Als Reaktion auf den Angriff blockiert der Iran die Straße von Hormus, das Nadelöhr für Öllieferungen aus dem Nahen Osten. Es gibt wenige Stellen auf der Welt, die für die Energiekosten und den Welthandel so entscheidend sind. Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit den Weltmeeren, 20 Prozent des Ölhandels müssen durch diese an ihrer engsten Stelle nur 38 Kilometer breite Meerenge; die Fahrrinnen, die tief genug für Supertanker sind, messen sogar nur drei Kilometer.
Die Arteriosklerose der "Öl-Schlagader"
Der Iran ist Anrainerstaat und erklärte die Straße von Hormus als Reaktion auf die Angriffe kurzerhand für gesperrt. Wirkungsvoller: Zwei Tanker erlitten Raketentreffer, die Versicherungen strichen die Absicherung von Kriegsrisiken für das Gebiet – entsprechende Zusatzversicherungen werden teuer und mit ihnen der Transport. Die beginnende Arteriosklerose der wichtigen Ölschlagader zeigt ein Video der Plattform Marinetraffic auf X. Es startet am Samstagmorgen mit zahlreichen Schiffsbewegungen und endet am Montagmorgen, als kaum mehr Schiffe die Meerenge passieren und sich auf beiden Seiten vor der Passage sammeln. Wenn Sie hier die Anzeige externer Inhalte freigeben, können Sie das Versiegen der "Ölquelle" nachverfolgen.
Der Rohölpreis für die Nordseesorte Brent sprang in der Folge zeitweise um rund zehn Prozent auf über 80 US-Dollar je Barrel. Mit der Einschätzung von US-Präsident Donald Trump, der Konflikt könne etwa vier Wochen dauern, lässt sich die Dauer der Blockade abschätzen, und für die Preisbildung am Ölmarkt ist genau dieser Zeithorizont entscheidend.
Weniger Öl aus Nah-Ost – aber der Preis steigt
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie, zuständig für die Raffinerien und Markentankstellen in Deutschland, kommentiert die Entwicklung so: "Die geopolitische Lage hat zu einem weltweiten Anstieg der Preise für Mineralölprodukte geführt". Die Märkte in Deutschland für Benzin, Diesel und weitere Produkte wie Heizöl und Flugkraftstoff seien aber weiterhin intakt. Der Verband sieht die Versorgung Deutschlands als gesichert an, "da wir Rohöl aus rund 30 Ländern beziehen. Hauptlieferländer sind Norwegen, die USA, Libyen, Kasachstan und Großbritannien. Einziger Nahost-Lieferant in der Top Ten ist Irak."
Weil die globale Nachfrage verstärkt auf sichere Quellen ausweiche, steigen "die Preise für amerikanisches und europäisches Rohöl". Außerdem würden die Frachtraten für Öltanker teurer. Zu den Treibstoffpreisen sagt der Verband: "Der Produktpreis für Diesel in Deutschland stieg am Montagvormittag um gut 20 Prozent und damit deutlich mehr als der Ölpreis. Grund ist, dass Diesel in Deutschland knapper ist als Benzin und zu rund 30 Prozent importiert werden muss, bei Benzin sind es nur zehn Prozent".
Die Psycho-Grenze – 2 Euro für Sprit
Je länger die Unsicherheit über die Straße von Hormus anhält, desto größer wird das Risiko, dass aus einem spekulativen Preisschub ein strukturell höheres Niveau entsteht. Damit rückt eine Marke in den Fokus, die vor allem psychologisch relevant ist: zwei Euro je Liter. Sie ist seit Dienstag überschritten. Für viele Autofahrer ist das mehr als nur ein Anstieg von ein paar Cent – es fühlt sich wie eine neue Preisstufe an.
In Hamburg und Köln kostete Super E5 am Dienstagmittag bereits 2,03 Euro pro Liter, in Frankfurt am Main werden innerstädtisch bis zu 2,08 Euro verlangt. Auch E10 liegt vielerorts bei 2,00 bis 2,02 Euro. Auf mehr-Tanken.de sind immer häufiger die roten Preis-Schilder mit mehr als 2 Euro zu sehen. Das Überschreiten der Zwei-Euro-Grenze führte bereits 2022 zu spürbaren politischen und gesellschaftlichen Debatten. Sie signalisiert den meisten Verbrauchern eine neue Preisstufe. Sie ist aber kein technischer Schwellenwert und rein rechnerisch kein extremer Ausreißer: Bei einem Durchschnitt von zuletzt rund 1,83 Euro für Superbenzin fehlten lediglich 17 Cent bis zur Zwei-Euro-Marke.





