Geely möchte offenbar seine höher positionierten Fahrzeugmodelle künftig auch in Europa produzieren. Ab 2028 sollen dafür Werke von Volvo genutzt werden. Das kündigte der neue Vorsitzende von Geely Automobile, An Conghui, im Rahmen der Präsentation der Halbjahreszahlen an. Im Fokus stehen voraussichtlich Modelle der Marken Zeekr und Lynk & Co.
An Conghui ist erst seit dem 17. August 2026 neuer Vorsitzender von Geely Automobile. Sein Vorgänger Li Shufu, auch bekannt als Eric Li, bleibt allerdings Vorsitzender der übergeordneten Geely Holding. Der Gründer von Geely wies darauf hin, dass die Autoindustrie ein langfristiger "Marathon" sei und eine nachhaltige Unternehmensführung rechtzeitige Nachfolgepläne erfordere. Der neue Geely-Chef An Conghui bringt dafür als langjähriger Geely-Insider reichlich operative Erfahrung mit. Er soll nun unter anderem die Zusammenarbeit innerhalb des Geely-Konzerns intensivieren und die internationale Expansion vorantreiben.
Volvo-Werke als Basis für Europa-Produktion
Bei der europäischen Expansion kommt den Volvo-Standorten eine wichtige Rolle zu. Nach Angaben des neuen Geely-Chefs sollen europäische Volvo-Werke künftig als Produktionsbasis für höherpreisige Fahrzeuge aus dem Geely-Konzern dienen. Der Start der Serienproduktion ist für 2028 vorgesehen. Welche Modelle konkret in Europa vom Band laufen werden, ist noch nicht bestätigt. Naheliegend sind jedoch Fahrzeuge von Zeekr und Lynk & Co. Während Lynk & Co. als höher positionierte Marke mit Fokus auf jüngere Käufer gilt, ist Zeekr innerhalb des Konzerns als Premiummarke für Elektro- und elektrifizierte Fahrzeuge positioniert.
Als mögliche Kandidaten kommen deshalb unter anderem der Lynk & Co 900 sowie die Zeekr 9X und 8X infrage. Bei allen drei handelt es sich um große SUV beziehungsweise Crossover, die sich aufgrund ihrer Positionierung für eine lokale Fertigung in Europa eignen könnten. Ob tatsächlich eines dieser Modelle für die Produktion in Europa ausgewählt wird, ist allerdings offen.
Drei Volvo-Standorte kommen infrage
Geely könnte dabei auf mehrere europäische Produktionsstätten zurückgreifen. Volvo Cars betreibt Fahrzeugwerke im schwedischen Torslanda und im belgischen Gent. Zusätzlich entsteht derzeit im slowakischen Košice ein neues Werk, das Anfang 2027 die Serienproduktion aufnehmen soll. Damit stehen dem Geely-Konzern perspektivisch drei Standorte zur Verfügung.
Die Nutzung bestehender Volvo-Kapazitäten würde Geely einen vergleichsweise schnellen Einstieg in die lokale Produktion ermöglichen. Gleichzeitig könnten dadurch Importzölle und andere Handelsbarrieren reduziert sowie Lieferketten für den europäischen Markt verkürzt werden. Auch außerhalb der Volvo-Werke baut Geely seine europäische Produktionsbasis aus. Gemeinsam mit Ford soll in Spanien künftig ebenfalls produziert werden. Dort ist ab 2028 die Fertigung von zwei Geely-Modellen vorgesehen.
Geely baut europäische Präsenz aus
Die geplante Produktion ist Teil der zunehmenden Internationalisierung des chinesischen Konzerns. Geely Holding kam im ersten Halbjahr 2026 auf einen weltweiten Marktanteil von 4,6 Prozent und belegte damit Platz sieben unter den größten Automobilkonzernen. Mit der lokalen Fertigung höherpreisiger Modelle könnte Geely seine Marken Zeekr und Lynk & Co. in Europa stärker etablieren. Vor allem für Zeekr bietet die Produktion vor Ort die Möglichkeit, das Angebot auf dem europäischen Markt auszubauen, ohne ausschließlich auf den Import aus China angewiesen zu sein.





