Es kommt immer wieder mal vor, dass US-Präsidenten die Autowerke ihres Landes besuchen. Ford hat schon mehrere von ihnen in seinen heiligen Hallen begrüßt. Ob Demokrat oder Republikaner: Seit Bill Clinton waren eigentlich alle Präsidenten mindestens ein Mal in einem Ford-Werk zu Gast. Auch Donald Trump war schon einmal da. Allerdings 2020 auf dem Höhepunkt der Corona-Krise, als in der Rawsonville Components Plant Schutzausrüstung und Ventilatoren produziert wurden, um die Ausbreitung und Folgen der Pandemie einzudämmen.
"Eine andere Art von Truck"
Nun war Trump wieder bei Ford zu Gast, dieses Mal im Stammwerk in Dearborn. Bei diesem Besuch ging es in erster Linie um Autos, und Jim Farley war sichtlich bestrebt, dem Präsidenten das zu erzählen, was er hören wollte. "Wir fügen unserer Palette ein neues Fahrzeug mit Verbrennerantrieb hinzu", sagte der Ford-Konzernchef in Trumps Beisein. "Einen erschwinglichen Pick-up mit Verbrennungsmotor, der in Tennessee gebaut wird." Ford werde dort eines seiner bestehenden Werke erweitern und "eine andere Art von Truck" bauen.
"Das ist es, was diese Politik für Ford bewirkt", ergänzte Farley. Und nahm damit unter anderem Bezug auf die Pläne der aktuellen US-Regierung, das Handelsabkommen USMCA zwischen den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko neu zu verhandeln. Doch auch die derzeitige Zollpolitik der Trump-Administration sowie die Abschaffung der Elektroauto-Förderung und die Aufweichung der Verbrauchsrichtlinien dürften Fords Entscheidung beeinflusst haben.
Zum Pick-up-Modell selbst verriet Farley wenig. Der Pritschenwagen soll ab 2029 im Ford-Werk Blue Oval City in Stanton, Tennessee, produziert werden und zu Preisen ab unter 30.000 Dollar erhältlich sein. Mit dem Maverick (siehe Fotoshow über dem Artikel) hat Ford zwar bereits einen Pick-up im Angebot, der in seiner Basisversion weniger als die genannte Preismarke kostet. Es dürfte sich beim neuen Modell jedoch um einen etwas größeren Vertreter der Pritschen-Fraktion handeln.
Wo ordnet sich der neue Pick-up ein?
Dennoch stellt sich die spannende Frage, an welcher Stelle in Fords Pick-up-Hierarchie sich der Neuling einordnen wird. Schließlich bietet der Konzern in seiner Heimat neben dem Maverick bereits den mittelgroßen Ranger, den Full-Size-Klassiker F-150 sowie die besonders kernigen Super-Duty-Vertreter der F-Serie an. Der rein elektrische F-150 Lightning befindet sich ebenfalls noch im Portfolio – aber nicht mehr lange, denn die Baureihe wird es künftig nur noch in EREV-Spezifikation mit Range-Extender geben.
Farleys Ankündigung steht symbolisch für die neue Ford-Strategie weg von Elektroantrieben und zurück zu Verbrennungsmotoren. Denn der neue Pick-up tritt an die Stelle des betont günstigen Elektro-Pick-ups auf Basis der neuen Universal-EV-Plattform, den Ford erst im vergangenen Sommer angekündigt hatte und der nun doch nicht kommt.
US-Kundschaft will günstige Verbrenner-Pick-ups
Einen neuen erschwinglichen Pick-up mit Verbrennungsmotor einzuführen, scheint auch zu den derzeitigen Markttrends zu passen. Ford konnte nach Angaben des US-Automagazins "Road & Track" seinen Pick-up-Absatz 2025 in den Vereinigten Staaten um 5,4 Prozent steigern. Treiber dieser Entwicklung war jedoch weniger der ewige Bestseller F-150, der im vergangenen Jahr sogar teilweise die Spitze der Zulassungsstatistik abgeben musste. Vielmehr greifen die Kundinnen und Kunden in den USA vermehrt zu kompakteren Pick-up-Modellen wie dem Maverick und Ranger, die jeweils Absatzzuwächse verzeichneten. Ein Trend, der sich auch bei anderen Herstellern beobachten lässt.












