Die Auswertung umfasst 981.000 Fahrzeuge und 1.436 Modellvarianten der Baujahre 2021 bis 2023. Grundlage sind reale Fahr- und Verbrauchsdaten aus dem normalen Straßenbetrieb. Erfasst wurden unter anderem die tatsächlich gefahrenen Kilometer, der verbrauchte Kraftstoff sowie die geladene elektrische Energie. Die Daten stammen aus dem verpflichtenden On-Board Fuel Consumption Monitoring, kurz OBFCM, das seit 2021 in neu zugelassenen Fahrzeugen in der Europäischen Union integriert ist.
Die Fahrzeuge speichern diese Informationen automatisiert während der regulären Nutzung und übermitteln sie anonymisiert an die Europäische Umweltagentur. Damit handelt es sich nicht um Laborwerte oder Simulationen, sondern um reale Messdaten aus dem Alltagsbetrieb in unterschiedlichen Ländern, Klimazonen und Nutzungsprofilen. Die hohe Fallzahl und die Bandbreite der einbezogenen Modelle erlauben eine belastbare Aussage über das durchschnittliche Nutzungsverhalten von Plug-in-Hybriden im europäischen Straßenverkehr.
Deutliche Unterschiede je nach Fahrzeugsegment
Die Studie zeigt, dass das reale Nutzungsverhalten stark vom Fahrzeugtyp abhängt. Schwere, leistungsstarke Oberklasse- und Performance-Modelle weisen im Schnitt deutlich geringere elektrische Energieanteile auf als kompaktere Fahrzeuge.
Mit zunehmender Fahrzeuggröße und Leistung sinkt im Mittel der reale elektrische Energieanteil.
Porsche als Extrembeispiel
Bei Porsche wurden 94 Modellvarianten mit 11.307 Fahrzeugen ausgewertet. Der durchschnittliche energetische elektrische Anteil liegt bei 0,8 Prozent. Der Median liegt bei null Prozent.
Bei den ausgewerteten Porsche-Fahrzeugen lag die durchschnittliche Laufleistung bei 27.000 Kilometern. Geladen wurden im Mittel sieben Kilowattstunden. Im Verhältnis zur Gesamtlaufleistung entspricht das einem sehr geringen Stromanteil.
Was ist der Median?
Der Median bezeichnet den mittleren Wert einer geordneten Zahlenreihe. Ordnet man alle Fahrzeuge nach ihrem elektrischen Energieanteil, liegt in der Mitte ein Fahrzeug mit 0 Prozent. Da dieser Wert nicht negativ sein kann, bedeutet das statistisch, dass mindestens die Hälfte der ausgewerteten Fahrzeuge keinen messbaren elektrischen Energieanteil aufweist.
Diese Tabelle macht in einer Übersicht deutlich:
- Performance- und Luxusmarken liegen im Realbetrieb sehr niedrig.
- Deutsche Premiumhersteller erreichen im Schnitt rund ein Viertel elektrischen Energieanteil.
- Volumenhersteller wie Toyota liegen höher, bleiben aber unter 50 Prozent.
Durchschnittswerte aller untersuchten Fahrzeuge
Über alle Segmente hinweg ergibt sich ein durchschnittlicher Realverbrauch von 5,9 Litern pro 100 Kilometer.
Der batteriegestützte Modus ist nicht gleichbedeutend mit rein elektrischem Fahren. Der Verbrennungsmotor kann auch in diesem Betriebszustand mitlaufen.
Reale elektrische Nutzung vs WLTP
Im Durchschnitt werden nur also rund 27 bis 31 Prozent der Strecke tatsächlich mit ausgeschaltetem Verbrennungsmotor zurückgelegt. In der offiziellen Verbrauchsberechnung wird jedoch ein höherer elektrischer Fahranteil berücksichtigt. Genau hier entsteht ein wesentlicher Unterschied zwischen Prüfstand und Straßenbetrieb.
Der WLTP-Wert wird zwar in einem standardisierten Fahrzyklus gemessen. Bei Plug-in-Hybriden besteht dieser Test jedoch aus zwei Phasen: einer Fahrt mit voller Batterie und einer Fahrt mit leerer Batterie im überwiegend verbrennungsmotorischen Betrieb. Beide Ergebnisse werden anschließend gewichtet. Dabei wird angenommen, wie häufig das Fahrzeug im Alltag elektrisch fährt. Je höher die elektrische Reichweite, desto größer ist dieser angenommene Anteil – und desto niedriger fällt der kombinierte Verbrauchswert im Datenblatt aus.
Wenn Plug-in-Hybride im realen Straßenbetrieb jedoch seltener elektrisch gefahren werden als in dieser Gewichtung unterstellt, verschiebt sich das Verhältnis. Der Kraftstoffverbrauch steigt entsprechend an. Der gemessene Durchschnittsverbrauch liegt bei 5,9 Litern pro 100 Kilometer, typische WLTP-Angaben vieler Modelle bei rund 1,5 Litern. Damit ist der reale Verbrauch im Schnitt fast viermal so hoch wie der offizielle Prüfstandswert und liegt rund 300 Prozent darüber.
Welche Probleme Plug-in-Hybride machen, lesen Sie in der Fotoshow.












