US-Präsident Donald Trump ist immer für einen spektakulären Auftritt gut. Diesmal reagiert er vulgär auf die Beschimpfung eines Arbeiters in einer Ford-Produktionsstätte, die er eigentlich besucht hat, um der US-Autoindustrie seine Unterstützung zu versichern. Medien berichten, bei einer Führung durch eine der Produktionshallen habe der Arbeiter TJ Sabula (40) den Präsidenten verbal angegangen. Offenbar beleidigte Sabula den Präsidenten als "pedophile protector" (deutsch etwa: "Beschützer von Pädophilen"). Der genaue Wortlaut ist in einem entsprechenden Video nur schwer zu verstehen.
Trump zückt Mittelfinger
Der Ausschnitt zeigt einen offensichtlich verärgerten Präsidenten. Trump soll "Fuck you!" entgegnet haben und dem Arbeiter anschließend den Mittelfinger gezeigt haben und weitergegangen sein – dann winkt er wieder in die Menge. Seine Lippenbewegungen scheinen zu den Worten zu passen, die Geste ist auch in der Entfernung gut zu erkennen.
125.000 Dollar Spenden
Sabula Ausruf bezieht sich offensichtlicher auf den Umgang der Trump-Regierung mit den Ermittlungen gegen den 2019 im Gefängnis verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Die anfängliche Zurückhaltung bei der Freigabe von Unterlagen befeuerte Spekulationen über eine mögliche belastende Erwähnung in den sogenannten "Epstein-Files". Auch die Veröffentlichung der Akten selbst steht in der Kritik: Sie gehe nur schleppend voran, liefere zu wenige Details und sei nicht ausreichend transparent. Gerade Trump-Anhänger verübeln das dem Präsidenten, weil die lückenlose Aufklärung der Causa Epstein zentrales Wahlversprechen von Donald Trump war.
Steven Cheung (43), Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses, äußerte sich deutlich gegenüber US-Meiden zum Ford-Eklat und sagte, dass "... ein Wahnsinniger in einem Anfall von Wut wild Schimpfwörter geschrien und der Präsident angemessen und unmissverständlich reagiert habe".
Wie Detroit News berichtet, ist der Arbeiter bis zum Abschluss von Ermittlungen vom Dienst suspendiert. Gegenüber der Washington Post betonte Sabula, dass er nichts bereue, sich aber Sorgen um seine berufliche Zukunft mache, da er Trump "... vor seinen Freunden bloßgestellt habe". Sabula weist darauf hin, dass er hin und wieder Republikaner, aber nie Trump unterstützt habe. Als Reaktion auf die Suspendierung erstellte ein Mann aus South Carolina jetzt eine Spendenaktion, die binnen weniger Stunden 125.000 Dollar (107.000 Euro) einbrachte.

Ford-Chef Jim Farley (rechts) hat US-Präsident Donald Trump während dessen Besuchs den Bau eines neuen günstigen Verbrenner-Pick-ups angekündigt.
Beleidigung oder Meinungsäußerung
Ford-Sprecher Dave Tovar freute sich gegenüber Detroit News, dass man, abgesehen von diesem einen Vorfall, "… stolz darauf sei, wie die Mitarbeiter Ford repräsentiert haben". "Respekt gehört zu unseren Kernwerten, und wir dulden keinerlei unangemessene Äußerungen in unseren Einrichtungen", erklärte Tovar in einer Stellungnahme. "Wenn so etwas vorkommt, haben wir ein festgelegtes Verfahren, um damit umzugehen, aber wir mischen uns nicht in Personalangelegenheiten ein."
Die US-Abgeordnete Rashida Tlaib (Demokratin aus Detroit) erklärte am Dienstag gegenüber Michigan Advance, dass die Autobauer-Gewerkschaft UAW (United Auto Workers) ihr mitgeteilt habe, Sabula müsse mit Disziplinarmaßnahmen rechnen. Sie betont, dass Ford-Angestellte auch Barack Obama während seiner Präsidentschaft bei Werkbesuchen massiv beleidigt hätten – diese hätten das Unternehmen dann aber nicht gefeuert. Auch die US-Abgeordnete Debbie Dingell (Demokratin aus Ann Arbor) berichtete Michigan Advance, dass sie Ford nach Sabulas Beschäftigungsstatus nach dessen Äußerung gefragt habe und ob eine Untersuchung bezüglich einer möglichen Verletzung seiner Rechte auf freie Meinungsäußerung stattfinde. "Der UAW-Arbeiter hat sein Recht auf freie Meinungsäußerung wahrgenommen, und ich stelle Fragen dazu, was passiert ist", sagte Dingell laut der Nachrichtenseite.
Günstiger Verbrenner-Pick-up angekündigt
Während der Tour begleiteten Bill Ford, Enkel von Henry Ford, sowie Jim Farley, Präsident und CEO des Unternehmens, Trump. Als einen Höhepunkt stellte Farley dem Präsidenten die Einführung eines günstigen Verbrenner-Pick-up-Modells in Aussicht. Trump besichtigte das Werk und hielt anschließend eine Rede vor dem Detroit Economic Club. An verschiedenen Punkten des Rundgangs jubelten Ford-Mitarbeiter dem Präsidenten zu und machten Selfies mit ihm.





