Formel 1: Technik-Drama um Hülkenberg bremst die Party bei Audis Debüt

Bortoleto holt Punkte beim F1-Debüt
Audi-Drama um Hülkenberg bremst die Party

ArtikeldatumVeröffentlicht am 08.03.2026
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Gabriel Bortoleto - Audi - GP Australien 2026
Foto: Wilhelm

Das nennt man wohl Chefsache. Für den ersten Formel-1-Grand-Prix in der Geschichte von Audi ließ es sich der CEO nicht nehmen, den langen Weg nach Australien zu bestreiten. Gernot Döllner wollte sich in Melbourne vor Ort überzeugen, wie es um das ehrgeizige Projekt seines Arbeitgebers steht.

Der Deutsche reiste gar nur für den Renntag (8.3.) ans Ende der Welt. Mehr Tage wären ob seines straffen Terminkalenders nicht möglich gewesen. Und er hatte Glück im Unglück. Der Krieg in der Golf-Region hat zu vielen Flugausfällen in Abu Dhabi, Dubai (beide Vereinigte Arabische Emirate) und Doha (Katar) geführt. Döllner war aber rechtzeitig im Albert Park angekommen.

Dem 57-Jährigen boten die Formel-1-Piloten eine gute Show. Das war im Vorfeld noch nicht absehbar. Die Kritik am neuen Reglement, das auch auf den Wunsch von Audi eine gesteigerte Elektro-Leistung vorsieht, war seit den Testfahrten omnipräsent. Superstar Max Verstappen zerlegte verbal die Autos in Bahrain. Nach dem Qualifying in Melbourne (7.3.) pflichtete Weltmeister Lando Norris seinem Kumpel bei. Aber ohne die Zugeständnisse bei den Regeln wäre Audi nicht in die Königsklasse eingestiegen und Honda nicht werksseitig zurückgekehrt.

Hülkenbergs Audi streikt

Die neue Technik ist komplex. Selbst arrivierte Hersteller erleiden zu Beginn des Reglementzyklus Defekte. In Australien zog sich das über das gesamte Wochenende hinweg. Auch Audi musste kämpfen. Zwar schaffte Gabriel Bortoleto den Sprung in Q3, konnte aber wegen eines Problems nicht am letzten Qualifikations-Segment teilnehmen. Dennoch waren die Startplätze zehn und elf ein starkes Ergebnis der Audi-Chauffeure.

Die ideale Ausgangssituation für Punkte am Sonntag war geschaffen. Doch einer durfte nur von draußen zuschauen: Nico Hülkenberg. Der Routinier nahm nicht am Rennen teil. Er bewältigte zwar die Runde zur Startaufstellung, jedoch waren das seine letzten F1-Kilometer in Australien für dieses Jahr. Die Techniker entdeckten ein Problem am R26 und versuchten, es eifrig zu beheben. Es blieb beim Versuch. Hülkenberg hatte Feierabend. "Das ist nicht das, was wir nach einem guten Wochenende wollten, und sehr bitter, nicht starten zu können", wirkte der 38-Jährige nach dem Rückschlag enttäuscht.

"Wir haben die Telemetriedaten verloren auf dem Weg zur Startaufstellung. Wir hatten überhaupt keine Kommunikation mit dem Auto, wir hatten einen Verdacht und versuchten, das zu reparieren, haben das nicht geschafft und irgendwann muss man sich dann auf das Auto konzentrieren, das noch im Rennen ist", meinte Teamchef Jonathan Wheatley im Anschluss an das Rennen.

Nico Hülkenberg - Audi - GP Australien 2026
Audi

Bortoleto liefert ab

So wurde Gabriel Bortoleto zur Audi-Lebensversicherung in Australien. Der Brasilianer fiel in der Anfangsphase des Grand Prix bis auf Rang zwölf zurück. Als die Rennleitung das erste Mal das Virtual Safety Car verhängte, blieb die Startnummer 5 auf der Piste. Wie seine Mittelfeld-Gegner Oliver Bearman (Haas) und Racing-Bulls-Rookie Arvid Lindblad nutzte Bortoleto die zweite VSC-Phase, um den Medium-Pneu gegen den harten Reifen einzutauschen.

Während es seine unmittelbaren Konkurrenten bei einem Stopp beließen, beorderte der Audi-Kommandostand seinen Piloten in Runde 33 ein zweites Mal an die Box. Jetzt musste der Formel-2-Champion von 2024 zur Aufholjagd ansetzen. Das gelang. Bortoleto schnappte sich noch Esteban Ocon im zweiten Haas sowie Pierre Gasly (Alpine). Zwar hing er in den letzten Runden noch im Heck von Lindblad, eine Attacke konnte der 21-Jährige aber nicht mehr setzen.

"Es hat Spaß gemacht und war gleichzeitig verrückt. Es gab so viele Dinge, die da passiert sind im Rennen. Unerwartete Überholmanöver, die ich setzen konnte. Dinge, die unvorhersehbar waren. Aber das war das erste Mal mit den neuen Regeln und ich denke, wir haben einen guten Job gemacht", war der Mann aus São Paulo zufrieden.

Wheatley lobt seine Audi-Truppe

Gabriel Bortoleto ist also der Fahrer, der die ersten Punkte in der Formel-1-Geschichte von Audi eingesammelt hat. Sehr zur Freude seines Teamchefs Jonathan Wheatley. "Ich bin unglaublich stolz auf das, was wir erreicht haben. Stolz, was wir in Hinwil und Neuburg geschaffen haben. Ich bedanke mich bei all diesen talentierten Menschen, die uns hierher gebracht haben."

Trotz des Ausfalls von Hülkenberg vor dem Start dürfte auch Gernot Döllner mit dem in Melbourne Gezeigten zufrieden sein. Audi mischt im Mittelfeld am vorderen Ende mit. Lediglich Haas und die Racing Bulls sind auf Augenhöhe mit dem Werksteam der VW-Tochter. Andere namhafte Hersteller wie Honda versuchen aktuell, auf die Beine zu kommen. Da ist Audi schon mehr als einen Schritt voraus.

Fazit