Beim Autokauf alles richtig zu machen, ist nicht immer leicht. Speziell auf dem Elektromarkt fällt es schwer, die Übersicht zu behalten. Die staatliche Förderprämie für Elektroautos soll hier eigentlich durch finanzielle Anreize helfen, insbesondere, wenn der Kauf eines Elektroautos bislang nicht erschwinglich war. Der Gesetzgeber fördert reinelektrische Neuwagen mit mindestens 3.000 Euro. Bis zu 2.000 Euro gibt's obendrauf für Haushalte unterhalb von 45.000 Euro Jahreseinkommen, und weitere 500 pro Kind (davon werden jedoch maximal zwei berücksichtigt). So kommen – je nach Lebenslage – zwischen 3.000 und 5.000 Euro als Kaufprämie zusammen.
Keine Fördergelder gibt es für Menschen und Haushalte, die sehr wohl am Kauf eines E-Autos interessiert sind, jedoch nur Geld für einen Gebrauchten übrig haben. Möglicherweise setzt die Politik hier ganz programmatisch auf das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Wenn Neuware (theoretisch) in Massen zu vergünstigten Preisen gekauft wird, entsteht auf dem Gebrauchtmarkt eine Schwämme von Fahrzeugen, deren Preisniveau zwangsläufig sinkt – sonst würde sie ja niemand kaufen. Bis dieser Wertverlust tatsächlich und spürbar eintritt, wird es erfahrungsgemäß noch eine Weile dauern. Und so dürften sich zurzeit viele die Frage stellen, ob sich ein Gebrauchtkauf überhaupt lohnt, wenn doch die Neuware so kräftig rabattiert wird. Genau das klären wir hier anhand beliebter und günstig bepreister Gebrauchtmodelle in alphabetischer Reihenfolge.
Audi E-Tron, Bj. 2018 bis 2022
Das 2022 in Q8 umbenannte SUV bietet viel Platz und zudem den Luxus in puncto Verarbeitung, Materialauswahl und Technikoptionen, den Markenfans so lieben. Die Autos sind reichlich zu finden (über 1.200 stehen aktuell in den Onlinebörsen) und bieten eine hervorragende Qualität. Nur Rückrufe und Softwareprobleme beziehungsweise deren Behebung durch Updates sollten beachtet werden. Als Nachteil empfinden viele, dass zu Anfang die (seltenen) Basisversionen mit nur relativ kleiner Reichweite zu finden waren, und dass die On-Board-Lader nicht auf hochmoderne Ladesprints ausgelegt sind. Das fein gemachte Familienauto taugt ansonsten auch hervorragend für Langstrecken, die es mit meist rund 400 Kilometern Reichweite (283 bis 436 km nach WLTP, je nach Ausstattung) auch gut bewältigen kann.
In unterschiedlichen Baujahren findet sich der E-Tron im Schnitt für rund 35.000 Euro, wenn etwa 50.000 Kilometer auf dem Tacho stehen. Der günstigste neue E-Audi ist der Q4 E-Tron, der mit 46.150 Euro Neupreis in der Liste steht. Auch der ist angenehm geräumig, bietet aber weniger Luxus fürs Geld und eine viel geringere Motorleistung. Hier lohnt sich ganz klar der Kauf des "alten".
BMW i3, Bj. 2013 bis 2022
Als deutscher EV-Vorreiter schlechthin gehörte BMW mit dem i3 noch vor der schlagartigen Tesla-Expansion zu den Early-Adoptern im Elektro-Mainstream. Hochmoderne Materialien, eine innovative Karosserieform, sowie die Option auf einen benzinbetriebenen Range Extender unterstreichen seine technische Anforderung. Kleine Verbrenner, die unterwegs für Reichweite sorgen, kommen erst jetzt, über zehn Jahre nach dem i3-Debüt, in den Planungsrunden der Hersteller vor. Zwischen 190 und 308 Kilometern betragen je nach Version die reinen Elektro-Reichweiten. Ähnlich wie die eher trägen Ladeleistungen wirkt das im Direktvergleich mit Neuwagen etwas antiquiert. Doch wer zum Beispiel einen besonders zuverlässigen Elektro-Zweitwagen sucht, der zuhaus meist an der Steckdose parkt, bekommt ein sehr wertvolles Auto für verhältnismäßig wenig Geld.

