Neuer Mercedes EQS (2026): Neue Architektur, zwei Gänge und bis zu 926 km Reichweite

Neuer Mercedes EQS (2026)
Neue Architektur, zwei Gänge und bis zu 926 km Reichweite

ArtikeldatumVeröffentlicht am 14.04.2026
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Mit einer umfassenden Überarbeitung hebt Mercedes-Benz seine 5,22 Meter lange elektrische Luxuslimousine EQS auf ein ganz neues Niveau. Mehr als ein Viertel der Fahrzeugumfänge sollen neu entwickelt oder grundlegend überarbeitet worden sein – mit Fokus auf Effizienz, Software-Integration und Hightech-Antrieb. Der EQS will damit weiter technische Speerspitze im Hause Mercedes-Benz bleiben. Einst der innovative Erstling (seit 2021) steht er nun auf einer technologisch völlig neu definierten Plattform. Die wichtigsten Neuerungen haben wir hier zusammengefasst.

Design und Aerodynamik

Wohl kaum ein anderes Thema polarisiert beim EQS so sehr wie das Design. Die charakteristische One-Bow-Silhouette bleibt prinzipbedingt natürlich auch nach dem Facelift erhalten. Es soll mit einigen optischen Tricks nun aber einen stärkeren Oberklasse-Auftritt verschaffen. Besonders auffällig ist die neu gestaltete Frontpartie mit aufrecht stehendem, beleuchtetem Mercedes-Stern sowie einer differenzierten Kühlerverkleidung je nach Ausstattungslinie.

Technisch bleibt die Aerodynamik eine der größten Stärken des Fahrzeugs. Mit einem Luftwiderstandsbeiwert von bis zu 0,20 gehört der EQS weiterhin zu den effizientesten Serienfahrzeugen weltweit. Optimierungen im Detail, etwa an den Außenspiegeln und der Luftführung, reduzieren Strömungsverluste weiter. Die effektive Stirnfläche von 2,51 m² führt zu einer sehr geringen Widerstandsfläche von rund 0,5 m², was sich direkt positiv auf Verbrauch, Reichweite und Geräuschkomfort auswirken soll.

Innenraum und Materialien

Auch der Innenraum des EQS stand immer wieder im Fokus von Kritik – nicht wegen der Anmutung, sondern dem grundsätzlichen Qualitätseindruck. Hier will Mercedes nachgebessert haben. Neue Materialien und Veredelungsoptionen sollen den Eindruck von Exklusivität weiter steigern. Dazu zählen offenporige Holzdekore sowie erweiterte Nappaleder-Umfänge mit markentypischen Designelementen wie der Lorbeer-Ziernaht. Neben klassischen Luxusmaterialien bietet Mercedes-Benz erstmals auch einen vollständig lederfreien Innenraum an. Hochwertige Kunstleder- und Textilmaterialien übernehmen dabei die Rolle traditioneller Bezüge.

Komfortfunktionen wie die neue Gurtheizung, die das Gurtband auf bis zu 44 Grad Celsius erwärmt, sowie ein hochwirksamer HEPA-Filter zur Luftreinigung unterstreichen den Anspruch, ein besonders angenehmes Innenraumklima zu schaffen. Im Fond erweitert ein nochmals verbessertes Entertainment- und Office-Angebot die Nutzungsmöglichkeiten deutlich, sodass der EQS sowohl als Rückzugsraum als auch als mobiler Arbeitsplatz fungieren kann.

Neue Ausstattungsoptionen

Mit der Modellüberarbeitung führt der EQS mehrere technische Innovationen ein, die bislang im Serienautomobilbau kaum oder gar nicht verfügbar waren. Dazu zählt insbesondere die Einführung von Steer-by-Wire, bei der keine mechanische Verbindung mehr zwischen Lenkrad und Vorderrädern besteht. Dies ermöglicht eine variabel anpassbare Lenkcharakteristik und reduziert gleichzeitig störende Rückmeldungen durch Fahrbahnunebenheiten. Und es macht die Option eines sogenanntes Yoke-Lenkrad möglich.

Ebenfalls neu ist die weiterentwickelte DIGITAL LIGHT Technologie auf Basis von Mikro-LEDs. Sie bietet eine höhere Auflösung, eine größere Ausleuchtungsfläche und gleichzeitig einen deutlich reduzierten Energieverbrauch. Im Bereich Fahrkomfort kommt eine neue Generation der Luftfederung AIRMATIC zum Einsatz, die mithilfe cloudbasierter Informationen Fahrbahnunebenheiten frühzeitig erkennt und die Dämpfung vorausschauend anpasst. Ergänzt wird dies durch ein erweitertes Portfolio an Fahrassistenzsystemen mit gesteigerter Sensorik und Rechenleistung.

Bedienung und Digitales

Eine der größten technischen Neuerungen ist die Einführung des Mercedes-Benz Operating System (MB.OS). Dabei handelt es sich um eine zentrale Softwarearchitektur, die sämtliche Fahrzeugfunktionen integriert und steuert. Ein leistungsfähiger Zentralrechner verarbeitet Daten aus Sensoren, Nutzerinteraktionen und Cloud-Diensten in Echtzeit. Eingeführt hatte Mercedes diese Art der Soft- und Hardware-Architektur im neuen CLA.

