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Porsche 911 Carrera T (2018)

991 pur im Fahrbericht

Porsche 911 Carrera T Touring Foto: Porsche 17 Bilder

Porsche hat die zahlreichen Rufe seiner Fans erhört. Mit dem 911 Carrera T kehrt Porsche zurück zum Sportwagenreinheitsgebot. Der puristische Touring mit Schaltgetriebe, Heckantrieb und Leichtbau im Fahrbericht.

15.12.2017 Uli Baumann, Michael Schröder Powered by

Ein Porsche 911 in Reinform, als Fahrmaschine für Puristen – dieses Rezept hat bereits 2016 mit dem Porsche 911 R verfangen. 500 PS stark, Saugmotor, Handschaltung, Heckantrieb. Der traf die gusseisernen Elfer-Fans mitten ins Herz. Die Auflage war allerdings limitiert und der Preis enorm hoch. Damit wurde der 911 R eher zum Spekulations- oder Sammlerobjekt, denn zur Fahrmaschine für die Straße. Jetzt hat Porsche mit dem 911 T einen weiteren Elfer aufgelegt, der aus Weniger mehr macht: weniger Technik, weniger Ausstattung, mehr Fahrspaß. Allerdings mit Turbo statt Saugmotor, aber gewiss nicht mit zuwenig Leistung. Mit dem Kürzel „T“, das für „Touring“ steht, besinnt sich Porsche zudem seiner Tradition: Zuletzt gab es das Kürzel in den 1970er-Jahren an einem 911. Heute stehen wir vor dem 991.2 und dürfen den puren Elfer zum ersten Mal fahren.


Porsche 911 T im Fahrbericht

Porsche 911 Carrera T Touring Foto: Porsche
Welch ein Segen: Leere Straßen in den Seealpen und der neue Porsche 911 T zum Ausprobieren.

Die ersten Kilometer im neuen Porsche 911 Carrera T – passenderweise in den Seealpen auf den Spuren der Rallye Monte Carlo.

Schade, dass uns niemand sieht. Da fordert ein brandneuer Porsche 911 Carrera T an diesem Dezembertag zum ersten Mal in seinem Leben die Bergstraßen in den Seealpen zum Duell – und kein Mensch bekommt davon etwas mit.

Vermutlich liegt’s am Sturm, der gestern ein ziemliches Chaos im Süden Frankreichs angerichtet hatte. Aufräumarbeiten allenthalben. Da fährt man nicht in die Berge, wenn es nicht unbedingt sein muss. Zum Spaß schon gar nicht.

Leere Straßen in den Seealpen

Aber natürlich hat dieser Umstand auch etwas Gutes: leere Straßen, wir reden also über Idealbedingungen für einen ersten Fahreindruck des neuen Carrera mit dem Zusatzkürzel T, was in diesem Fall für Touring steht und einer Rückbesinnung gleichkommt, aber die Idee, die dahinter steckt, hatten wir ja bereits schon an anderer Stelle erklärt. Nur so viel sei hier noch einmal gesagt, weil es sich so schön liest: Handschalter (sieben Gänge), Heckantrieb (ausschließlich) und weniger Ausstattung (was zugleich auch weniger Gewicht bedeutet). Man hätte hinter dem Namen Carrera also auch ein „P“ setzen können. Für „Purist“.

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Turbo ohne Loch

Doch zurück zu unseren Bergstraßen. Den Auftakt macht der 1.002 Meter hohe Col de Braus (kein Scherz, dieser Pass heißt wirklich so), über dessen 21 Kilometer lange, wild verlegte Trasse sich der Carrera T hermacht wie ein hungriger Löwe über seine Beute. Der 370 PS starke Dreiliter-Sechszylinder-Biturbo im Heck aus dem 911 Carrera – wie maßgeschneidert für solche Bergattacken. Das maximale Drehmoment von 450 Newtonmeter liegt bereits bei etwa 1.750 Touren an und hält sich flächendeckend bis 5.000 Umdrehungen. Okay, ganz so gierig wie der letzte Carrera-Sauger hängt dieses Aggregat nicht am Gas, aber der Unterschied verliert sich schon nach einigen Kilometern in der Bedeutungslosigkeit. Man könnte es auch anders sagen: Es ist eine Freude, wie dieser doppelt aufgeladene Carrera-Motor dreht. Vor allem im unteren Drehzahlbereich stimmt die Leistungs-Charakteristik. Eine Anfahrschwäche – beispielsweise in den engen Kehren? Keine Spur. Und auch ein Turboloch kennt dieses Sixpack nicht.

