Formel 1: Aston Martins Rennstart in Australien wegen Honda in Gefahr

Rennstart von Aston Martin in Gefahr
Frust wegen Honda wächst weiter

GP Australien 2026
ArtikeldatumVeröffentlicht am 06.03.2026
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Adrian Newey - Lance Stroll - Aston Martin - GP Australien 2026
Foto: xpb/KI-generiert

Aston Martin kommt aus der Honda-Falle nicht heraus. Die angekündigten Gegenmaßnahmen greifen nur teilweise. Auf dem virtuellen Prüfstand laufen die Motoren bereits ohne die starken Vibrationen. Zum Saisonauftakt in Australien (8.3.) bleibt das eigentliche Problem aber bestehen. In der Realität korrelieren die Daten weiterhin nicht. Und das kostet Aston Martin kostbare Trainingszeit und noch mehr Nerven.

Schon am Freitagmorgen (6.3.) wurde in Melbourne erkennbar, wie desolat die Lage ist. Fernando Alonso verließ in der ersten Trainingssitzung die Garage kein einziges Mal. Nachdem der Motor warmlief, stießen die Honda-Ingenieure auf besorgniserregende Batterie-Daten. Lance Stroll konnte zwar kurz fahren, doch nach drei Runden war auch hier Schluss. Die Vibrationen rüttelten das Auto wieder so heftig durch wie bei den Testfahrten.

Die Diagnose traf das Team hart. Die Mechaniker erkannten ein Leck im Kühlsystem der Batterie. Nach nur 16 Kilometern waren damit zwei von vier Energiespeichern unbrauchbar. Star-Designer Adrian Newey fand klare Worte. "Wenn jetzt noch eine der zwei verbleibenden Batterien kaputtgeht, ist das Wochenende für den Fahrer gelaufen. Mehr Batterien gibt es nicht, weder hier noch anderswo."

Viel Sprit hilft gegen Vibrationen

Honda brachte ein ganzes Paket an Ideen mit, um die Schwingungen in den Griff zu bekommen. Fünf Lösungsansätze standen zur Auswahl, alle rund um eine andere Lagerung der MGU-K, die die Vibrationen reduzieren soll. Doch die erste Ernüchterung kam schnell. Drei Varianten wurden nach Rücksprache mit den Ingenieuren in Sakura direkt wieder verworfen. Am Nachmittag probierte man die zwei verbliebenen Optionen aus. Wenigstens rollten im zweiten Training beide Autos wieder.

Alonso und Stroll spulten in der zweiten Einheit zusammen 31 Runden ab, allerdings unter erschwerten Bedingungen. Honda riet dazu, die Autos vollzutanken. Das zusätzliche Spritgewicht sollte die Vibrationen dämpfen. Das half zwar, machte Aston Martin aber gleichzeitig langsam. Der Rückstand lag zeitweise bei fünf bis sechs Sekunden.

"Ich fühle mich machtlos. Solange dieses Problem nicht gelöst ist, bekommen wir keine Informationen über unser Auto. Die Situation raubt uns allen viel Energie", wirkte Newey frustriert.

Auch Alonso merkte, dass Aston Martin sich im Kreis dreht. "Es hat sich im Auto nicht viel anders angefühlt als in Bahrain", klagte der Spanier. "Wir hatten in beiden Sessions Probleme, die auf Seiten von Honda lagen", kritisierte der Spanier den Motorenpartner öffentlich. "Wir starten mit einem Rückstand. Aber alle im Team nehmen die Herausforderung an. Von außen sieht man den Fortschritt vielleicht nicht, aber ich kann versichern, dass es Fortschritte gibt."

Fernando Alonso - Aston Martin - GP Australien 2026
xpb

Zweckoptimismus bei Honda

Honda sieht die Lage etwas optimistischer, zumindest für den Moment. "Das zweite Training heute war für uns wertvoll, da wir die Auswirkungen unserer Gegenmaßnahmen sehen konnten", verwies Hondas-Chefingenieur Shintaro Orihara darauf, dass die Maßnahmen aus Sakura im Ansatz Wirkung zeigen.

"Da Lance und Fernando zusammen 31 Runden absolviert haben, konnten wir die notwendigen Daten sammeln, um festzustellen, dass die Dinge, die wir zuerst auf dem Prüfstand bei HRC in Sakura umgesetzt haben, auf der Strecke funktionieren. Als Ergebnis treten laut unserer Analyse, die während der Session gesammelt wurde, weniger Batterie-Vibrationen auf", erklärte Orihara.

Ganz ohne Rückschläge ging aber auch der Nachmittag nicht los. "Heute begann damit, dass wir ein Problem mit dem Antriebsaggregat an Fernandos Auto identifiziert haben", berichtete der Japaner. "Wir versuchten, dies vor dem Start des ersten Trainings zu beheben, aber leider konnten wir die Arbeit nicht rechtzeitig abschließen. Daher wurde die Entscheidung getroffen, dass das Auto mit der Nummer 14 die Session aussetzt, während die Arbeit am Antriebsaggregat fortgesetzt wurde."

Aston von Situation bei Honda überrascht

Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen? Honda galt in den letzten Jahren immer als Musterbeispiel für solide Motoren. Max Verstappen fuhr mit Aggregaten aus Sakura vier WM-Titel ein. Newey gab in Melbourne zu, dass man bei Aston Martin von falschen Vorraussetzungen ausgegangen war. Die Honda-Mannschaft, mit der er noch zu Red-Bull-Zeiten zusammengearbeitet hatte, gibt es jetzt nicht mehr.

Grund war die zwischenzeitliche Entscheidung des Vorstands, aus der Formel 1 auszusteigen. "Als sie sich neu aufgestellt haben, stellte sich heraus, dass sich ein großer Teil der ursprünglichen Gruppe aufgelöst hatte und inzwischen an anderen Projekten arbeitete, etwa im Bereich Solartechnik oder Ähnlichem", erklärte Newey.

Sprich: Das Honda-Team, das für Aston Martin die Power Unit baute, bestand mehrheitlich aus Neulingen. "Sie haben die Mannschaft erst 2023 wieder aufgebaut, dem Jahr der Einführung des Budget-Deckels für Motoren. Die Konkurrenz hatte schon seit 2021, 2022 entwickelt, mit einem bestehenden Team und ohne Budget Cap. Honda begann vielleicht mit 30 Prozent des alten Teams. Sie starteten mit Verzögerung und kämpfen seitdem, den Rückstand aufzuholen."

Laut Newey wurde den Aston-Bossen diese dramatische Lage viel zu spät bewusst: "Wir haben es erst letztes Jahr im November gemerkt. Lawrence, Andy Cowell und ich sind selbst nach Tokio geflogen, als es die ersten Gerüchte gab, dass sie ihre eigenen Power-Ziele für das erste Rennen nicht erreichen. Und dabei kam heraus, dass ein Großteil der alten Belegschaft nicht zurückgekommen ist, als es den Neustart gab."

Fazit