Zur Winterzeit kursiert das Gerücht im Netz, dass ein voller Tank für eine bessere Traktion sorgt – insbesondere bei hinterradgetriebenen Autos. Was ist dran an diesem Mythos? Ja, ein voller Tank erhöht die Radlast – der Effekt ist jedoch begrenzt. auto-motor-und-sport-Reifenprofi Thiemo Fleck betont: "Jedes Gramm Gewicht auf der angetriebenen Achse sorgt für mehr Traktion." Ein voller Tank kann die Traktion also messbar erhöhen.
Schließlich wiegt ein Liter Benzin 0,75 Kilogramm – die 60 Liter Benzin in einem durchschnittlichen Mittelklasse-Tank wiegen also 45 Kilogramm. Ist der Tank nur halb gefüllt, reduziert sich die Zusatzmasse um rund 22,5 Kilogramm. In Relation zum Fahrzeuggewicht von 1,6 bis 2,0 Tonnen fällt dieser Unterschied jedoch moderat aus. Hinterradgetriebene Fahrzeuge mit 50-zu-50-Gewichtsverteilung profitieren weniger als hecklastige Konzepte. Fronttriebler hingegen haben vom Tankgewicht eher einen Nachteil, da der Tank in der Regel vor oder über der Hinterachse sitzt.
Spürbares Schwappen
Fleck betont aber auch einen Fakt, den er bei seinen jährlichen Winterreifen-Handlingstests regelmäßig deutlich spürt: In einem halbvollen Tank schwappt der Kraftstoff bei Kurvenfahrt. Trotz Schwallwänden und komplexer Tankgeometrie kann sich die Massenverteilung bei halbleerem Tank leicht verändern. Auf sehr glattem Untergrund kann das mitunter spürbar sein. Eine echte Traktionsverbesserung versprechen hingegen zwei einfache Lösungen.
Reifenprofi Fleck verweist vor allen Dingen auf gute Winterreifen – keine Ganzjahres-Reifen, keine abgefahrenen Schlappen – vernünftige Winterreifen sind in Sachen winterlicher Traktion das A und O. Und dann das gute alte Zusatzgewicht im Kofferraum. Auch wenn bei modernen Fahrzeugen elektronische Systeme wie Antriebsschlupfregelung (ASR), Elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP), und eine möglicherweise vorhandene Elektronische Differenzialsperre (EDS) die Traktion erheblich verbessern, hilft auch hier mehr Gewicht auf der Antriebsachse.
Zusatzgewichte fest verankern
Solche Gewichte können eine gut verankerte Waschbeton-Platte oder ebenso fest fixierte Sandsäcke sein (dann hätte man auch gleich Streugut dabei). Ganz wichtig: Zusatzgewichte müssen absolut rutsch- und kippsicher fixiert sein. Lose Gegenstände im Kofferraum stellen bei einer Vollbremsung ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Der Vorteil fester Zusatzgewichte: Sie verändern ihre Position nicht und behalten ihre Masse konstant.
Voller Tank für mehr Wärme
Und ein voller Tank verbessert zwar die Traktion, aber im Winter gibt es einen mindestens ebenso wichtigen Grund, seinen Tank immer möglichst voll zu halten: Wärme im Auto. Wer im Stau steht oder von der Straße gerutscht ist und auf Hilfe wartet, freut sich über einen warmen Innenraum. Moderne Motoren verbrauchen im Stand 0,7 bis 1,5 Liter Kraftstoff pro Stunde – bei 20 Jahre alten Motoren sind es bis zu zwei Liter. Das ist nicht viel, aber wer auf dem letzten Tropfen unterwegs ist, muss sich warm anziehen. Moderne Motoren arbeiten effizienter und erzeugen im Stand weniger Abwärme. Entsprechend fällt die Heizleistung bei extrem niedrigen Temperaturen geringer aus.

Bei frontgetriebenen Fahrzeugen wie dem Honda Civic Type R ist mehr Gewicht auf der Hinterachse für die Traktion eher nachteilhaft.
Bei sehr niedrigen Außentemperaturen sinkt die verfügbare Abwärme des Motors deutlich. Hier hilft eine zusätzliche Standheizung – sie verbraucht mit 0,2 bis 0,5 Liter pro Stunde zwar weniger Kraftstoff, aber sie zieht zum Betrieb der Lüfter auch Energie aus der Batterie. Ein laufender Motor lädt die Batterie nach – allerdings nur, wenn die elektrische Last die Ladeleistung nicht übersteigt. Im Leerlauf ist die Ladeleistung erheblich niedriger als bei höheren Drehzahlen. Bei modernen Fahrzeugen erhöht das Energiemanagement bei Bedarf die Leerlaufdrehzahl leicht und regelt Komfortverbraucher herunter – dazu zählt beispielsweise auch die Sitzheizung.