Handling: spielerisch beherrschbar

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Anbremsen, einlenken und wieder aufs Gas. Unfassbar, wie leichtfüßig dieser Carrera T durch die Kurven und Kehren sprintet, wie ein wilder Tanz, der jederzeit gut beherrschbar scheint. Auch unter Last drückt der mit einer mechanischen Hinterachssperre sowie mit einer (optionalen) Hinterachslenkung versehene T leicht mit seinem breiten Heck (aber alles andere würde man einem Elfer wohl auch nie verzeihen). Das spielerische Handling sorgt beim fest in einem Schalensitz eingefassten Piloten für pure Glücksgefühle.

Dabei spielt das Tempo keine Rolle, denn schneller als mit Tempo 100 ist man auf diesem schmalen Stück Straße kaum unterwegs, weil auf der einen Seite immer eine steile Felswand aufragt und es auf der anderen dann meist ziemlich tief bergab geht. Zweiter und dritter Gang, mehr braucht es hier also strenggenommen nicht. Handgeschaltet natürlich! Über den verkürzten Schalthebel stellt sich zudem das Gefühl ein, noch direkter mit dem Getriebe verbunden zu sein als bisher. Denn die Gänge sitzen, ehe Du als Fahrer das Wort Klack auch nur ausgesprochen hast. Plötzlich fühlt man sich so, wie man es in den alten Rallye-WM-Filmen gesehen hat.

Pure Freude: Col de Turini

Da passt es, dass er nächste Pass auf den Namen Turini hört. Sozusagen heiliger Asphalt, weil diese Bergstraße traditionell den Höhepunkt der Rallye Monte Carlo markiert. Und ganz nebenbei handelt es sich um so verwegen verlegtes Stück Straße, dass es einen nicht wundern würde, wenn diese Trasse hinter der nächsten Kehre auch noch mit einem Looping aufwarten würde. Eben perfektes Elfer-Terrain, was Dich auch der neue T sofort spüren lässt.

Im Sportmodus geht er noch eine Spur direkter zur Sache, lauter obendrein. Brabbeln, Fauchen, Brüllen – man könnte es auch pure Lebensfreude nennen. Der fordernde Boxersound dringt dabei noch eine Spur schärfer in die Kabine, weil auf Dämmung (und auch auf die schalldämmenden Rücksitze) aus Gewichtsgründen verzichtet wurde. Im nächsten Moment die Passhöhe des Turini, 1.607 Meter über Null, wo sich während der Rallye-WM die Zuschauer um die besten Plätze drängeln, herrscht heute ebenfalls gähnende Leere. Schade. Der neue Carrera T hätte Applaus verdient. Aber der Tag wird kommen. Versprochen.

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Fixer als ein Carrera

Porsche 911 Carrera T Touring Foto: Porsche
Am Heck steht ganz schlicht "T" für Touring.

Jetzt hat Porsche erneut ein Einsehen, oder nennen wir es eine Rückbesinnung. Mit dem Porsche 911 Carrera T kommt wieder ein auf das Wesentliche beschränkte Elfer-Version. T steht in diesem Fall für Touring. Dahinter verbirgt sich fast die gleiche Philosophie wie beim 911 R. Der Porsche 911 Carrera T kommt ausschließlich mit Heckantrieb und serienmäßig mit einem kürzer übersetzten manuellen Siebengang-Sportgetriebe. Für die nicht ganz so reinen Fans ist optional auch ein Doppelkupplungsgetriebe zu haben. Da der Touring auf dem Carrera basiert, schlägt im Heck dessen drei Liter großer Biturbo-Boxer mit 370 PS und 450 Nm Drehmoment. Dank des Schaltgetriebes mit kürzerer Übersetzung und mechanischer Quersperre sprintet der 911 Carrera T in 4,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Damit ist er 0,1 Sekunden schneller als das 911 Carrera Coupé. Die 200-km/h-Grenze erreicht das Modell nach 15,1 Sekunden. Mit dem optionalen PDK erreicht er die 100 km/h in 4,2 Sekunden, die 200 km/h nach 14,5 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit beider Getriebevarianten liegt bei mehr als 290 km/h – der Handschaltter kommt auf 293 km/h, die PDK-Version auf 291 km/h.

Verbessertes Leistungsgewicht, verschärftes Fahrwerk

Porsche 911 Carrera T Touring Foto: Porsche
Leichtbau im Innenraum: so bleibt die Mittelkonsole leer.

