Deutschland will mit einem technologieoffenen Ansatz in die Verhandlungen gehen. Das erklärte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Montag (13.4.2026) auf einer Pressekonferenz in Berlin.
Kern der Position ist eine mögliche Lockerung der bisherigen EU-Vorgaben. Statt eines vollständigen Verbots ab 2035 könnten Verbrenner unter bestimmten Bedingungen weiter zugelassen werden. Voraussetzung wäre, dass sie deutlich geringere CO₂-Emissionen verursachen.
Die Einigung beendet einen offenen Konflikt innerhalb der Bundesregierung. Union und SPD hatten die Vorschläge aus Brüssel zuvor unterschiedlich bewertet. Eine Enthaltung Deutschlands bei der Abstimmung galt zeitweise als möglich.
Deutschland fordert Anerkennung alternativer Kraftstoffe
Ausgangspunkt der aktuellen Verhandlungen ist ein Vorschlag der EU-Kommission aus dem Dezember. Dieser sieht vor, die bisherigen CO₂-Vorgaben anzupassen. Fahrzeuge könnten auch nach 2035 zugelassen werden, wenn sie ihre Emissionen deutlich senken. Genannt wird eine Reduktion um bis zu 90 Prozent im Vergleich zum Jahr 2021.
Die Bundesregierung will darüber hinausgehen. Fahrzeuge, die ausschließlich mit synthetischen oder biogenen Kraftstoffen betrieben werden, sollen als emissionsfrei gelten können. Damit würde der Verbrennungsmotor auch langfristig Teil des Angebots bleiben.
Auch Vize-Kanzler und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) betonte, dass neben dem Ausbau der Elektromobilität weitere Lösungen notwendig seien.
Rolle von Plug-in-Hybriden bleibt umstritten
Ein weiterer Streitpunkt sind Plug-in-Hybride. Die Bundesregierung spricht sich dafür aus, diese Fahrzeuge weiterhin in die Klimaregeln einzubeziehen. Gleichzeitig soll eine geplante Verschärfung der Berechnungsgrundlagen ab 2027 ausgesetzt werden.
Markus Söder (CSU), Ministerpräsident des Freistaats Bayern, sieht in strengeren Vorgaben Risiken für den Industriestandort Deutschland. Er warnt vor Wettbewerbsnachteilen gegenüber Herstellern außerhalb Europas.
Für die Hersteller geht es in dieser Phase vor allem um Investitionsentscheidungen. Welche Technologien langfristig erlaubt bleiben, beeinflusst Entwicklungskosten, Produktionsplanung und Modellstrategien.
Entscheidung auf EU-Ebene im Juni
Die endgültige Entscheidung fällt auf europäischer Ebene. Im Juni stimmt der Rat der Europäischen Union über die Vorschläge ab. Zuvor befasst sich auch das Europäische Parlament erneut mit dem Thema.
Mit der Einigung kann Deutschland nun geschlossen in die Verhandlungen gehen. Das erhöht den Einfluss gegenüber der Phase, in der keine gemeinsame Position vorlag.
Für Autofahrer bleibt die Situation vorerst offen. Ob Verbrenner über 2035 hinaus zugelassen werden, hängt von der EU-Entscheidung ab. Möglich ist, dass Fahrzeuge mit alternativen Kraftstoffen weiter angeboten werden. Gleichzeitig bleiben Elektroautos zentral, während Plug-in-Hybride vorerst Teil des Marktes bleiben.





