Michael Andretti - Formel E - 2021 BMW
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Andretti Autosport: Der Weg zum F1-Startplatz

F1-Bewerbung von Andretti Autosport Will die Formel 1 elf Teams?

Michael Andretti will unter allen Umständen in die Formel 1. Doch bis es so weit ist, gibt es viele Hürden. FIA und Formel 1 müssen zustimmen, und die Preisgeldverteilung müsste angepasst werden.

Michael Andretti meint es ernst. Der frühere IndyCar-Champion und 13-fache GP-Teilnehmer will unbedingt in die Formel 1. Er hat versucht den Sauber-Rennstall zu kaufen, und er hat auch mehrmals bei Haas angeklopft. Und er tut es immer noch. Doch der Sohn von Rennlegende Mario Andretti blitzte bis jetzt immer ab. Jetzt will der 59-jährige Amerikaner den schwierigeren Weg gehen und mit einem neuen Team antreten. Das hat zuletzt Haas 2016 geschafft.

Vor der Zulassung zum GP-Zirkus stand ein steiniger Weg. Teamchef Guenther Steiner hat zwei Jahre an dem Projekt gearbeitet und ein neues Modell ausgegraben, damit der Plan überhaupt aufgehen kann. Weil die Formel 1 technisch so komplex geworden ist, hängte sich Steiner an Ferrari. Haas kauft in Maranello alle Teile ein, die das Reglement gestattet. Die Amerikaner kümmern sich nur noch um das Chassis, die Aerodynamik und die Kühler.

Andretti mit Modell Haas

Andretti müsste mit dem gleichen Modell antreten, wenn er eine Chance haben will eine Zulassung zu bekommen. Ein Projekt dieser Größenordnung von der grünen Wiese zu beginnen wäre Selbstmord. Da hilft Andretti Motorsport auch seine Erfahrung aus der IndyCar, IMSA oder Formel E nicht. Die Formel 1 ist eine eigene Liga. Nach allem was man hört, will Michael Andretti den Haas-Weg einschlagen und im Idealfall schon 2024 am Start stehen.

Gene Haas - HaasF1 - Formel 1-Test - Barcelona - 23. Februar 2016
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Der US-Amerikaner Gene Haas kam 2016 mit seinem eigenen Team in die Formel 1.

Sein Partner wäre Alpine. Und dort würde man eine Zusammenarbeit mit den Amerikanern begrüßen, wie Teamchef Laurent Rossi bestätigte. Alpine sucht Verbündete. Die Franzosen sind neben McLaren das einzige Team ohne Allianzen. Andretti hatte sogar schon den früheren Aston Martin-Teamchef Otmar Szafnauer für sein Projekt kontaktiert, der dann aber bei Alpine landete. Einer der Fahrer stünde auch schon fest. IndyCar-Star Colton Herta.

Kein offizieller Bewerbungsprozess

Die größte Hürde für Andretti ist die Zulassung. Im Moment gibt es keinen offiziellen Bewerbungsprozess. Im Concorde Abkommen ist nur skizziert, wie das Preisgeld zu verteilen wäre, wenn das Feld von zehn auf elf Teams wächst. Die Formel 1-Verfassung lässt höchstens zwölf Teams in sein System. In Artikel 3.4.7 des Sportlichen Reglements der FIA steht allerdings, dass maximal 26 Fahrer an den Rennen teilnehmen dürfen.

Wenn FIA und Formel 1 ernsthaft das Feld erweitern wollten, müsste der elfte Platz zunächst öffentlich ausgeschrieben werden. Es könnte ja auch noch andere Bewerber geben. Jeder Antragsteller muss zunächst einmal 15.000 Euro Bewerbungsgebühr bezahlen. Wird sie angenommen sind weitere 150.000 Euro an die FIA fällig, die dann mit einer eingehenden Prüfung beginnen.

Bewerber müssen nachweisen, dass sie die finanziellen Mittel, das Personal und die Ressourcen haben, um ein Formel 1-Team an den Start zu bringen. So will die Königsklasse unprofessionelle Kandidaten ausschließen. Der Prüfungsprozess dauert nach den Erfahrungen mit Haas drei bis sechs Monate.

Andretti Autosport Logo
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Wenn Andretti kommt, muss der Kuchen unter elf Teams aufgeteilt werden und nicht mehr unter zehn.

20 Millionen Dollar extra pro Team

Bekäme Andretti von der FIA den Zuschlag, hätten nur noch die Rechteinhaber ein Vetorecht. Bei weniger als zwölf Teams können die anderen Teilnehmer einen neuen Bewerber nicht einfach blockieren. Andretti müsste dann ein Antrittsgeld von 200 Millionen Dollar zahlen, das zu gleichen Teilen an die zehn etablierten Teams verteilt würde.

20 Millionen Dollar extra in der Kasse klingen verlockend, doch die Teams müssten dann befürchten, dass ihr Preisgeld nach Abzug der Ferrari-Sonderzahlung und des Historienbonus an elf und nicht zehn Teams ausgeschüttet wird. In diesem Jahr erwartet die Teilnehmer eine Summe von 928 Millionen Dollar, die nach einem Schlüssel verteilt werden. 14,5 Prozent für den Weltmeister, sieben Prozent für den Zehntplatzierten.

Fängt Wachstum kleineren Kuchen auf?

Anders als in Bernie Ecclestones Welt gibt es keine Regel, dass Neueinsteiger erst einmal zwei Jahre warten müssen, um dann an einen Grundbetrag zu kommen, der bis 2017 für jedes teilnehmende Team 35 Millionen Dollar betrug. Ecclestone hat zwischen einer Festsumme für alle und dem Preisgeld, das nur an die Top Ten ausgeschüttet wurde, unterschieden. Bei Liberty gibt es neben den Sonderzahlungen nur Preisgeld.

Toto Wolff - Mercedes - Formel 1 - 2021
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Toto Wolff zeigte sich skeptisch, was die Aufnahme neuer Teams angeht. Allerdings haben die Teams kein Mitbestimmungsrecht.

Was bei einer Erweiterung des Feldes passiert, steht im Concorde Abkommen. Würde Liberty ein elftes Team aufnehmen, würden alle anderen Teams rund ein halbes Prozent vom Kuchen verlieren. Das wären bei der aktuellen Ausschüttungssumme knapp fünf Millionen Dollar pro Jahr.

Die 20 Millionen-Spende für den Andretti-Einstieg wäre also in vier Jahren aufgebraucht. Da die Formel 1 auf Wachstum ausgelegt ist, würden steigende Einnahmen den Verlust für die Teams vermutlich bald auffangen.

Bei so vielen Hürden ist der von Andretti anvisierte Start 2024 sehr ambitioniert. Das Echo in der Formel-1-Gemeinde ist geteilt. Von begrüßend bis skeptisch. Während Alpine, McLaren und Williams ein Team mit der Strahlkraft des Namens Andretti begrüßen, bremst Mercedes-Teamchef Toto Wolff die Euphorie: "Jedes neue Team muss den Wert des Sports steigern und das Feld bereichern."

Mit anderen Worten: Die Formel 1 hat nichts von einem Bewerber, der schon nach kurzer Zeit in finanzielle Probleme gerät oder sportlich hinterherfährt. So gesehen hätte es ein Werksteam wie Audi deutlich leichter. Das bekäme im Handumdrehen grünes Licht.

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