Die verbesserten Fahrleistungen sind teilweise auch auf das reduzierte Gewicht zurückzuführen. Die Ausstattung des 911 Carrera T ist durchweg auf Sportlichkeit und Leichtbau getrimmt: Die Heckscheibe und die Fondseitenscheiben bestehen aus Leichtbauglas, die Türtafeln haben Öffnerschlaufen. Die Dämmung ist maximal reduziert. Auf die optionale Rücksitzanlage wird verzichtet, ebenso wahlweise auf das Porsche Communication Management (PCM). Das Ergebnis: Der Zweisitzer ist mit 1.425 Kilogramm Leergewicht 20 Kilogramm leichter als ein vergleichbar ausgestatteter 911 Carrera. Das Leistungsgewicht verbessert sich auf 3,85 kg/PS.

Für ein Plus an Fahrdynamik trägt der Porsche 911 Carrera T zudem weitere Ausstattungsmerkmale, die es für den 911 Carrera nicht gibt. Dazu zählen zum Beispiel das serienmäßige PASM-Sportfahrwerk mit 20 Millimeter Tieferlegung, das gewichtsoptimierte Sport Chrono-Paket, der verkürzte Schalthebel mit rotem Schaltschema oder die Stoffmittelbahnen in Sport-Tex. Auch die optionale Hinterachslenkung, die für den 911 Carrera nicht angeboten wird, bleibt dem 911 Carrera T vorbehalten.

Reduzierte Ausstattung, eigenständige Optik

Porsche 911 Carrera T Touring Foto: Porsche
Der 911 Carrera T basiert auf dem Carrera, bekommt aber eine eigenständige Optik und ganz besondere Technikfeatures.

Natürlich ist der Touring auch optisch als reiner Sportwagen zu erkennen. Karosserieteile und Räder differenzieren sich klar. Vorne hat der 911 Carrera T eine aerodynamisch angepasste Bugspoilerlippe. Die Sport Design-Außenspiegel sind in Achatgraumetallic lackiert. Seitlich ist das neue Modell an 20-Zoll-Carrera-S-Rädern in Titangrau zu erkennen. Zusätzlich prägen „911 Carrera T“-Schriftzüge die Seitenansicht. Die Heckansicht wird durch die Lamellen des Heckdeckelgitters, den Porsche-Schriftzug, die Modellbezeichnung „911 Carrera T“ in Achatgrau und die serienmäßig an Bord befindliche Sportabgasanlage mit schwarz lackierten, mittig angeordneten Endrohren charakterisiert. Als Exterieur-Farben stehen Schwarz, Lavaorange, Indischrot, Racinggelb, Weiß und Miamiblau sowie die Metallic-Farben Carraraweiß, Tiefschwarz und GT-Silber zur Wahl.

Betont sportlich und puristisch präsentiert sich auch der Innenraum. Der Fahrer nimmt auf schwarzen Sportsitzen (4-Wege, elektrisch) mit Sitzmittelbahn in Sport-Tex Platz. Die Kopfstützen sind mit einem schwarzen „911“-Schriftzug bestickt. Optional gibt es für das neue Carrera T-Modell erstmals auch Vollschalen-Sitze. Lenkbefehle werden über das GT-Sportlenkrad mit Lenkradkranz in Leder erteilt. Der am Lenkrad angebrachte serienmäßige Mode-Schalter sortiert die Fahrprogramme. Der verkürzte Schalthebel mit Schaltschema in Rot ist exklusiv dem 911 Carrera T vorbehalten. Die Zierblenden in der Armaturentafel und in den Türen sind schwarz, ebenso die Türöffnerschlaufen. Neu ist das Interieur-Paket T. Es sorgt mit den Kontrastfarben Racinggelb, Indischrot oder GT-Silber für eine noch sportlichere Optik. Damit lassen sich zum Beispiel optische Akzente bei den Sicherheitsgurten, dem „911“-Schriftzug auf den Kopfstützen, den Öffnerschlaufen oder den Mittelbahnen der Sport-Tex-Sitze setzen.

Preis und Marktstart

Der 911 Carrera T ist ab Januar 2018 lieferbar und kann bereits jetzt bestellt werden. Die Preisliste startet bei 107.553 Euro. Der normale Carrera ist ab 97.914 Euro zu haben.

Und noch Wünsche? ja, vielleicht den 420-PS-Boxer aus dem Carrera S oder gleich den 450-PS-Sechszylinder aus dem GTS.

Fazit

Leere Straßen in den Seealpen sind ideal, um den neuen Porsche 911 T zum ersten Mal kennenzulernen. Schön, dass Porsche einen Elfer baut, der sich durch Weglassen definiert: kein Allrad, keine Doppelkupplung, dazu ein bisschen Leichtbau, ein traditionelles Kürzel und ein Turbomotor ohne Leistungsloch. So leichtfüßig, wie dieser 991 fährt, hat er Applaus verdient.

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