Der riesige Autokonzern Stellantis mit seinen 14 Marken steht offenbar vor einem grundlegenden Strategiewechsel. Während bei der Gründung im Jahr 2021 noch versprochen wurde, alle Automarken gleichwertig zu fördern, deutet sich nun unter der Führung von Antonio Filosa eine klare Neuausrichtung an: Vier sogenannte Kernmarken sollen künftig im Mittelpunkt stehen.
Vom Gleichgewicht zur Priorisierung
Als Carlos Tavares den Zusammenschluss von PSA Group und Fiat Chrysler Automobiles orchestrierte, galt ein zentrales Versprechen: Keine Marke werde aufgegeben, alle sollten langfristig finanziell abgesichert werden. Fünf Jahre später klingt das deutlich anders. Zwar betont der Stellantis-Konzern weiterhin, dass keine der 14 Marken eingestellt werden soll – doch intern zeichnet sich eine klare Hierarchie ab.
Künftig sollen vor allem vier volumenstarke Marken massiv profitieren: Jeep, Ram, Peugeot und Fiat. Diese sogenannten "Core Four" (auf deutsch: vier Kernmarken) gelten als tragende Säulen des Konzerns. Während Jeep und Ram in Nordamerika hohe Gewinne einfahren, sichern Peugeot und Fiat wichtige Marktanteile in Europa und Lateinamerika.
Angesichts wachsender Konkurrenz – insbesondere durch chinesische Hersteller – und einer sich abschwächenden Dynamik im Elektroautomarkt will Stellantis seine Ressourcen gezielt bündeln. Mehr Investitionen, neue Modelle und technologische Entwicklungen sollen vor allem diesen vier Marken zugutekommen.
Die übrigen Marken: Regional statt global
Für die anderen zehn Marken – darunter Alfa Romeo, Opel und Citroën – bedeutet das jedoch keinen sofortigen Kahlschlag. Stattdessen sollen sie künftig stärker regional ausgerichtet werden. Neue Modelle werden voraussichtlich auf Plattformen und Technologien der Kernmarken basieren. Das spart Kosten, führt aber zu mehr sogenanntem Badge Engineering: unterschiedliche Designs bei identischer Technik. In Einzelfällen könnten Fahrzeuge je nach Markt sogar nur durch ein anderes Logo unterschieden werden.
Auffällig ist auch das Fehlen traditionsreicher US-Marken wie Chrysler und Dodge in der Prioritätenliste. Chrysler kämpft seit Jahren mit einem ausgedünnten Portfolio und hängt derzeit stark vom Minivan Pacifica ab. Zwar gibt es Signale für einen Neustart, doch ohne größere Investitionen bleibt die Zukunft ungewiss. Dodge hingegen scheint zumindest regional abgesichert: Eine Investition von rund 130 Millionen Dollar in ein Werk in Detroit soll die nächste Generation des Durango ermöglichen.
Kleine Marken haben es schwer
Für kleinere Marken wie Lancia oder DS Automobiles könnte die neue Strategie einer existienziellen "Bewährungsphase" gleichkommen. Statt globaler Expansion könnten sie sich nur noch auf einzelne Märkte oder gar Segmente beschränken. Ein kompletter Markenabbau wäre dagegen wohl teurer und könnte wertvolle Tradition vernichten.





