Der Weg traditioneller Autohersteller zum Software Defined Vehicle ist für traditionelle Autobauer steinig. Tesla hat die Branche nicht nur mit dem Paradigmenwechsel beim Antrieb disruptiert, sondern auch mit dem Clean-Sheet-Ansatz bei Elektronik und Software. Neben der eher langsamen Antriebstransformation bei den traditionellen Fahrzeugherstellern (und VW im Speziellen), ist der Rückstand dabei einer der Hauptgründe dafür, dass sie ihre einst führende Stellung in China verloren haben und ihre Anteile auf dem größten Automarkt der Welt mit großer Geschwindigkeit eingebrochen sind. Ein Problem, dass sich vor Jahren abzeichnete, wie dieser Beitrag von Ende 2021 zeigt.
Volkswagen hat spätestens nach der Pandemie erkannt, dass man gegen Chinas Batterieübermacht nicht ankommt, aber den Kunden im Reich der Mitte auch keine Autos mit konkurrenzfähigen digitalen Fähigkeiten und Vernetzung anbieten kann. Um den Rückstand aufzuholen, hat sich der Konzern Hilfe geholt. Für Autos in China aus China kooperiert Audi mit SAIC und VW mit Xpeng. Ein 10 Jahre junges Unternehmen, das nicht nur Autos baut.
Xpeng: Elektronik, Software und KI – in Autos
Das scheint eine gute Partnerwahl, was die Elektronik-Kompetenz angeht: Der namensgebende Mitgründer von Xpeng, He Xiaopeng, war im ersten Leben Tech-Tycoon. Er hat in Guangzhou IT-Technologie studiert und anschließend (2004) den chinesischen Internet-Software und -Service-Provider UCWeb mitgegründet, dessen Verkauf an Alibaba 4,3 Milliarden US-Dollar brachte und auch Xiaopeng zum Milliardär machte. 2014 folgte die Gründung von Xpeng Motors.
Dem Thema Elektronik blieb He Xiapeng treu: Inzwischen hat Xpeng eigene, so genannte Turing-Chips entwickelt und produziert sie auch. 2026 will Xpeng drei Robotaxi-Modelle auf seinen Heimatmarkt bringen, die mit dem laut Hersteller "ersten selbstentwickelten Full-Stack-Modell" Chinas ausgestattet sind. Es besteht aus vier Turing-KI-Chips, hat eine Rechenleistung von bis zu 3.000 TOPS und läuft mit von "künstlicher Intelligenz gestützten Betriebssystemen". Damit sollen die Fahrzeuge autonom fahren. Gemeinsam mit dem zum Alibaba-Konzern gehörenden Partner Amap wollen die Chinesen ihre Robotaxi-Dienste weltweit etablieren.
Volkswagen: Verbrenner, Getriebe und Design – mit wackliger Software
Angesichts derartiger Entwicklungen fühlte sich VW bemüßigt, einen Bericht der Car News China zu dementieren. Der hatte unter Berufung auf unternehmensinterne Quellen behauptet, Volkswagen werde ab 2026 das Fahrerassistenzsystem XNGP von Xpeng für autonome Funktionen seiner Elektrofahrzeuge in China nutzen.
VW meinte dazu: "Wir entwickeln derzeit weiterhin in dem Joint Venture zwischen Cariad und Horizon Robotics unseren ADAS-Stack für China. (…) Diese Technologie wird dann schnell auf die gesamte Flotte in China ausgerollt. (…) Wir setzen weiter voll auf unsere eigenentwickelte Technologie". Ein tapferes Dementi angesichts der viele Negativ-Schlagzeilen der zwischenzeitlich rund 10.000 Mann starken VW-Tochter Cariad, die inzwischen immer weiter eingedampft wird und auf deren Dienste auch Konzernmarken immer mehr verzichten. Weil es anfangs schon mit der Software von Cariad vor allem Probleme gab.
VW-Modelle für China mit Xpeng-Elektronik
Xpeng setzt seine Turing-Chips und eine darauf basierende neue Elektronikarchitektur aber auch in neuen Modellen für Kunden wie dem P7+ ein. Die leistungsstarken Prozessoren und insgesamt 25 rund um das Fahrzeug verteilte Sensoren, Radare und Kameras sollen 14 Assistenzsysteme steuern – vom Notbrems-, Totwinkel- und Spurwechselassistenten bis zur Verkehrszeichenerkennung.
Over-the-Air-Updates (OTA) sollen die Software kontinuierlich verbessern und laut Xpeng findet die Elektronik auch in den neuen Elektromodellen von VW in China wie dem ID.Unyx 08 Verwendung. Naheliegend, denn die Fahrzeugentwicklung entspringt dem in chinesischen Anhui ansässigen Joint Venture von VW und Xpeng.
Xpeng mit anderem Batteriehersteller als VW
Die LFP-Batterien für die China-VWs liefert CATL, insofern ist schwer zu taxieren, was in den chinesischen VW-Modellen von der Marke VW stammt, wie sie die Europäer kennen. VW-Kunden hierzulande werden die ID.Unyx-Modelle aber nicht kaufen können. Denn ein Export der günstigen Volkswagen in andere Märkte als den chinesischen ist nicht vorgesehen.
Anders sieht es mit dem Xpeng P7 aus. Der ist in Europa bereits bestellbar soll schon ab April 2026 auch an deutsche Kunden ausgeliefert werden. Produziert wird er übrigens nicht in China, sondern in Österreich bei Magna Steyr. Die LFP-Akkus in den Xpeng-Modellen liefert nicht CATL, sondern CALB (China Aviation Lithium Battery Co. Ltd) kommen. Das Zulieferverhältnis mag daher rühren, dass die Xpeng-Tochter Aridge Flugautos entwickelt. Angeblich ist CALB aber auch viertgrößter Hersteller von Auto-Akkus.
So oder so macht Xpeng Partner Volkswagen auf dessen Heimatmarkt – zumindest nominell – mehr als ernstzunehmende Konkurrenz: Der P7+ etwa ist fast 10 Zentimeter länger als VWs E-Flaggschiff ID.7, hat die bessere Ausstattung, lädt erheblich schneller und bietet sieben Jahre Garantie. Das Long-Range-Modell hat einen ähnlich großen Akku und etwas mehr Leistung, kostet aber etwa 5.000 Euro weniger als der VW.







