Selten wurde ein Techniker mit solchen Vorschusslorbeeren bei seinem neuen Team empfangen wie Adrian Newey. Der Design-Guru ist seit dem Frühjahr 2025 bei Aston Martin tätig. Der technische Dirigent soll das ehrgeizige Projekt zu WM-Titeln führen. In der Vergangenheit designte er bei Williams, McLaren und Red Bull die besten Autos. Ex-Pilot Eddie Irvine sagte einst: "Entweder musst du in einem Auto von Adrian Newey sitzen oder Michael Schumacher sein, ansonsten kämpfst du nicht um die Weltmeisterschaft."
Newey galt und gilt als Garant für Erfolg. Der Wechsel zu Aston Martin schien der perfekte Zeitpunkt zu sein. Das neue technische Reglement für 2026 warf bereits seine Schatten voraus. Die Teams mussten sich früh mit der Entwicklung der neuen Autos beschäftigen. Adrian Newey fokussierte sich deshalb fast ausschließlich auf den neuen Aston Martin.
Für den Angriff auf die Spitze soll der neue Motorenpartner Honda die entscheidenden PS liefern. Erstmals in der Geschichte des in Silverstone beheimateten Teams gibt es exklusive Motoren. Ein echtes Werksteam war man noch nie. Die neue Fabrik sowie der moderne Windkanal runden die Zutaten auf dem Papier ab. Zudem sitzt Fernando Alonso im Cockpit. Was sollte da noch schiefgehen?
Aston verspätet sich
Die Zuversicht ist aber schnell der Ernüchterung gewichen. Ende Januar in Barcelona konnte man in der Shakedown-Woche nur 65 Runden drehen. Während, bis auf Williams, fast alle Gegner fleißig Kilometer sammelten, verspätete sich die Ankunft des neuen Autos.
Newey erklärte Anfang Februar den Grund: "Die Realität ist, dass wir erst Mitte April ein Modell des 2026er-Autos in den Windkanal bringen konnten, während die meisten, wenn nicht alle, unserer Konkurrenten bereits ab Ende des Aerotest-Verbots Anfang Januar ein Modell im Windkanal hatten. Das hat uns um etwa vier Monate zurückgeworfen und zu einem extrem engen Entwicklungs- und Designzyklus geführt. Das Auto kam buchstäblich in letzter Minute zusammen."
Somit lag die Hoffnung auf einem reibungslosen Test in Bahrain. Die zerschlug sich aber schnell. Am Mittwoch (11.2.) absolvierte Lance Stroll lediglich 36 Runden. Die beste Rundenzeit war rund fünf Sekunden langsamer als die von Lando Norris, der Schnellster war. Der Aston Martin überhitzte. Zusätzlich gab es eine Anomalie an der Power Unit von Honda. "Wir haben wahrscheinlich 400 Runden weniger als die Konkurrenz", war Stroll bedient.
Vier Sekunden zu langsam
Am zweiten Testtag spulte Alonso immerhin 98 Runden ab. Ein deutlicher Fortschritt in Sachen Kilometerleistung, dafür fehlt aber der Speed: "Aktuell sieht es so aus, dass wir 4,5 Sekunden hinter der Spitze sind", fällte Stroll ein vernichtendes Urteil. "Natürlich ist es unmöglich, zu sagen, mit welcher Benzinmenge die anderen fahren. Aber wir müssen trotzdem erst einmal versuchen, vier Sekunden an Performance zu finden", forderte er von seinen Ingenieuren.
Der riesige Abstand ist mehr als besorgniserregend. Newey war in der Vergangenheit dafür bekannt, bei Regelumbrüchen mit seinen genialen Ideen, seine Teams an die Spitze geführt zu haben. Das Design des ARM26 sorgte sowohl in Barcelona als auch in Bahrain für Aufmerksamkeit. Experten sagen, es ist eines der wenigen Autos, das sich von der Konkurrenz unterscheidet. "Wir haben versucht, etwas zu bauen, von dem wir hoffen, dass es großes Entwicklungspotenzial besitzt", gibt Newey anhand der Philosophie Grund zur Hoffnung.
Die Probleme des Autos erscheinen vielschichtig. Unter anderem soll das Getriebe für Probleme sorgen. Es ist das erste, das Aston Martin selbst entwickelt und gebaut hat. Ein weiterer Punkt dürfte die neue Power Unit von Honda sein. Der Aston Martin ist am Heck extrem schmal geschnitten. Darunter leidet offenbar die Kühlung. Trotz riesiger Schlitze in der Außenhaut gehen die Temperaturen immer wieder durch die Decke.
Das erinnert an 2015. Die Japaner hatten bei ihrer Rückkehr einen schwachen Antrieb entwickelt und benötigten einige Jahre, ehe sie mit den anderen Herstellern auf Augenhöhe lagen. Damals war Honda exklusiver Partner von McLaren.

Fernando Alonso wirkte während der Testfahrten in Bahrain etwas frustriert.
Wie lange bleibt Alonso ruhig?
Die Designer hatten den Motoreningenieuren allerdings das Leben schwer gemacht, indem sie auf das "Size-Zero-Konzept" gesetzt hatten. Für die Honda-Mitarbeiter war es unmöglich, ihre Power Unit passend anzuordnen. McLaren zeigte mit dem Finger auf den Motorenpartner und Pilot Alonso verspottete den Antrieb regelmäßig am Funk.
Der Weltmeister von 2005 und 2006 soll in Bahrain vor lauter Enttäuschung die Rennhandschuhe in die Ecke gepfeffert haben. Der Spanier will endlich wieder um den Titel kämpfen. Mit Newey und Honda sah er seine Chance gekommen. Bekommt Aston Martin nicht die Kurve, dürften bissige Kommentare in Richtung seines Teams nur eine Frage der Zeit sein. Viel Zeit für den dritten WM-Sieg bleibt dem Ausnahmefahrer nicht mehr. Im Juli wird er 45 Jahre alt.
Enttäuscht ist aber wohl nicht nur Alonso. Wenn man den Fahrerlager-Gerüchten glauben kann, soll Teambesitzer Lawrence Stroll den Ingenieuren in Bahrain schon ordentlich Feuer gemacht haben. Der Milliardär gilt als ungeduldiger Zeitgenosse. Der Kanadier hat viel Geld in den Aufbau investiert. Nach Jahren im Mittelfeld dürfte er keine weiteren Misserfolge akzeptieren.












