Soziale E-Auto-Förderung: Statistik gibt der Bundesregierung recht

Kaum E-Autos in einkommensschwachen Haushalten
Hat die Regierung doch recht?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 22.01.2026
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Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) verwies bei der Vorstellung der neuen E-Auto-Prämie immer wieder auf die soziale Komponente des Konzepts mit dem Codenamen "E-Auto-Booster". Um diese zu gewährleisten, dreht die Bundesregierung die bisherige, zum Jahresende 2023 kurzfristig abgeblasene Förderlogik um. Es gibt nun keine Höchstgrenzen bei den Preisen der förderfähigen Elektro- und Plug-in-Hybrid-Modellen mehr. Dafür kommen nur Haushalte in den Genuss der staatlichen Kaufprämie, deren Einkommen gewisse Grenzen unterschreitet.

Das sind die Einkommens-Höchstgrenzen

Für Menschen, die von der neuen E-Auto-Förderprämie profitieren möchten, liegt die absolute Höchstgrenze bei einem zu versteuernden Haushaltseinkommen von 90.000 Euro pro Jahr. Und das auch nur dann, wenn zwei Kinder unter 18 Jahren im Haushalt leben. Kinderlose Haushalte dürfen jährlich im Höchstfall 80.000 Euro verdienen, erhalten jedoch nur einen Zuschuss von bis zu 4.000 Euro. Die höchstmögliche Fördersumme von 6.000 Euro bekommt nur, wer über ein zu versteuerndes Haushaltseinkommen von maximal 45.000 Euro im Jahr verfügt, zwei Kinder unter 18 Jahren hat und ein reines Elektroauto kauft. (Mehr zu den Einkommensgrenzen erfahren Sie hier.)

Zum Vergleich: Der Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) zufolge lag das durchschnittliche Bruttoeinkommen der privaten Haushalte in Deutschland im Jahr 2022 bei 62.485 Euro. Haushalte mit Kind(ern) nahmen demnach im Schnitt 90.905 Euro ein, während kinderlose Haushalte mit einem Bruttoeinkommen von 53.669 Euro wirtschaften mussten. Die soziale Staffelung der neuen E-Auto-Prämie scheint also ganz gut zu diesen Zahlen zu passen.

Kaum E-Autos in einkommensschwachen Haushalten

Und sie scheint auch dringend nötig zu sein, wenn Schneider seinen Worten Taten folgen lassen und mit diesem Förderprogramm etwas für jene Haushalte tun möchte, "die sich ohne Unterstützung noch kein Elektroauto leisten konnten". Denn laut Statistischem Bundesamt (Destatis) sind E-Autos oder Plug-in-Hybride bei Menschen im niedrigen Einkommensspektrum besonders selten verbreitet. Demnach besaßen lediglich 1,3 Prozent der Haushalte mit einem monatlichen Haushalts-Nettoeinkommen unter 2.600 Euro (oder 31.200 Euro im Jahr) mindestens ein E-Auto oder einen Plug-in-Hybrid. Geht man vom von der BPB genannten Brutto-zu-Netto-Verhältnis von durchschnittlich 70 Prozent aus, ergibt sich für diese Haushalte ein zu versteuerndes Jahreseinkommen von knapp 44.600 Euro – sicher nicht ganz zufällig ziemlich genau die Untergrenze im E-Auto-Förderkonzept.

Statistik Elektroautos und Plug-in-Hybride in Abhängigkeit vom Netto-Haushaltseinkommen
Statistisches Bundesamt (Destatis)

Steigt das Haushalts-Nettoeinkommen auf 2.600 bis 3.600 Euro pro Monat (im Jahr 31.200 bis 43.200 Euro netto beziehungsweise 44.600 bis 61.700 Euro brutto), wächst der E-Auto-Anteil bereits auf 3,5 Prozent. Dass E-Autos bisher vor allem ein Thema für finanzstarke Haushalte sind, verdeutlicht ein Blick auf die Einkommensgruppe von 5.000 Euro netto oder mehr pro Monat (60.000 Euro netto oder 85.700 Euro brutto im Jahr). Hier beträgt der E-Auto- oder PHEV-Anteil bereits satte 13,4 Prozent.

Insgesamt weniger Autos in einkommensschwachen Haushalten

Allerdings bedürfen diese Zahlen einer Einordnung. Erstens stammen sie aus dem Jahr 2023, da es für Deutschland derzeit noch keine aktuelleren Einkommens-Statistiken gibt. Andererseits war es ein gutes Jahr für die Elektromobilität. 2023 wurden in Deutschland laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) insgesamt 524.219 Elektro-Pkw (BEV) neu zugelassen, was im Vergleich zum Vorjahr einem Plus von 11,4 Prozent entsprach. Wie sehr dieser Anstieg von der damals noch existierenden und kurz vor Weihnachten 2023 abgeschafften (alten) E-Auto-Förderung getrieben wurde, zeigt der Einbruch im Folgejahr. 2024 wurden nur noch 380.609 BEV neu zugelassen – ein Rückgang von satten 27,4 Prozent.

Zur Wahrheit gehört außerdem, dass in eher einkommensschwachen Haushalten insgesamt weniger Autos existieren – also auch solche mit Verbrennerantrieben. Liegt das Nettoeinkommen pro Monat unter 2.600 Euro, nutzen nur 59 Prozent dieser Haushalte ein eigenes Auto (unabhängig vom Antrieb). In einem 5.000-Euro-und-mehr-Haushalt liegt die Quote dagegen bei 95 Prozent. Allerdings liegen die Einkommensgruppen bei Verbrennern in Relation deutlich enger zusammen als bei E-Modellen und Plug-in-Hybriden.

E-Autos als Neuwagen und für Paare mit Kindern

Ebenfalls interessant: Paare mit Kindern fahren deutlich häufiger (teil)elektrisch – 11,5 Prozent – als Paare ohne Kind (7,5 Prozent) oder Singles (2,2 Prozent). Am häufigsten greifen Paare mit zwei Kindern zum E-Auto oder Plug-in-Hybriden (12,6 Prozent). Elektrifizierte Autos werden zudem vorwiegend als Neuwagen gekauft (48,5 Prozent) oder geleast (45,2 Prozent). Auch hier scheint die Bundesregierung mit ihrem Förderkonzept, das Gebrauchtwagen vorerst ausschließt, trotz aller Kritik also auf der richtigen Spur zu sein – zumindest statistisch betrachtet.

Hinweis: In der Fotoshow über dem Artikel präsentieren wir Ihnen Deutschlands meistverkaufte E-Autos des Jahres 2025.

Fazit