In Zeiten explodierender Werkstatt- und Ersatzteilkosten ist das eine ausgesprochen gute Nachricht: Stellantis macht ein riesiges Angebot gebrauchter Ersatzteile für die Allgemeinheit zugänglich und nutzt dafür erstmals in größerem Stil den Online-Marktplatz eBay. Über neu eröffnete Shops der Stellantis-Sparte Sustainera werden seit Anfang April Komponenten angeboten, die aus dem konzerneigenen Demontagezentrum im Turiner Werk Mirafiori stammen. Das Angebot richtet sich sowohl an Privatkunden als auch an freie Werkstätten. Aktiv sind die Shops zunächst in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien, eine Ausweitung auf weitere europäische Märkte ist angekündigt.
Bis zu 70 Prozent günstiger
Für Endkunden bedeutet das vor allem einen direkteren Zugang zu Teilen, die bislang häufig nur über klassische Autoverwertungen und Gebrauchtteilehändler zu bekommen waren. Stellantis spricht von mehr als 20.000 verfügbaren Komponenten aus Mirafiori. Angeboten werden Karosserieteile, Motoren und Getriebe, Elektronik, Innenraumteile sowie Räder und Anbauteile. Die Preise sollen je nach Bauteil bis zu 70 Prozent unter dem Niveau entsprechender Neuteile liegen.
Mit Garantie
Entscheidend ist dabei der Unterschied zum üblichen Gebrauchtteilemarkt. Die Teile stammen direkt aus der im industriellen Maßstab durchgeführten Demontage des Herstellers, wo logischerweise die größte Expertise für Ausbau und Diagnose von Einzelteilen der Konzernmarken besteht. Die Gebrauchtteile werden dabei überprüft und gereinigt. Besonders reizvoll ist dabei die Garantie von einem Jahr auf die Teile und Aggregate, die Stellantis gewährt. Gerade bei kostenintensiven Ersatzteilen kann das für Besitzer älterer Fahrzeuge wirtschaftlich interessant sein.

Ein Getriebe für den Alfa Romeo Stelvio für 541 Euro – angesichts der Preise für ein neues Austausch-Aggregat ein echter Schnapper.
Das Teile-Angebot umfasst dabei alle Stellantis-Marken wie Jeep, Fiat, Opel oder Peugeot. Dem Standort in Turin entsprechend ist das Angebot an Teilen für die italienischen Marken Alfa Romeo, Fiat, Lancia sowie die in Italien gebauten Jeep-Modelle am größten. Ebenfalls interessant ist die Verfügbarkeit von Teilen auch älterer Modelle. So ist beispielsweise ein Getriebe für einen 1998er-Peugeot 206 (256 Euro) ebenso im Angebot wie ein Austauschmotor für einen 1995er-Fiat Punto (581 Euro). Aber auch praktisch fabrikneue Teile sind verfügbar, wie ein erst 15 Kilometer gelaufener Zweiliter-Diesel für den Jeep Renegade für 3.115 Euro.
Vom Anlasser bis zum Austauschmotor
Generell verkauft Stellantis Sustainera praktisch alle Teile, die auch klassische Verwerter im Angebot haben. Aktuell günstigstes Teil ist ein Anlasser für den Citroën C1 (45 Euro), teuerste Offerte momentan ein neuer Tauschmotor für den Alfa Romeo Tonale 1.3 Plug-in-Hybrid Q4, 3.900 Euro soll das gute Stück kosten. Der Clou dabei: Es handelt sich um einen Komplettmotor mit allen Aggregaten inklusive Turbolader, nicht nur um einen nackten Rumpfmotor.
Wer selbst in den Angeboten stöbern möchte: Hier findet sich das Stellantis-Angebot bei eBay für Deutschland.
Recycling-Abteilung Sustainera
Hinter dem eBay-Start steht die Stellantis-Abteilung Sustainera. Unter dieser Marke bündelt Stellantis die sogenannte 4R-Ausrichtung: Reman, Repair, Reuse und Recycle, also Wiederaufbereitung, Reparatur, Wiederverwendung und Recycling. Das Geschäft in diesem Bereich legte 2025 konzernweit um 51 Prozent zu.
Parallel baut Stellantis sein Netz eigener Demontagezentren aus. Das erste Zentrum entstand 2024 in Turin, ein zweites nahm im August 2025 in Osasco bei São Paulo den Betrieb auf. Dort können bis zu 8.000 Fahrzeuge pro Jahr zerlegt werden. Nun kündigt der Konzern ein drittes Zentrum in einer neuen Region an, nennt den Standort aber noch nicht. Allerdings spricht vieles dafür, dass das nächste Demontagezentrum in den USA, Kanada oder Mexiko entstehen dürfte.
Zusätzlich meldet Stellantis ein starkes Wachstum im Recycling-Bereich. In Italien wurden 2025 unter anderem mehr als 28.600 Motoren wiederaufbereitet. Beachtlich ist auch eine andere Zahl: Für sogenannte "Second-Life-Anwendungen" wie stationäre Stromspeicher verkaufte Hochvoltbatterien aus Elektroautos erreichten ein Volumen von 123.000 kWh, das entspricht mehreren Tausend Elektroauto-Akkus, die ein zweites Leben bekamen.





