Der schwarze Lotus in der John-Player-Lackierung zählt zu den ikonischsten Designs in der Formel-1-Geschichte. Noch heute erinnern sich Zeitzeugen von damals mit Freude an die Autos des Traditionsteams, das mittlerweile von der Bildfläche verschwunden ist. Jetzt steht einer dieser Rennwagen zum Kauf. Das renommierte Auktionshaus RM Sotheby's versteigert den Lotus 98T am 4. März dieses Jahres.
Das Auto steht momentan in Alton, Großbritannien. Bei dem Preis, den sich die Engländer vorstellen, dürfte es dem ein oder anderen aber schwindelig werden: Zwischen acht und zehn Millionen Euro will RM Sotheby's für den schwarz-goldenen Renner. Das würde locker für die Top-Ten der teuersten Formel-1-Autos aller Zeiten reichen. Es wäre auch der einzige Wagen, der aus den 1980ern stammt.
Den Preis nach oben treibt die Tatsache, dass ein gewisser Ayrton Senna hinter dem Steuer des Lotus gesessen hat. Der Brasilianer befand sich 1986 im dritten Jahr seiner Karriere und fuhr die zweite Saison für das Traditionsteam, das aber außer einzelnen Erfolgen nicht mehr viel gegen McLaren und Williams ausrichten konnte. Lediglich mit Senna im Auto waren noch Siege möglich.
Renault-Turbo im Lotus
Die 80er-Jahre standen auch für die Turbo-Ära in der Formel 1. Renault hatte zwar bereits im vorangegangen Jahrzehnt die Königsklasse mit aufgeladenen Motoren revolutioniert, doch die Franzosen kämpften lange Zeit mit Technik-Problemen. Es dauerte bis 1983, ehe ein Turbo-Motor im Weltmeister-Wagen verbaut war. Da war es jedoch kein Renault-, sondern ein BMW-Turbo im Brabham von Nelson Piquet.
Nach vielen schmerzhaften Niederlagen zog Renault sein Werksteam nach der Saison 1986 zurück. Als Motorenlieferant blieb man aber noch dabei und stattete neben Ligier, Tyrrell auch Lotus mit dem V6-Turbo aus. Die Zylinder ordneten die Ingenieure in einem Bankwinkel von 90 Grad an. Der 1,5 Liter große Motor erreichte 12.500 U/min und je nach Ladedruck zwischen 800 und mehr als 1.000 PS. Im Qualifying konnten die Fahrer den Ladedruck unbegrenzt hochdrehen, um die maximale Leistung aus dem Motor mit dem Namen EF15B zu quetschen.
Im Rennen musste der Motor aber geschont werden, um die Distanz zu schaffen. Ein weiter einschränkender Faktor war die reduzierte Spritmenge. 1985 durften die Autos noch 220 Liter verbrauchen, ein Jahr später nur noch 195 Liter. Nachtanken war verboten. Das bremste den Turbo-Wahnsinn in den 80ern etwas ein. Das Getriebe im Lotus 98T stammte von Lotus in Zusammenarbeit mit Hewland und hatte wahlweise fünf oder sechs Gänge. Senna entschied sich für das 5-Gang-Getriebe. Die Piloten, Sennas Teamkollege war der junge Engländer Johnny Dumriefs, schalteten damals noch per Hand. Den Kraftstoff lieferte Elf, die Reifen kamen von Goodyear.