Die neue MBUX-Generation baut darauf auf und erweitert die Funktionalität deutlich. Der serienmäßige Hyperscreen vereint mehrere Displays unter einer durchgehenden Glasfläche und wird durch ein vereinfachtes Bedienkonzept ergänzt, das häufig genutzte Funktionen kontextabhängig bereitstellt. Künstliche Intelligenz spielt dabei eine zentrale Rolle. Der MBUX Virtual Assistant kann komplexe Dialoge führen und greift dabei auf Internetwissen zurück. Ergänzt wird das System durch kontinuierliche Over-the-Air-Updates, wodurch das Fahrzeug funktional über Jahre hinweg aktuell bleibt. Auch die Navigation wurde weiterentwickelt. Sie berücksichtigt neben Verkehrsdaten eine Vielzahl energiebezogener Parameter und optimiert Routen unter Einbeziehung von Ladezeiten und Ladeleistungen.

Ganz neue Batterietechnik

Die neue Batteriegeneration des EQS stellt den wohl größten Fortschritt dar. Bei unveränderten Abmessungen wurde der Energieinhalt von ursprünglich 108 kWh über 118 kWh auf nun bis zu 122 kWh erhöht. Möglich wird dies durch eine optimierte Zellchemie, bei der Siliziumoxid-Anteile in der Anode eingesetzt werden. Dadurch steigt die Energiedichte sowohl bezogen auf das Gewicht als auch auf das Volumen. Gleichzeitig konnte der Anteil kritischer Rohstoffe wie Kobalt weiter reduziert werden.

Die Batterie ist nun statt 400 Volt auf eine 800-Volt-Architektur ausgelegt, die sowohl Effizienz- als auch Leistungsvorteile bietet. Durch die höhere Spannung konnten Kabelquerschnitte und damit Gewichtung und Materialaufwand reduziert werden. Darüber hinaus wird der EQS künftig bidirektionales Laden unterstützen. Das Fahrzeug kann somit als Energiespeicher dienen und Strom entweder ins Hausnetz oder in das öffentliche Stromnetz zurückspeisen.

Reichweite und Ladepower

Die Kombination aus verbesserter Aerodynamik, effizienteren Antriebseinheiten und optimierter Batterietechnik führt zu einer signifikanten Steigerung der Reichweite. Der EQS 450+ erreicht nun bis zu 926 Kilometer (bisher maximal 821 km) nach WLTP-Zyklus und zählt damit zu den ausdauerndsten Elektrofahrzeugen auf dem Markt. Auch die Ladeleistung wurde deutlich erhöht. Dank der 800-Volt-Technologie sind Ladeleistungen von bis zu 350 kW möglich. Unter optimalen Bedingungen lassen sich innerhalb von zehn Minuten bis zu 320 Kilometer Reichweite nachladen.

Ein besonderes Merkmal ist die intelligente Anpassung an 400-Volt-Ladeinfrastruktur. Hierbei wird die Batterie virtuell in zwei Teilbereiche aufgeteilt, die parallel geladen werden können, wodurch auch an weniger leistungsfähigen Ladesäulen hohe Ladegeschwindigkeiten erreicht werden.

Antriebstechnik und Zwei-Gang-Getriebe

Die Antriebseinheiten wurden vollständig neu entwickelt und sollen einen deutlichen Fortschritt gegenüber den bisherigen Aggregaten darstellen. Sie sind kompakter, effizienter und leistungsfähiger. Insbesondere die Rekuperationsleistung wurde deutlich erhöht und erreicht nun Werte von bis zu 385 kW, wodurch im Alltagsbetrieb häufig rein rekuperativ verzögert werden kann.

Ein wesentliches technisches Merkmal ist das erstmals eingesetzte Zwei-Gang-Getriebe an der Hinterachse. Es soll eine bessere Kombination aus Beschleunigungsvermögen und Effizienz ermöglichen. Während der erste Gang für kraftvolle Beschleunigung aus dem Stand ausgelegt ist, sorgt der zweite Gang für eine effiziente Leistungsentfaltung bei höheren Geschwindigkeiten. Diese Auslegung verbessert insbesondere die Fahrleistungen im Autobahnbereich und trägt gleichzeitig zur Reichweitenoptimierung bei. Ergänzend verfügen Allradmodelle über eine entkoppelbare Vorderachse, die bei Bedarf zugeschaltet wird.

Preise und Marktstart

Der Einstieg in die Baureihe erfolgt künftig über den EQS 400, der in Deutschland zu einem Preis ab 94.403 Euro (inklusive Mehrwertsteuer) angeboten wird. Für Geschäftskunden ergibt sich ein Nettopreis ab 79.330 Euro. Bisher startete das Flaggschiff bei 106.264 Euro. Mit der Erweiterung des Modellprogramms will sich die EQS-Baureihe breiter aufstellen und eine größere Kundengruppe erschließen.

Fazit