Selbst wenn er langsam in die Jahre kommt, wirkt der i3 beinahe zeitlos modern. Er ist ein schönes Stück Technik, was auch Autofans zu begeistern versteht.
Konkret bedeutet dies einen Durchschnittspreis von rund 18.000 Euro für Autos mit etwa 35.000 Kilometern auf dem Tacho. Das Angebot ist mit 371 Inseraten überschaubar. Allzu viele Besitzer geben ihren i3 aktuell nicht ab. Wie in fast allen Fällen schwankt das Angebot natürlich stark in Preis und Laufleistung.
Fiat 500e, Bj. ab 2020
Manche Dinge ändern sich nie. So ein knirpsiger Fiat 500 bietet ganz viel Charme und verhältnismäßig wenig Nutzwert – geschenkt. Leider nicht geschenkt sind die gesalzenen Gebrauchtpreise. Die stammen schon immer aus seinem zeitlosen Lifestyle-Faktor, aber im Falle des modernen 500e besonders aus dem Fakt, dass anfänglich besonders viele Exemplare in ledernen Schickimicki-Ausstattungen abgesetzt wurden. So gibt es aktuell über 1.800 Exemplare, die im Preisniveau um 18.000 bis 20.000 Euro liegen, wobei im Schnitt frische 15.000 Kilometer auf dem Tacho stehen. Immerhin: Mechanisch macht der kleine Italiener bis auf ein paar kleinere Software-Schluckaufs bislang keinen Ärger.

Schnieke Edel-Versionen, wie dieser Armani-500 haben als Neuwagen richtig viel Geld gekostet, klar, dass auch für Gebrauchte noch hohe Preise verlangt werden. Doch die unterbietet Fiat mittlerweile mit der Neuware selbst.
Und was lernen wir aus diesem Gebrauchtpreis? Nun: Ein nagelneues Basismodell ist mit 19.990 Euro abzüglich der Förderprämie deutlich billiger als der Durchschnittsgebrauchte. Auch ein vollausgestattetes "La Prima" Cabrio (27.990 Euro) kommt bereits in diesen Dunstkreis. Hier lohnt der Gebrauchtkauf eindeutig nicht.
Hyundai Ioniq, Hyundai Kona Electric, Kia e-Niro (jew. 1. Generation), Bj. 2016 bis 2023
Alle auf einmal? Ja, wir beleuchten hier die elektrischen Konzernbrüder, weil sie viele Gemeinsamkeiten haben: Platz für die Familie, proppere Reichweiten und ein großes Angebot zum Beispiel. Ebenfalls auf alle zutreffend: Die Dinger haben eine richtig gute Langzeitqualität. Weder ihre Besitzer in Onlineforen, noch die Prüfer bei der Hauptuntersuchung finden chronische Krisenherde an den Koreanern, die mit 88 bis 100 kW (Ioniq), beziehungsweise 100 und 150 kW (Kona und Niro) zu haben waren. Das spiegelt sich auch in erfolgreichen Nachfolgemodellen wider, die die Preise der hier genannten spürbar nach unten rücken.
Durchschnitte in Höhe von 15.000, 17.500 bzw. 21.000 Euro (in oben genannter Reihenfolge) zeigen sich nach kurzem Studium der Ergebnisliste. Zwischen 28.000 und 50.000 Kilometer stehen dann auf dem Zähler. Technik und Akku machen fast nie gehäuft Probleme. Und: die Autos sind nicht nur praktisch, sondern auch reichlich verfügbar. Gut 1.100 Kona stellen den Löwenanteil dar, nochmal knappe 300 Inserate entfallen auf Ioniq und Niro.
