Günstiges Bio-Benzin: EU will E20 einführen

Günstiges Bio-Benzin
EU will E20 einführen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 23.04.2026
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E20
Foto: acilo via Getty Images; Retusche: Wittich

Hintergrund ist eine Anpassung der Kraftstoffqualitätsrichtlinie, die aktuell einen maximalen Ethanolanteil von zehn Prozent (als E10-Kraftstoff) vorsieht. Damit greift die Kommission eine politische Initiative aus dem Europäischen Parlament auf, die bereits seit 2025 auf eine schnellere Markteinführung drängt.

Auslöser der aktuellen Entwicklung ist ein Schreiben von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen an mehrere Europaabgeordnete, das www.auto-motor-und.sport.de vorliegt. Darin heißt es wörtlich, die Kommission werde "eine Zulassung von höheren Ethanolgehalten (E20) in Betracht ziehen", zugleich aber Fragen zur Motorverträglichkeit im Bestand und zu Investitionsanreizen für fortschrittliche Biokraftstoffe prüfen. Damit bestätigt die Kommission erstmals offiziell, dass E20 Teil künftiger Regulierung werden könnte. Weiter heißt es im Brief der Kommissionspräsidentin: "Mehrere weitere Politikinstrumente unterstützen bereits den Aufbau einer nachhaltigen Wertschöpfungskette für erneuerbare Kraftstoffe, da diese auch künftig eine Rolle bei der Dekarbonisierung des Verkehrs spielen werden."

Schnelle Einführung ein wichtiges Signal

Bereits im Juni 2025 hatten die CDU-Europaabgeordneten Peter Liese, Jens Gieseke und Norbert Lins eine beschleunigte Einführung gefordert. In ihrem damaligen Schreiben argumentierten sie mit dem weiterhin hohen Anteil von Verbrennerfahrzeugen in Europa und dem vergleichsweise langsamen Hochlauf der Elektromobilität.

Wörtlich hieß es, eine schnellere Einführung sei "ein wichtiges Signal", um kurzfristig CO₂-Einsparungen im Bestand zu ermöglichen.

Politische Unterstützung wächst

Innerhalb der Europäischen Volkspartei wird die neue Entwicklung als Fortschritt bewertet. Peter Liese (CDU) umwelt- und klimapolitischer Sprecher der EVP-Fraktion sagt: "Aus umweltpolitischer Sicht ist klar: E20 in Kombination mit Bio-Naphta oder anderen nachhaltigen Komponenten kann den CO₂-Ausstoß von Bestandsfahrzeugen um knapp 40 Prozent senken. Biokraftstoffe sind außerdem der Billigmacher beim Sprit. Dies passiert sofort und ohne neue Infrastruktur. Das ist ein konkreter Klimaschutzbeitrag, der Millionen von Europäerinnen und Europäern direkt betrifft.

Die Ankündigung der Kommission ist ein sehr gutes Zeichen. Wir erwarten, dass die Kommission bei der anstehenden Revision der Erneuerbare-Energien-Richtlinie Ende 2026 und der Kraftstoffqualitätsrichtlinie die Ankündigung umsetzt."

Der verkehrspolitischer Sprecher der EVP-Fraktion Jens Gieseke (CDU) erklärt: "Nachhaltige Biokraftstoffe sind ein unverzichtbares Instrument, um den Verkehrssektor schnell und sozialverträglich zu dekarbonisieren." Hersteller wie BMW, VW und Mercedes haben neuere Motoren seit einigen Jahren freigegeben.

Norbert Lins (CDU), stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, verweist zudem auf wirtschaftliche Effekte und sagte: Die Antwort von Frau von der Leyen ist ein erster Schritt in die richtige Richtung: Die Kommission erkennt an, dass höhere Biokraftstoffbeimischungen wie E20 einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung der Bestandsflotte leisten können".

Was kann E20 und wo gibt es das?

E20 ist ein Ottokraftstoff mit zwanzig Prozent Bioethanolanteil. Gegenüber klassischem Benzin kann sich die CO₂-Bilanz rechnerisch verbessern, da der biogene Anteil nicht vollständig in die CO₂-Bepreisung einfließt. Gleichzeitig steigt aufgrund des geringeren Energiegehalts von Ethanol der Verbrauch leicht an. Der Preis dürfte nach Expertenschätzung niedriger als E10 sein.

Bereits heute existieren Pilotprojekte, unter anderem in Mannheim, bei denen E20 im Flottenbetrieb getestet wird. Eine breite Markteinführung ist bislang jedoch an regulatorische Vorgaben gebunden. Nach bisherigem Stand galt ein Zeitraum ab 2027 oder 2028 als realistisch. Die aktuelle Initiative der EU könnte diesen Zeitplan verändern.

Kritik und offene Fragen

Umwelt- und Verkehrsverbände äußern weiterhin Kritik an einer stärkeren Nutzung von Biokraftstoffen. Sie verweisen auf mögliche Nutzungskonflikte bei landwirtschaftlichen Flächen sowie auf Unterschiede in der tatsächlichen CO₂-Bilanz je nach Herkunft der Rohstoffe.

Auch die technische Verträglichkeit im Fahrzeugbestand bleibt ein zentraler Punkt. Während neuere Fahrzeuge vorbereitet sind, ist für ältere Modelle eine Nutzung nur mit ausdrücklicher Herstellerfreigabe vorgesehen. Die EU-Kommission nennt diesen Aspekt ausdrücklich als Prüfpunkt im weiteren Verfahren.

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