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Polestar Precept 16 Bilder

Polestar baut Studie Precept in Serie

Der Nachhaltigkeits-Kaiser von China

Als Concept Car für Genf 2020 geplant soll der spektakuläre Viertürer der Volvo- bzw. Geely-Tochter vermutlich nicht vor 2023 in einer neuen CO2-neutralen Fabrik in China entstehen.

Polestar steht für elektrifizierte Autos mit Premiumanspruch. Zum Portfolio gehören bislang der Polestar 1 – ein zweitüriger Elektro-Hybrid-Sportwagen in der Preisklasse ab 155.000 Euro und einer Systemleistung von 609 PS – sowie der Polestar 2 – eine fünftürige Fließhecklimousine mit reinem Elektroantrieb, 408 PS Leistung und einem Preisschild von 57.900 Euro. 2022 soll zudem der Polestar 3 als vollelektrischer SUV das Portfolio ergänzen. Die Serienversion des Precept könnte dann 2023 als Polestar 4 auf den Markt kommen.

Lang, flach und aalglatt

Den Precept wollte die junge Marke auf dem Genfer Automobilsalon 2020 zeigen. Nach der Messe-Absage erfolgte die Präsentation dann nur virtuell. Die Studie ist ein langgestreckter Grand Tourer mit einem Radstand von 3,1 Meter und vier Türen an, die gegenläufig öffnen. Auf eine B-Säule haben die Chinesen verzichtet. Zusammen mit einer sehr niedrigen, schlanken Silhouette soll dennoch genug Platz für einen großen Akku im Fahrzeugboden und zugleich genügend Beinfreiheit und Kopfraum für Passagiere im Vorderraum bereitstehen. Minimalistisch, sportlich, klare Linien und aerodynamische Effizienz, das sind die Vorgaben, die Polestar-CEO Thomas Ingenlath ausgibt.

Hinter der cleanen Frontmaske bündelt der Precept alle Sensoren für die Assistenzsysteme. Ein durchströmtes Flügelelement auf der Fronthaube soll den Luftstrom schon früh beruhigen. Am Heck erstreckt sich die breite Rückleuchte über die gesamte Breite des Fahrzeugs bis in die vertikalen, aerodynamischen Flügel. Außen auf den Türen ersetzten Kameras die Spiegel, der Innenspiegel ist als digitaler Bildschirm ausgebildet, der das Kamerabild einer Heck-Optik wiedergibt.

Polestar Precept
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Keine Rücksicht: Dem Precept fehlt die Heckscheibe.

Auf eine herkömmliche Heckscheibe verzichtet der Precept, dafür zieht sich ein Glasdach bis über die Fondpassagiere. Unter dem Heckdeckel wartet ein großzüger Gepäckraum. In den Radhäusern stecken 22 Zoll große Felgen.

Nachhaltige Innenraumgestaltung

Nachwachsende Rohstoffe und recycelter Kunststoff bilden die Grundlage für den veganen Innenraum. Ein 15-Zoll-Touchscreen in der Mitte ergänzt das 9-Zoll-Fahrerdisplay. Beide sind durch einen beleuchteten Rahmen verbunden, der den gesamten Innenraum umfasst. Das Betriebssystem der nächsten Generation steuert Android bei. Die Cockpitanzeige unterstützt die Weiterentwicklung einer personalisierten und dynamischen digitalen Schnittstelle und enthält außerdem eine Reihe intelligenter Sensoren. Eye Tracking erfasst den Blick des Fahrers und steuert den Inhalt der verschiedenen Bildschirme entsprechend. Näherungssensoren verbessern auch die Benutzerfreundlichkeit des mittleren Displays während der Fahrt.

CO2-neutrale Produktionsstätte

Die Produktentwicklung des Serienfahrzeugs ist laut Polestar bereits im Gange und die Marke kündigt zudem an, dass der Precept in China produziert werden wird, wo eine neue Produktionsstätte gebaut wird. Sie soll klimaneutral und eine der intelligentesten und vernetztesten Automobilproduktionsstätten der Welt werden.

Polestar Production Center
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Schon die aktuelle Produktionsanlage von Polestar in Chengdu soll besonders nachhaltig sein.

Schon bei der Produktionsstätte von Polestar in Chengdu, wo der Polestar 1 entsteht, legte Polestar großen Wert auf Nachhaltigkeit. Das Produktionszentrum, das erst 2019 eingeweiht wurde, ist laut der Volvo-Tochtermarke die erste mit LEED-Gold bewertete Automobilproduktionsanlage in China. Sie wird zu 100 % mit erneuerbarer Energie betrieben. LEED steht für Leadership in Energy and Environmental Design und ist ein System zur Klassifizierung für ökologisches Bauen. Entwickelt hat es bereits 1998 das U.S. Green Building Council, ist aber eine weltweit verwendete Nachhaltigkeitszertifizierung.

Nachhaltigkeit ist auch in China Trend

"China ist für Polestar ein Heimatmarkt, und wir sehen, dass das Streben nach mehr Nachhaltigkeit hier immer wichtiger wird", erklärt Polestar-Chef Thomas Ingenlath. Mit der neuen Fabrik wolle man "die Messlatte noch einmal höher legen, mit dem Ziel, das fortschrittlichste und hochwertigste Elektroauto in China mit der niedrigsten CO2-Bilanz zu produzieren", so der an der Fachhochschule für Gestaltung Pforzheim und am Royal College of Arts in London ausgebildete Designer, der 2012 von Volkswagen als Chefdesigner zu Volvo wechselte. Die Gestaltung der aktuellen Modelle der Schweden trägt seine Handschrift, 2017 begann er bei Polestar.

Fazit

Die Modellpalette von Polestar nimmt allmählich Gestalt an – und was für eine. Die optische Linie der Marke erinnert im positiven Sinne an das erfolgreiche Volvo-Design der vergangenen Jahre. Kein Wunder, Polestar-CEO Ingenlath war nach Audi, Skoda (2000 bis 2006) und Volkswagen bei den Schweden – verantwortlich fürs Design. Während der Polestar 1 noch einen Hybridantrieb hatte und an ein großes Volvo-Coupé erinnerte, entfernt sich das E-Auto Polestar 2 schon ein wenig von der schwedischen Linie, der Precept schließlich setzt ganz eigene Akzente. Der cW-Wert des stromlinienförmig wirkenden Viertürers könnte sehr gut sein – wichtig für die Reichweite. Über die Technik ist ansonsten allerdings wenig bekannt.

Mit der Nachhaltigkeit hat sich die junge Marke ein sehr zeitgemäßes Ziel gesetzt, das man klischeehaft einem skandinavisch geprägten Unternehmen gut zutraut. Angesichts der chinesischen Einflüsse bei Polestar und Volvo dürften viele dem mit Vorurteilen begegnen. Womöglich zu Unrecht.

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