Das kam quasi aus dem Nichts: Am 26. März hat Ford überraschend eine neue Transit -Baureihe vorgestellt. Der Transit City soll in drei Karosserievarianten und ausschließlich mit Elektroantrieb für einen günstigeren Einstieg in die Transit-Welt sorgen. Damit reagiert Ford auf Herausforderungen durch neue Wettbewerber, der neue Transit City stammt von einem chinesischen Partner und soll dem Namen entsprechend vor allem im städtischen Bereich eine Alternative zu den bisherigen Elektro-Transportern des Hauses bieten.
Zwei Standard-Versionen
Das frontgetriebene Modell ist als Kastenwagen in zwei Längen- und Höhenvarianten (L1/H1 und L2/H2) sowie erstmals bei Ford in diesem Segment auch als Fahrgestell mit Einzelkabine erhältlich. Dabei bleibt der neue Transit City in den Abmessungen nahe am Transit Custom. Die kurze Version ist bei 3,06 Meter Radstand 4.985 Millimeter lang, der L2 kommt mit 30 Zentimeter mehr Radstand auf eine Außenlänge von 5,28 Meter.
Bereits die kleinere Version L1H1 bietet rund sechs Kubikmeter Ladevolumen und nimmt bis zu drei Euro-Paletten auf. Die maximale Nutzlast liegt hier bei 1.085 Kilogramm. In der größeren Ausführung L2H2 wächst das Ladevolumen auf rund acht Kubikmeter, die Ladelänge überschreitet die Marke von drei Metern. Gleichzeitig steigt die mögliche Zuladung auf 1.275 Kilogramm. Beide Varianten verfügen über eine serienmäßige Grundausstattung mit robustem Frachtraumboden, teilverkleideten Seitenwänden und Verzurrösen. Eine Anhängekupplung wird es nicht geben.
LFP-Akku mit 56 kWh
Angetrieben wird der Transporter von einem Elektromotor mit einer Leistung von 110 kW/150 PS. Als Energiespeicher dient eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LFP) mit einer nutzbaren Kapazität von 56 kWh. Die Reichweite gibt Ford mit bis zu 254 Kilometern an. Wie die Akku-Kapazität ist auch die Ladeleistung eher niedrig angesiedelt. An einem DC-Schnellladepunkt kann die Batterie mit bis zu 87 kW geladen werden, für das Nachladen an Wechselstrom-Ladesäulen und Wallboxen ist ein 11-kW-Bordlader installiert. Für die Aufladung von 10 auf 80 Prozent am Schnelllader verspricht Ford im Idealfall eine Dauer von 33 Minuten. Außerdem ist der Transit City mit einer One-Pedal-Drive-Funktion ausgestattet, die ein verzögerndes Rekuperieren bis zum Stillstand ermöglicht.
Standard-Ausstattung ohne Aufpreis-Extras
Den Transit City wird es nur in einer Standard-Konfiguration ohne Aufpreis-Optionen geben. Ein schlüsselloses Startsystem und eine Sitzheizung sind serienmäßig. Ergänzt wird die Ausstattung durch eine Reihe von Assistenzsystemen, darunter ein Notbremsassistent, Parkhilfen vorne und hinten, Rückfahrkamera, adaptive Geschwindigkeitsregelung und Spurhalteassistent. Das Infotainmentsystem arbeitet mit einem 12-Zoll-Touchscreen und ermöglicht die kabellose Einbindung von Smartphones.
So viel zu den technischen Fakten, doch die Frage nach dem Warum steht natürlich im Raum. Schließlich hat Ford vom kleinen Transit Courier bis zum großen Kastenwagen Transit bereits vier Transporter-Baureihen am Start, davon drei optional mit Elektroantrieb; den VW Caddy-Zwilling Transit Connect gibt es wahlweise als Plug-in-Hybrid. Die Antwort ist im Wettbewerb zu finden, der immer stärker aus China kommt. Und nicht zuletzt hat Kia mit dem PV5 und dessen erstaunlich niedrigen Preisen für einigen Aufruhr in der Transporter-Branche gesorgt. Zwar ist Ford europaweiter Marktführer im Transporter-Segment, doch das muss nicht so bleiben.
Mit dem Transit City will die Marke vor allem Kunden abholen, denen der Transit Custom mit Elektroantrieb schlicht zu teuer ist. Schließlich liegt der bereits in der Basisvariante mit 100 kW-Antrieb bei einem Bruttopreis von 58.905 Euro. Mit dem Transit City will Ford dagegen preislich in der Mitte zwischen dem elektrischen Courier und dem Transit Custom Elektro liegen, was auf einen Preis von rund 39.500/46.800 Euro netto/brutto hinauslaufen würde.
Made in China
Warum der Transit City praktisch ohne Vorwarnung aufgetaucht ist, üblicherweise teasert Ford Pro neue Modelle bereits mindestens ein Jahr im Voraus an, liegt an der Herkunft. Entwickelt wurde und gebaut wird der Transit City in China von Jiangling Motors. Für Ford alles andere als ein Unbekannter, der Konzern hält aktuell 32 Prozent an Jiangling, seit 1995 sind Ford und Jiangling strategische Partner. Es bleibt also in der Familie.
Kunden, die sich infolgedessen überlegen könnten, gleich bei einem chinesischen Anbieter zu kaufen, will Ford mit der Einbindung des neuen Transit City in das Ford Pro-Ökosystem locken. So soll das neue Modell wie alle anderen Nutzfahrzeuge über Ford Pro Telematics verfügen. Dieses System bündelt Fahrzeugdaten in Echtzeit und stellt sie für das Flottenmanagement bereit. Funktionen wie GPS-Tracking, Zustandsüberwachung und Wartungshinweise helfen, Einsatzplanung und Standzeiten zu optimieren. Für Elektrofahrzeuge ergänzen Lade- und Reichweitenanalysen den Funktionsumfang.
Verkaufsstart und Preis
Die Bestellbücher will Ford im zweiten Quartal öffnen, dann gibt es auch die konkreten Preise. Der Produktionsstart ist im Sommer, zum Jahresende sollen die ersten Fahrzeuge bei den Kunden sein. Die Publikums-Premiere feiert der Transit Cityy auf der Nutzfahrzeug-IAA in Hannover (15. bis 20. September 2026).