Mercedes B-Klasse Electric Drive, Bj. 2014 bis 2017
Zugegeben, die Elektro-B-Klasse ist hierzulande eher Exotisch, weil ihre Entwicklung eine Art Fingerübung in der damaligen Zusammenarbeit mit Tesla darstellte. Aber genau das macht die Elektro-B-Klasse heute reizvoll. Als Antrieb dient nämlich der millionenfach produzierte Frontmotor aus dem Tesla Model S und auch die Akkutechnik besitzt unzählige Gleichteile und lässt sich von den spezialisierten Batterie-Fachbetrieben ohne Probleme warten und bearbeiten. So ist der praktische Kompaktvan von Mercedes ein gutes Beispiel für Elektrotechnik, die nicht zum seltenen Sonderfall wird, sondern auch im Alter ohne Probleme zu erhalten ist. Noch dazu gehört er zu den günstigsten Vollwert-Stromern überhaupt und bietet jede Menge Platz fürs Familienleben. Die Reichweite von realistisch gut 200 Kilometern genügt immerhin für den Normalo-Alltag.

Markenzeichen: Kotflügelverbreitungen. Die Elektro-B-Klasse wurde mit einem gewissen US-Focus entwickelt. Man sieht's.
Den einzigen Negativpunkt stellen die relativ langen Ladezeiten dar, und der Fakt, dass der Mercedes richtig selten ist. Nur 17 Exemplare stehen zur Veröffentlichung dieses Artikels im Netz. Preislich liegt man bei schlanken 10.000 Euro für Autos um 100.000 Kilometer.
Mini Cooper SE, Bj. 2019 bis 2023
Zurück zum Mainstream, zurück zu einem spannenden Typen. Der abgelöste Elektromini ist in Leistung und Fahrverhalten eine Wucht und muss sich nirgends vor seinem Nachfolger verstecken. Kurz: Gerade als Pendlerauto hat der schicke Kleinwagen viele Talente. Der hinzukommende Lifestyle-Faktor sorgt weiters für einen stabilen Werterhalt. Und so landen Gebrauchtpreise bis heute relativ weit oben. Lohnt sich da vielleicht schon der Neuwagen?

Optisch typisch Mini, antriebstechnisch immernoch auf Höhe der Zeit. Der Cooper SE war Gebraucht schon immer sehr wertstabil. Ob ihm das nun zum Verhängnis wird?
Der "alte" findet sich im Schnitt für rund 20.000 Euro mit einer Laufleistung im Großraum von 30.000 Kilometern. Es gibt günstigere Exemplare, aber auch viele teurere. Seine Reichweite beträgt 203 bis 234 Kilometer. Die in China produzierte Neuware startet preislich bei 28.450 Euro. Werden da im besten Falle 6.000 Euro Prämie runtergerechnet, liegt man schon sehr nah am bestenfalls zweijährigen Gebrauchten. Steht dann noch ein gutes Händlerangebot im Raum, kann der Gebrauchtvorteil schnell kippen.
Renault Zoe, Bj. 2012 bis 2024
Wer keine romantisch-emotionalen Neigungen zu Renaults Spar-Stromer besitzt, dürfte sich für den Zoe höchstens aus rein nüchternen Gründen interessieren. Die Dinger sind richtig billig. Ramponierte Verbrauchtware findet sich schon für unter 5.000 Euro, dort sind jedoch kaum noch alltagstaugliche Gefährte dabei. Qualitativ ist der Renault durchwachsen. Karosserie und Innenraum sind zwar grundsätzlich haltbar, gleichen in ihrem Charme aber wirklich der schroffsten Billigware. Auch in den Eckdaten glänzt der Kleinwagen allein preislich. Die Reichweiten sind klein, die Ladezeiten lang, der Werterhalt schlecht.
Technisch empfehlen sich die früheren Modelle mit dem auffallend problemlosen Continental-Motor, weil sie viel zuverlässiger funktionieren als jene mit späteren Renault-Triebstrang, von denen Experten schlicht abraten. Der größte "Deal-Breaker" schlummert allerdings in den heutigen Elektro-Knirpsen. Hyundai Inster oder (ganz besonders) der Dacia Spring kosten dank der Prämie neu nicht mehr als ein gepflegter Zoe, funktionieren aber in den meisten Belangen besser.
