Der elektrische Mercedes-Benz CLA L gerät in China offenbar zum nächsten Rückschlag für die Elektrostrategie des Stuttgarter Herstellers. Der Markenblog mbpassion soll aus Industriekreisen erfahren haben, dass die Produktion der speziell für den chinesischen Markt entwickelten Langversion im Werk des Joint Ventures Beijing Benz Automotive Co. (BBAC) vorübergehend gestoppt worden ist. Eine offizielle Bestätigung oder Stellungnahme von Mercedes-Benz gibt es bislang nicht.
Als wahrscheinlichster Grund gelten die enttäuschenden Verkaufszahlen des Modells. Im gesamten ersten Halbjahr 2026 sollen in China lediglich 627 Exemplare des CLA L verkauft worden sein – deutlich weniger, als Mercedes bei der Einführung des neuen Elektro-Modells erwartet hatte.
Verkäufe brechen nach kurzem Zwischenhoch ein
Die Zulassungszahlen verdeutlichen die schwache Nachfrage. Im Januar wurden lediglich 35 Fahrzeuge neu zugelassen, im Februar sogar nur 21. Im März stiegen die Zulassungen zwar vorübergehend auf 358 Fahrzeuge an, doch der Aufwärtstrend hielt nicht an. Bereits im April sank die Zahl wieder auf 52 Einheiten, im Mai wurden 161 Fahrzeuge registriert. Für Juni weisen die Statistiken schließlich keine einzige Neuzulassung mehr aus.
Ob die ausbleibenden Zulassungen tatsächlich auf den mutmaßlichen Produktionsstopp zurückzuführen sind oder andere Ursachen haben, ist derzeit offen. Mercedes äußert sich zu den Berichten bislang nicht.
Hoffnungsträger wird zum Problemfall
Mit dem CLA sollte Mercedes-Benz in China einen Neuanfang im hart umkämpften Markt für Elektroautos schaffen. Das Modell basiert auf der neuen MMA-Plattform, verfügt über eine 800-Volt-Architektur und nutzt das neue Betriebssystem MB.OS. Hinzu kommen zahlreiche digitale Funktionen, die speziell auf chinesische Kunden zugeschnitten wurden.
Der CLA sollte zeigen, dass Mercedes auch im Zeitalter softwaredefinierter Elektrofahrzeuge mit den chinesischen Herstellern konkurrieren kann. Die bisherigen Verkaufszahlen sprechen jedoch eine andere Sprache. Während Unternehmen wie BYD, Xiaomi oder Nio ihre Marktanteile kontinuierlich ausbauen und mit kurzen Entwicklungszyklen sowie umfangreicher Digitalisierung punkten, fällt es den etablierten Premiumherstellern zunehmend schwer, im chinesischen Elektrosegment Fuß zu fassen.
Vier Zentimeter mehr für China
Für China entwickelte Mercedes erneut eine Version mit verlängertem Radstand – ein Konzept, das bereits bei zahlreichen Limousinen der Marke zum Einsatz kommt. Der CLA L wächst gegenüber dem europäischen Modell um vier Zentimeter beim Radstand auf 2,83 Meter. Die Gesamtlänge steigt von 4,72 auf 4,76 Meter, während Breite und Höhe unverändert bleiben.
Der zusätzliche Platz kommt ausschließlich den Fondpassagieren zugute, denn gerade chinesische Kunden legen traditionell großen Wert auf großzügige Platzverhältnisse im Fond. Aufgrund der coupéhaften Dachlinie fiel die Verlängerung allerdings deutlich geringer aus als bei früheren Langversionen von Mercedes.
Mehr Reichweite und chinesische Software
Technisch unterscheidet sich der CLA L ebenfalls vom europäischen Modell. Nach chinesischem CLTC-Zyklus erreicht die Limousine eine Reichweite von bis zu 860 Kilometern. Zum Vergleich: In Europa gibt Mercedes für den CLA nach WLTP bis zu 792 Kilometer an. Darüber hinaus kooperiert Mercedes in China mit ByteDance, um lokale digitale Dienste und Apps besser in das Fahrzeug zu integrieren. Auch Fahrerassistenzsysteme mit erweitertem Level-2+-Funktionsumfang sollten den CLA attraktiver machen und ihn stärker an die Erwartungen chinesischer Kunden anpassen.
Bislang scheint dieser Aufwand jedoch nicht auszureichen. Sollte sich der Produktionsstopp bestätigen, wäre dies ein weiteres deutliches Signal dafür, wie schwierig sich der chinesische Elektroautomarkt inzwischen selbst für etablierte Premiumhersteller entwickelt hat.





