HVO100 ohne Freigabe: Droht Garantieverlust?

HVO100 und die rechtlichen Risiken für Dieselbesitzer
HVO100 ohne Freigabe: Was Dieselbesitzer wissen müssen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 22.01.2026
Als Favorit speichern
12/2024 BMW Produktion HVO Diesel Erstbetankung
Foto: BMW

Was ist HVO100?

HVO100 steht für Hydrotreated Vegetable Oil, ein synthetischer Dieselkraftstoff, der aus Abfallstoffen wie Altspeiseöl oder tierischen Fetten hergestellt wird. Im Vergleich zu herkömmlichem Diesel bietet HVO100 zahlreiche Vorteile: Es ist schwefelfrei, aromatenfrei und reduziert die CO₂-Emissionen um bis zu 90 Prozent. Zudem sorgt die höhere Cetanzahl für eine effizientere und sauberere Verbrennung. Doch trotz dieser Vorteile ist HVO100 nicht für alle Dieselfahrzeuge geeignet.

Technische Herausforderungen

Die chemische Zusammensetzung von HVO100 unterscheidet sich deutlich von herkömmlichem Diesel. Während fossiler Diesel Aromaten enthält, die Gummidichtungen leicht aufquellen lassen, ist HVO100 aromatenfrei. Dies kann bei älteren Fahrzeugen mit hohen Laufleistungen zu Schrumpfungen der Dichtungen führen, was wiederum Undichtigkeiten an Hochdruckpumpen oder Rücklaufleitungen verursachen kann. Ein weiteres Problem ist die geringere Dichte von HVO100, die von älteren Motorsteuerungen nicht immer korrekt erkannt wird. Dies kann zu Fehlermeldungen und einer eingeschränkten Motorleistung führen.

Rechtliche Risiken

Die Nutzung von HVO100 ohne Herstellerfreigabe birgt erhebliche rechtliche Risiken. Laut Volkswagen und Audi erlischt die Garantie und jede Aussicht auf Kulanz, wenn ein Fahrzeug ohne Freigabe mit HVO100 betrieben wird. Dies liegt daran, dass der Kraftstoff nicht der vorgeschriebenen Norm DIN EN 590 entspricht. Hersteller wie BMW und Mercedes-Benz betonen ebenfalls, dass ohne eine explizite Freigabe keine Gewährleistung übernommen wird. Dies stellt Fahrzeugbesitzer vor ein Dilemma: Sollten sie den umweltfreundlichen Kraftstoff nutzen und dabei das Risiko eines Garantieverlusts eingehen?

Herstellerfreigaben im Überblick

Einige Hersteller haben bereits Schritte unternommen, um HVO100 für bestimmte Modelle freizugeben. Volkswagen hat beispielsweise alle Modelle mit 3- und 4-Zylinder-Dieselmotoren (EA288/EA288evo) ab dem Modelljahr 2015 für HVO100 freigegeben. Audi hat die Freigabe für viele V6-Dieselmotoren bis 210 kW (286 PS) erteilt, die seit Mitte 2022 produziert werden. Mercedes-Benz hingegen hat die Freigabe für den weit verbreiteten OM 651-Motor bisher verweigert, während der Nachfolger OM 654 ab Ende 2020 HVO100-tauglich ist. BMW verfolgt eine ähnliche Linie und hat die Freigabe für ältere N47- und N57-Motoren ausgeschlossen.

Was Autofahrer beachten sollten

Autofahrer, die HVO100 tanken möchten, sollten zunächst prüfen, ob ihr Fahrzeug für diesen Kraftstoff freigegeben ist. Dies kann in der Betriebsanleitung, auf der Hersteller-Website oder durch einen Anruf beim Händler erfolgen. Fahrzeuge, die ab Werk für HVO100 freigegeben sind, tragen oft einen "XTL"-Aufkleber in der Tankklappe. Ohne eine solche Freigabe sollten Autofahrer den Kraftstoff nur mit äußerster Vorsicht verwenden, da im Schadensfall keine Garantie oder Kulanzansprüche geltend gemacht werden können.

Fazit

HVO100 bietet zweifellos ökologische Vorteile und könnte einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung von CO₂-Emissionen leisten. Doch die Nutzung dieses Kraftstoffs ist nicht ohne Risiken. Ohne eine offizielle Freigabe durch den Hersteller drohen nicht nur technische Probleme, sondern auch der Verlust von Garantie und Kulanz. Autofahrer sollten daher sorgfältig abwägen, ob sie HVO100 tanken möchten, und sich im Zweifelsfall an ihren Händler oder die Hersteller-FAQ wenden.

Fazit