Tesla Model 3, seit 2017
Wer Teslas Mittelklässler nicht als Politikum, sondern als nüchternes Auto betrachtet, entdeckt viele Vorteile in der Aerodynamik-Flunder – vorausgesetzt, alles ist ordentlich zusammengeschraubt, und der programmierte Fahrwerksverschleiß ist bereits behoben worden. Näheres haben wir in unserer großen Kaufberatung bereits detailliert für Sie aufgelistet. Unterm Strich punktet der Tesla mit seiner enormen Alltagstauglichkeit, die sich nicht zuletzt in enormen Reichweiten (409 bis 702 Kilometer) widerspiegelt. Alle Baustellen, die ab Werk als Mangel aufkommen, lassen sich mittlerweile durch das Fachwissen freier Betriebe beheben, viele davon sogar kostengünstig.
Der Mittelwert der Model-3-Inserate liegt bei Exemplaren um die 45.000 Kilometer, für die rund 27.000 Euro aufgerufen werden. Viele gute Angebote lauern hier übrigens nicht nur auf den bekannten Verkaufsportalen, sondern auch bei Teslas eigenem Gebrauchtwagenangebot. Weil Ausstattungen und Individualisierungen bei Tesla weitgehend gleichgeschaltet sind, kommt's am Ende auf einen günstigen Kaufpreis an. Wer zu teuer einkauft, landet preislich zu nah am Neuwagen (ab 36.990 Euro, abzüglich Kaufprämie).
VW E-Golf, Bj. 2014 bis 2020
Hier gilt Ähnliches wie bei der Elektro-B-Klasse. Aufgrund des Alters und der heute gering wirkenden Reichweite, sind die Preise im Keller. Die Technik gilt jedoch als sehr ausgereift und mittlerweile sind praktisch alle Reparaturansätze bekannt, und häufig kostensparend umsetzbar. Darüber hinaus bietet der Golf 7, wie schon als Verbrenner, eine auffallend hohe Qualität, gepaart mit einer Bedienbarkeit, von der sein Nachfolger nur träumen kann.

Der E-Golf unterscheidet sich optisch kaum vom ganz normalen Golf. Genau das schätzen viele an ihm.
Gepflegte Angebote liegen bei etwa 14.000 Euro, mit rund 50.000 Kilometern auf dem Zähler. Die WLTP-Reichweiten liegen bei 150 beziehungsweise 300 Kilometer, je nach Version. Alles in allem bekommt man hier einen Nutzwert und ein Qualitätsniveau, was ansatzweise vergleichbare Neuwagen erst zu deutlich höheren Preisen bieten können.
VW E-Up, Seat Mii, Skoda Citigo, Bj. 2023 bis 2023
Obwohl der Up und seine Markengeschwister sensationell gut Verarbeitet sind und auch in ihren Elektroversionen keinen Kummer bereiten, der über eine unterforderte Bremsanlage hinausgeht, lauert im Preisniveau das selbe Schicksal wie bei Renaults Zoe. Im Schnitt sind 12.500 Euro viel Geld für einen Kleinstwagen, selbst wenn dann meist nur 35.000 Kilometer Laufleistung vorliegen. Der Hintergrund liegt im allmählich wachsenden Angebot an günstigen Elektro-Kleinwagen, die mit Kaufprämie kaum teurer sind, als die kultigen Kanten-Knirpse.
VW ID.3, Cupra Born, Skoda Elroq, ab Bj. 2019
Wenn man die Technikgeschwister rund um VWs modularen Elektrobaukasten (MEB) vergleicht, zeigt sich ein sehr alltagstaugliches Konzept mit praktischem Format und (mittlerweile) guter Qualität. Anfänglich gab's Ärger mit Verarbeitungsproblemen und Software-Kopfschmerzen. Das Angebot ist riesig, über 3.500 Exemplare stehen im Netz. Das sorgt umso zügiger für ein günstiges Preisniveau. Verhältnismäßig junge Autos mit etwa 20.000 Kilometer durchschnittlicher Laufleistung sind für rund 27.000 Euro zu haben, je nach Zustand und Ausstattungsniveau auch für mehr oder weniger. Hier ist der Unterschied zum Neuwagen so groß, dass auch die Prämie keinen großen Mehrwert im Neuwagenkauf hinterlässt.

Die Masse macht's: Weil so viele Angebote von ID.3 und Co. zu finden sind, duellieren sich die Gebrauchtpreise. So entsteht ein dicker Puffer zum Neupreis.











