Absage wegen Iran-Krieg: Kein Ersatz für Saudi-Arabien und Bahrain?

Drohende Absagen wegen Iran-Krieg
Kein Ersatz für Saudi-Arabien und Bahrain?

GP Saudi-Arabien 2026
ArtikeldatumVeröffentlicht am 05.03.2026
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Startampel - Formel 1
Foto: Wilhelm

Es wäre nicht das erste Mal, dass die große Weltpolitik in den Formel-1-Kalender eingreift. 2011 wurde der GP Bahrain kurzfristig wegen Unruhen im Land als Folge des Arabischen Frühlings abgesagt. 2022 strich die Königsklasse den GP Russland einen Tag, nachdem die ersten Raketen aus Russland Richtung Ukraine abgeschossen wurden, aus dem Kalender.

Seit die USA und Israel den Iran angegriffen haben und der Mullah-Staat mit Vergeltungsschlägen in der ganzen Region antwortet, stehen hinter den Grand Prix von Bahrain und Saudi-Arabien zwei dicke Fragezeichen. Die Rennen stehen zwar erst am 12. Und 19. April auf dem Plan, doch die Entscheidung über eine Austragung muss spätestens am Ende der zweiten März-Woche getroffen werden. Also gleich nach dem GP China.

Am meisten drängt die Transport-Frage. Auch wenn sich das Material erst Ende März nach dem GP Japan auf die Reise machen würde, muss das Frachtbüro der Formel 1 schon vorher seine Dispositionen treffen. Durch die Blockade der Straße von Hormus ist auch die Seefracht betroffen.

Gulf Air - GP Bahrain
xpb

Sicherheit geht vor

Obwohl die Zeichen für einen längeren Krieg in der Region sprechen, will das F1-Management keine überstürzte Entscheidung treffen. Man gibt sich noch zehn Tage Zeit. Sollten die Auseinandersetzungen anhalten, werden beide Rennen ausfallen.

Jeddah wäre zwar leichter mit dem Flugzeug zu erreichen, weil der Ort auf der anderen Seite der arabischen Halbinsel liegt, doch die Formel 1 will kein Risiko eingehen. Der Raketenangriff der Huthi-Rebellen 2022 auf einen Vorort von Jeddah ist noch in schlechter Erinnerung. "Bei allen Überlegungen geht die Sicherheit für alle Beteiligten vor", heißt es aus dem Formel-1-Hauptquartier.

Im Fahrerlager wird bereits über möglichen Ersatz spekuliert. Von einem Doppelschlag in Japan ist die Rede, von einem GP Türkei oder dem Notnagel in Imola und Portimao. Tatsächlich ist es aber eher unwahrscheinlich, dass ein anderes Rennen einspringt. Eher wird der Kalender von 24 auf 22 Rennen reduziert. Damit entstünde eine fünfwöchige Pause zwischen den Rennen in Suzuka (29.3.) und Miami (3.5.).

Stefano Domenicali - Formel 1 - CEO - Saison 2024
Wilhelm

Probleme mit Ersatzrennen

Erstens wäre es eine logistische Herausforderung in nur fünf Wochen einen Grand Prix auf die Beine zu stellen. Zweitens würden die Ersatzorte nur kleines Geld bezahlen. Da kommt es für die Teams billiger, gar nicht zu fahren, als die Welt-Tour für einen Abstecher nach Europa oder einen längeren Aufenthalt in Japan zu unterbrechen.

Nur wenn die zwei Veranstalter im Mittleren Osten ihr Antrittsgeld bezahlen, wäre ein Ersatzrennen denkbar. Das ist nicht ganz unmöglich. Bahrain und Saudi-Arabien pflegen exzellente Beziehungen zum GP-Zirkus und könnten aus alter Verbundenheit ihren finanziellen Verpflichtungen trotz Höherer Gewalt nachkommen. Im arabischen Raum sitzen auch die Interessenten für einen Kauf des kompletten F1-Imperiums. Da will man das Produkt seiner Wünsche vielleicht nicht beschädigen.

F1-Fracht - Logistik - GP Aserbaidschan
Motorsport Images

Charterflüge als Antwort auf Reise-Chaos

Der Krieg in der Golf-Region hatte die Formel 1 schon bei ihrer Anreise zum Saisonstart in Melbourne zum Umdisponieren gezwungen. Wer über Dubai, Doha oder Abu Dhabi nach Australien fliegen wollte, musste kurzfristig umbuchen.

Die Ticketpreise für die wenigen Alternativ-Routen via Singapur, Bangkok oder Kuala Lumpur stiegen teilweise in astronomische Höhen. Ein Team berichtet, dass ein Ticket über Singapur für 40.000 Euro angeboten wurde. Viele wichen in der Not über chinesische oder amerikanische Drehkreuze aus. Natürlich auch zu überhöhten Preisen.

Die englischen Teams und die italienische Fraktion behalfen sich mit kurzfristig angesetzten Charterflügen. Eine Maschine flog sogar mit Zwischenlandung in Tansania nach Melbourne. Ferrari musste kurzfristig seine Fracht für Last-Minute-Teile umbuchen. Normalerweise übernimmt Emirates via Dubai diesen Dienst. Doch die Maschinen der arabischen Fluglinie standen alle am Boden. Ferrari fand Ersatz. "Bis Donnerstagabend werden alle Teile da sein", atmete ein Vertreter des Teams auf.

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