Der Lotus 98T war nur 540 Kilogramm schwer.
Lotus wog nur 540 Kilo
Das Chassis bestand aus Kohlefaser. Sowohl an der Vorder- als auch an der Hinterachse setzte Lotus auf das Pullrod-System. Der Rennwagen brachte gerade einmal 540 Kilogramm auf die Waage. Kaum vorstellbar, wenn man das mit der aktuellen Formel 1 vergleicht. Designer des 98T war Gérard Ducarouge, der bereits seit 1983 bei Lotus arbeitete. Das Fahrzeug der 86er-Spielzeit war eine Weiterentwicklung des 97T, mit dem Ayrton Senna in Estoril seinen ersten Grand Prix gewonnen hatte.
Aerodynamisch war das Auto für heutige Verhältnisse schlicht, kleine Extra-Flügel oder elegant geschwungene Formen gab es vor 40 Jahren noch nicht. Optisch war es auch die letzte Saison im John-Player-Look. 1987 wechselte Lotus nicht nur auf Honda-Motoren, sondern bekam mit Camel einen neuen Hauptsponsor. Der Lotus war daraufhin gelb lackiert.
Das Inserat von RM Sotheby's ist eines von nur vier Chassis, die das Team für die Saison gebaut hatte. Ayrton Senna bestritt mit dem Wagen der Nummer 98T-3 insgesamt acht Grands Prix.

Senna gewann 1986 zwei Rennen. Darunter das Drama in Jerez, bei dem er nur 14 Tausendstel vor Nigel Mansell die Ziellinie überquerte.
Zwei Siege für Senna
Der spätere dreimalige Weltmeister gewann mit dem Fahrzeug zwei Rennen. Unter anderem den WM-Lauf in Jerez. Senna hatte sich für den zweiten GP des Jahres zunächst die Pole-Position gesichert. Das Rennen in Spanien war spektakulär. Zwischen dem Lotus-Piloten sowie seinen Gegnern Nigel Mansell (Williams) und Champion Alain Prost (McLaren) entbrannte ein Dreikampf.
Mansell stoppte kurz vor Rennende, um sich frische Reifen montieren zu lassen. Der Engländer nutzte den Vorteil und holte massiv auf, bis er auf Senna auflief. Es entwickelte sich ein Rad-an-Rad-Duell, das bis in die letzte Runde dauerte. Senna setzte sich mit einem Vorsprung von 14 Tausendstelsekunden durch. Der Zieleinlauf ist einer der knappsten in der F1-Geschichte. Die Szene, wie Senna und Mansell nebeneinander über die Ziellinie fuhren, brannte sich in die Köpfe vieler Fans ein.
Der Mann mit dem gelben Helm gewann noch ein weiteres Rennen. In Detroit siegte er beim US-Grand-Prix mit dem Chassis 98T-3. Für den Titelkampf war der Lotus 98T aber nicht gut genug. Senna wurde mit 55 Punkten Vierter in der WM hinter Champion Prost sowie den Williams-Piloten Mansell und Piquet. Dafür zeigte der spätere Superstar, weshalb man ihn zum Qualifying-König ernannte: Insgesamt acht Mal holte er die Pole-Position und das bei nur 16 Rennen.

RM Sotheb's verspricht einen makellosen Zustand sowie eine lückenlose Dokumentation des F1-Autos.
Lückenlose Dokumentation
Mit dem zu ersteigernden Chassis gelangen ihm fünf Pole-Positions, wie RM Sotheby's angibt. Zu den zwei Siegen kamen noch drei weitere Podestplätze. Insgesamt acht Mal schaffte es der Mann aus São Paulo in diesem Jahr unter die ersten drei.
Nach der Saison 1986 ging der Rennwagen in den Ruhestand. Das Auktionshaus schreibt in seinem Inserat, dass sich der Lotus in einigen renommierten Motorsport-Sammlungen befunden habe. Seit 2016 war er im Besitz des jetzigen Eigentümers. In der Zwischenzeit hat den 98T-3 die Firma Paul Lanzante Ltd. vollständig restauriert und das Auto in einen makellosen Zustand versetzt.
RM Sotheby's spricht davon, dass das 40 Jahre alte F1-Auto wieder bereit für die Rennstrecke sei. Wer also ein bisschen Geld – schlappe acht bis zehn Millionen Euro – für einen teuren Spaß übrig hat, sollte sich den 4. März 2026 im Kalender anstreichen.












