Der Jubel über die zwei WM-Punkte von Gabriel Bortoleto hatte die Probleme von Audi beim Saisonstart in Melbourne noch überdecken können. In China wurde das neuformierte Werksteam auf den Boden der Realität zurückgeholt. "Diese Strecke hat unsere Schwächen in vielen Bereichen zum Vorschein gebracht", gab Teamchef Jonathan Wheatley zu. "Es hat sich zum Beispiel gezeigt, wie wichtig die Fahrbarkeit in bestimmten Rennsituationen ist. Das ist für uns noch eine Herausforderung."
Die größte Baustelle ist aber nach wie vor die Zuverlässigkeit. In Melbourne verpasste Nico Hülkenberg den Start mit einem Technik-Problem. In Shanghai fiel der Rheinländer mit einem Defekt im Sprint aus. Bortoleto musste dafür am Sonntag tatenlos zuschauen. "Es ist sehr enttäuschend, dass wir nun beim zweiten Rennen in Folge nur ein Auto im Einsatz hatten. Wir müssen uns dafür bei den Fahrern entschuldigen", gab Wheatley zu Protokoll.
Auch bei Hülkenberg lief im Rennen nicht alles nach Plan. Die Sorgen vor den schlechten Starts waren berechtigt. Der Rheinländer verlor in der ersten Runde gleich sechs Positionen. Der rege Funkverkehr im Anschluss deutete darauf hin, dass sich der Pilot mehr auf die Knöpfe am Lenkrad als auf das Fahren selbst konzentrieren musste. "Es gibt Situationen, da reagiert die Power Unit in unerwarteter Weise. Nico musste den Motor mehrere Male wieder ins Arbeitsfenster zurückbringen", verriet der Audi-Teamchef.

Nach dem verpassten Melbourne-Rennen und dem Sprint-Defekt sah Nico Hülkenberg die Zielankunft in Shanghai schon als Erfolg an.
Punkte ohne Boxenstopp-Pech
Dann hatte Hülkenberg auch noch Pech bei der Strategie. Die frühe Safety-Car-Phase passte nicht zur Taktik mit den harten Reifen am Start. Während die Konkurrenz zum zeitsparenden Boxenstopp abbog, blieb der Audi draußen. Beim Service in Runde 35 streikte dann auch noch ein Schlagschrauber. Der Reifenwechsel dauerte 14 Sekunden länger als üblich.
"Ohne das Problem beim Boxenstopp hätte es Nico heute locker in die Punkte geschafft", klagte Wheatley. "Das macht es noch frustrierender, wenn ich daran denke, was mit einem zweiten Auto im Rennen möglich gewesen wäre. Es konnten ja schon vier Autos nicht starten. Drei sind im Rennen ausgefallen. Da war heute mehr drin."

Wäre der Boxenstopp normal verlaufen, hätte es am Ende wohl mit einem Top-Ten-Ergebnis geklappt.
Potenzial ist vorhanden
Hülkenberg selbst wollte dem Team trotz Platz 11 und vieler Probleme keine Vorwürfe machen: "Es war erst einmal gut, das Rennen beendet zu haben. Die Kilometer und die Infos sind viel wert. Es war nicht gerade ein reibungsloses Rennen. Das Potenzial ist da, um im Mittelfeld mitzukämpfen, aber natürlich gibt es noch viel zu verbessern. Wir sind nicht die einzigen, die noch Hausaufgaben vor der Brust haben. Wir werden das jetzt alles analysieren und uns in Japan wieder neu aufstellen."
Wheatley zeigte sich zuversichtlich, dass die Leidenszeit bald ein Ende hat: "Mercedes und Ferrari haben ein brauchbares Paket. Alle anderen erleben gerade eine schwierige Phase. Ich bin ein positiver Mensch. Ich glaube daran, dass wir die Probleme in den Griff bekommen. Die Pause im April sollte uns dabei helfen. Der Winter war kurz. Die letzten Monate waren sehr stressig. Wir müssen in der nächsten Entwicklungsphase auch nochmal an den Motor ran. Da gibt es noch einige Dinge, die wir verbessern können."












