Gordon Murray wird im kommenden Sommer 80 Jahre alt. Nicht nur aufgrund seines Alters ist der Südafrikaner für seine manchmal eher altmodischen Sichtweisen bekannt. Zudem hat Murray in seiner langen Karriere fast ausschließlich Renn- und Sportwagen konstruiert. Daher ist es logisch, dass er besonders das Thema Leichtbau im Fokus hat, wenn er das Konzept für ein Auto entwickelt. Die von seiner eigenen Firma Gordon Murray Automotive hergestellten Boliden T.50 (siehe Fotoshow) und T.33 (siehe Video) wiegen folgerichtig jeweils nur etwa eine Tonne.
Aktueller VW Golf zu groß und zu schwer
Und so überrascht es nicht, dass Murray von modernen Autos nicht besonders viel hält. Verkürzt gesagt: Er hält sie für zu groß, zu schwer und zu schlecht designt. Das ist zumindest die Essenz eines Interviews, das er kürzlich dem Online-Magazin "Carbuzz" gegeben hat. Und darin bekommt insbesondere die deutsche Auto-Ikone VW Golf viel Kritik ab.
"Wenn man sich die Entwicklung einiger bekannter Kultfahrzeuge ansieht, wie zum Beispiel den VW Golf, dann wog die erste Generation etwa 800 Kilogramm", sagt Murray und ergänzt: "Das neue Modell ist überall 25 Prozent größer und wahrscheinlich 50 Prozent schwerer. Das macht es aber nicht zu einem besseren Auto."
Der Golf steht für Murray jedoch nur exemplarisch für die generelle Entwicklung im Automobilbau. "So viele Autos werden immer größer und größer, bieten aber immer weniger Platz im Innenraum", so die Konstrukteurs-Legende, deren wichtigstes und bekanntestes Straßenauto der McLaren F1 aus den Neunzigerjahren ist. "Heute werden die meisten Unternehmen von Marketing-Leuten und Buchhaltern geführt, und aus irgendeinem Grund glauben sie, dass jedes neue Auto größer sein muss."
"Das sieht cool aus, ist aber kein gutes Design"
Das Hauptmanko bei den heutigen Autodesigns liege an coupéartigen Dachlinien. Viele tolle Autos hätten "eine massiv abgeschrägte Heckscheibe, was bedeutet, dass man praktisch keinen Kofferraum und nur begrenzte Kopffreiheit auf den Rücksitzen" habe. Das sehe zwar cool aus, sei jedoch eigentlich kein gutes Design.
Neben dem Design geht es Gordon Murray speziell um das "Packaging". Hier werde sich heute nicht mehr um die Details gekümmert, was zu einer Flut von Autos führe, die räumlich und technisch ineffizient seien. Die Lösung aus seiner Sicht: die Rückkehr zu einem "ingenieursorientierten Fahrzeug-Design".
Mercedes A-Klasse mit vorbildhaften Packaging
Als Paradebeispiel für diese These nennt Murray wiederum ein deutsches Auto – ausgerechnet die erste Generation der Mercedes A-Klasse, die unter anderem aufgrund ihrer frühen Elchtest-Eskapaden nicht gerade den besten Ruf genießt. "Meine Frau besaß bis heute drei Exemplare der ursprünglichen A-Klasse", sagt Murray. "Ein 3,70 Meter langes Auto mit fast so viel Platz im Innenraum wie ein Range Rover – so etwas beeindruckt mich!"
Für einen Autohersteller hat Gordon Murray dann aber doch noch Lob übrig – auch für dessen aktuelle Herangehensweise. "Ich denke, das einzige Unternehmen, das sich wirklich auf echte Leichtbauweise konzentriert und nicht nur Lippenbekenntnisse abgibt, ist Mazda." Er glaube, dass die Japaner wirklich versuchen, Autos zu bauen, die ein bisschen anders sind. "Das haben sie schon immer getan, und ich muss sagen, dass sie im Allgemeinen ziemlich gut aussehen."












