Verbrenners. Für einen Betrachtungszeitraum von vier Jahren beziehungsweise 120.000 Kilometern errechnet Ayvens durchschnittliche Kosten von 35 Cent je Kilometer für ein batterieelektrisches Fahrzeug gegenüber 36 Cent für einen Verbrenner.

Noch deutlicher fällt der wirtschaftliche Vorteil in anderen Ländern aus. Spitzenreiter ist Portugal: Dort liegen die Kosten für ein Elektroauto bei lediglich 25 Cent pro Kilometer, während ein vergleichbarer Verbrenner 39 Cent verursacht. Solche Unterschiede tragen wesentlich dazu bei, dass Länder wie Portugal oder Belgien im Ranking inzwischen an Deutschland vorbeiziehen.

Ayvens-Geschäftsführer Martin Kössler sieht deshalb inzwischen weniger die Fahrzeughersteller als vielmehr die politischen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen in der Verantwortung. Die Verfügbarkeit von Elektroautos sei heute kaum noch das Problem. Entscheidend seien vielmehr Gesamtbetriebskosten, steuerliche Anreize und eine leistungsfähige Ladeinfrastruktur.

Schwachstelle im Ranking

Trotz aller Kritik besitzt das Ranking eine wichtige Schwäche. Es bewertet ausschließlich die Anzahl der öffentlichen Ladepunkte – nicht deren Leistungsfähigkeit. Genau hier verfolgt Deutschland seit Jahren eine andere Strategie als viele Nachbarländer. Während etwa die Niederlande flächendeckend zahlreiche AC-Ladepunkte mit meist 11 kW Leistung im öffentlichen Raum installiert haben, wurde hierzulande massiv in High-Power-Charger entlang von Autobahnen und Fernverkehrsachsen investiert – auch wegen der andauernden Reichweiten-Diskussionen.

Der Unterschied ist erheblich. Eine 11-kW-Ladesäule eignet sich vor allem für das nächtliche Laden am Wohnort. Moderne Schnelllader mit 300 oder sogar 400 kW können dagegen innerhalb kurzer Zeit große Energiemengen übertragen und nacheinander mehrere Fahrzeuge versorgen. Im Ayvens-Ranking werden beide Ladepunkte jedoch identisch gezählt. Gerade auf Langstrecken gehört Deutschland deshalb inzwischen zu den leistungsfähigsten Ländern Europas. Das dichte Netz an Schnellladeparks entlang der Autobahnen ermöglicht kurze Ladepausen und hohe Ladeleistungen – ein Vorteil, der in der Bewertung kaum sichtbar wird.

Fazit